Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Im kleinen Kreis etwas verändernJuMuDia: Interkultureller Dialog unter Studenten in Gelsenkirchen
Die Konflikte zwischen Juden und Moslems sind allgegenwärtig. Dass es auch friedlich geht, zeigt eine Gruppe junger Studierender aus ganz Deutschland in Gelsenkirchen. Sie treffen sich regelmäßig, um über ihre unterschiedlichen Religionen zu sprechen und vor allem, um Vorurteile abzubauen. Ilja sitzt auf einem großen Findling in einem Park und liest aus einem kleinen Büchlein vor. Genauer gesagt aus dem Buch «Bereschit», dem ersten Buch der Tora. Um ihn herum steht eine kleine Gruppe von Menschen und lauscht ihm andächtig. Das Besondere ist, dass es sich dabei sowohl um junge Leute jüdischen als auch islamischen Glaubens handelt. Sie sind in Gelsenkirchen zusammengekommen, um ein Wochenende lang einen interkulturellen Dialog zu führen. Ziel dieses Treffens ist es in erster Linie, «Vorurteile gegenüber der jeweils anderen Religion abzubauen», wie die zwanzigjährige Muslima Sümeyye erzählt. Teil des Dialogs wurde sie durch eine StudiVZ-Gruppe, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigt, «JuMuDia». StudiVZ ist eine kostenlose Internetplattform für Studenten, die eine Vielzahl persönlicher Netzwerke und Communities bietet. «Ehrlich gesagt, bin ich sogar durch ein Streitgespräch mit einem der Gruppenmitglieder dazugekommen. Er hatte mir vorgeworfen, dass ich viel zu viele Vorurteile gegenüber Juden hätte und das hat mich dazu bewegt, mich näher mit dem Thema zu befassen», erzählt Sümeyye weiter. Überhaupt fällt das Wort «Vorurteil» sehr oft. Denn auch die junge Muslima musste zunächst mit Vorurteilen über das Tragen des Kopftuches und die Rolle der Frau im Islam aufräumen. Aber genau dazu ist die Gruppe da. «Wir können alle ganz offen miteinander reden und man traut sich daher, alle Fragen zu stellen, die man so hat», sagt Sümeyye. Denn Juden und Muslime haben viele Gemeinsamkeiten: Sie teilen religiöse Vorstellungen und Bräuche und haben ähnliche Speisevorschriftenücher, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Mitglieder der jüdisch-muslimischen Dialoggruppe wollen genau auf diese Gemeinsamkeiten aufmerksam machen und ein friedvolles Miteinander der beiden Religionen fördern. «Anfangs », so sagt Sümeyye, «war es auch für meine Familie etwas komisch, dass ich mich plötzlich so stark mit dem Judentum beschäftige und an einem Dialog teilnehme, aber ich habe ihnen das sachlich erklärt und jetzt finden sie das gut.» Das ist nicht zuletzt auch ein Generationenkonflikt, wie die junge Muslima erklärt: «Unsere Elterngeneration geht noch ganz anders mit diesem Thema um als wir. Für sie wäre es schwieriger, an solch einem Dialog teilzunehmen. Unserer Generation fällt das wesentlich leichter.» «Insgesamt waren hauptsächlich vier Personen an der Organisation dieses Treffens beteiligt, aber auch alle anderen Teilnehmer haben mitgewirkt. Wir sind da alle gleichberechtigt», erzählt David (21), der Gründer der StudiVZ-Gruppe, und somit derjenige, der maßgeblich an der Entstehung des Dialogs beteiligt war. Bei dem viertägigen Treffen steht viel auf dem Programm: Die Besichtigung einer Moschee und einer Synagoge, verschiedene Workshops und vor allem der Austausch und die Diskussion der Teilnehmer untereinander. Der letzte Punkt ist der wohl wichtigste Aspekt der Arbeit der Gruppe. Damit diese professioneller werden kann, plant David zusammen mit einigen anderen Engagierten, einen Verein zu gründen. Die Ziele sind die gleichen wie auch jetzt schon. Das Ganze soll dann aber ein wenig größer und bekannter werden. Denn - so sagt einer der Teilnehmer - «wenn sich die Menschen in anderen Ländern aufgrund ihrer verschiedenen Religion bekriegen, können wir das zwar nicht verhindern, aber wir können anfangen, im kleinen Kreis bei uns in Deutschland etwas zu verändern.»
Link: http://jumudia.wordpress.com. |