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«Das ewige Leben der Albaner»von Ornela VorpsiSchon die ungewöhnliche, expositionsartige Widmung dieses in italienischer Sprache verfassten literarischen Debüts der in Paris lebenden, albanischen Künstlerin Ornela Vorpsi (geboren 1968), namentlich «an das Wort Bescheidenheit, das im albanischen Wörterbuch nicht vorkommt», lässt erahnen, dass «Das ewige Leben der Albaner» kein reines Loblied auf die archaisch anmutenden Sitten und die politischen Verhältnisse ihres Heimatlandes ist. «So ein Mangel kann sonderbare Auswirkungen haben auf die Entwicklung eines Volkes», fügt die Autorin mit bösem Sarkasmus hinzu. Die diesjährige DAAD-Stipendiatin hat Albanien 1991 verlassen, als viele tausende ihrer Landsleute der Heimat ebenfalls den Rücken kehrten. Vorpsis Roman - eigentlich eine Aneinanderreihung von Erzählungen - sind die zornigen Erinnerungen einer jungen Frau an ihre Kindheit und Jugend in Tirana bis zu ihrer Emigration. Die junge Protagonistin, ein aufgewecktes, intelligentes Mädchen, leidet dabei nicht nur unter den Auswirkungen des Stalinismus, einer allgemeinen, allumfassenden Hoffnungslosigkeit und Lethargie, sondern vor allem auch an der vorherrschenden männlich-chauvinistischen Gesellschaftshierarchie - und der Angst aller Erwachsener in ihrem Umfeld, sie könne allzu bald Gefallen an der «Hurerei» finden. «Selbst heute werde ich die Vorstellung nicht los: Eine Frau mit dickem Bauch = eine Frau, die im Gebüsch gevögelt worden ist.» Ornela Vorpsi bringt ein außergewöhnliches Talent für treffende Beobachtungen und pointierte Formulierungen mit, poetische Momente wechseln sich ab mit Aussagen, die härter und illusionsloser kaum sein können und oft nur vorübergehend von ironischem Humor abgemildert werden. Ist es im Westen wirklich besser? Nach der Ankunft in Italien strahlt die Mutter vor Begeisterung: ein junger Mann habe ihr beim Koffertragen helfen wollen. Aber sie hat den Sinn seiner Worte nicht verstanden: «Wieviel willst du fürs Bumsen?» - «Das ewige Leben der Albaner» ist eine großartige Tragikomödie in kleiner Form, ein Debüt, das aufhorchen lässt.
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