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«Kein Rabe so schwarz»von Joel RoseDas neue überaus ehrgeizige Romanprojekt des umtriebigen Journalisten, Romanciers und Fernsehautors (Miami Vice, Kojak) Joel Rose (geboren 1960) führt uns ins historische New York des Jahres 1841, das von dem grausamen Mord an der allseits bekannten und besonders in Literatenkreisen beliebten jungen Tabakverkäuferin Mary Rogers in helle Aufregung versetzt wird - ein historisch verbürgter, jedoch nie befriedigend und erschöpfend aufgeklärter Mordfall der frühen New Yorker Stadtgeschichte, der Edgar Allan Poe damals zu seiner zweiten Dupin-Story «Das Geheimnis der Marie Roget» inspirierte. Kein Wunder also, dass der große Dichter des subtilen Grauens in Roses Roman nicht nur eine prominente Nebenrolle einnimmt, sondern auch zum Kreis der Tatverdächtigen zählt, zumal er ganz unumwunden zugibt, in die Ermordete verliebt gewesen zu sein. Manhattan hat als Keimzelle New Yorks im Jahr 1841 schon an die 500.000 Einwohner, trotzdem geht es in den sich anfangs nur sehr langsam entfaltenden Ermittlungen des greisen High Constables Jacob Hays eher familiär und beschaulich zu. Der an die Hochtempo-Ermittler des 21. Jahrhunderts gewöhnte Leser braucht hier zunächst Geduld, Zeit und Konzentration, um dem vielschichtigen Fall folgen zu können, zumal es nicht bei diesem einen Mord bleibt. Wer aber nicht ausschließlich an einem spannenden Krimi interessiert ist, wird aus «Kein Rabe so schwarz» trotzdem ein intellektuelles Vergnügen ziehen können, gerade aufgrund der ausführlichen Exkurse in die spannende Stadt- und Literaturgeschichte der aufstrebenden Metropole sowie in die problematische Biographie Edgar Allan Poes. Joel Rose hat für seinen ambitionierten Roman über 20 Jahre recherchiert, sein ursprüngliches Manuskript umfasste zeitweise über 4000 Seiten. Dass der Autor es letztendlich doch geschafft hat, sein großes Werk auf durchaus verdauliche 519 Seiten zu kürzen ist Segen und Fluch zugleich: einzelne Abschnitte wirken nicht homogen im Sinne eines durchgängigen Erzählflusses.
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