Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]()
«Shanghai Dinner»von Nury VittachiMeister Wong, der «Fengshui-Detektiv», eine literarische Schöpfung des Hongkonger Satirikers Nury Vittachi, hat mit seinen ebenso ergötzlich wie spannend zu lesenden Abenteuern innerhalb der letzten fünf Jahre auch in Deutschland eine beachtliche Fangemeinde für sich einnehmen können. Der besondere Reiz seiner Fälle liegt im pointiert-komischen Zusammenprall zweier scheinbar unvereinbarer Welten: der uralten östlichen Weisheit in Form des erhabenen, liebenswert altmodischen Fengshui-Meisters auf der einen Seite, sowie der vom westlichen Lebensstil geprägten Moderne in Person seiner flippigen und verwöhnten jungen australischen Assistentin andererseits. So sind schon auf der persönlichen Ebene erhebliche Konflikte zu bewältigen, gar nicht erst davon zu reden, welch erhebliche kriminelle Energien sich mitunter im Schmelztiegel Hongkong oder an all den anderen Schauplätzen, an die der Spezialist gerufen wird, zu materialisieren vermögen. Der Leser ahnt es schon: nicht alle Probleme lassen sich durch eine nachträgliche Harmonisierung der Architektur und der Wohnräume lösen, denn tot ist nun mal tot - «ganz schlechtes Fengshui». Sein mittlerweile viertes Abenteuer führt Meister Wong nach Shanghai, wo er nicht weniger als die Welt retten muss, wie der Untertitel des Buches augenzwinkernd verrät. Hier, in der Modellstadt des chinesischen Kapitalismus, hat Wong soeben eine Filiale seines florierenden Beratungsunternehmens eröffnet. Leider jedoch hat sich nicht nur der amerikanische Präsident zu einem Staatsbesuch angesagt, es befinden sich auch vegane Terroristen und ein weißer Elefant in der Stadt - da heißt es, umsichtig und auf richtige Weise zu handeln... «Shanghai Dinner» ist eine spannend zu lesende, aberwitzige Satire auf den aktuellen Terrorwahn, die von skurrilen Einfällen und scharfsinnigen Einsichten nur so wimmelt - beste niveauvolle Unterhaltung mit intellektuellem Biss. Informationen: «Shanghai Dinner», aus dem Englischen von Ursula Ballin, erschienen im Unionsverlag, 320 Seiten, € 19,90
|