Welche Bilder halten die Erinnerung wach?
Das Touro-College geht neue Wege der Geschichtsvermittlung
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Anne F. Bayefsky bei ihrer Berlin Lecture. Foto: M. Schmidt |
Wenn Bundespräsident Köhler am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages spricht, dann wollen auch Studenten des «Lander Institute for Communication about the Holocaust and Tolerance» unter den Gästen sein, um seine Rede, die unmittelbare Resonanz darauf und den weiteren Kontext später im Unterricht diskutieren zu können. Wie etwa steht Horst Köhler ansonsten zur NS-Gedenkstättenarbeit? Das Berliner Lander-Institut, das Teil des privaten Touro-College am Rupenhorn ist, hat vor zwei Jahren seinen Lehrbetrieb aufgenommen. Benannt ist es nach Rabbiner Bernard Lander, dem Gründer und Präsident des jüdisch-amerikanischen Touro-Hochschulnetzwerks, das sich seit 1970 weltweit entwickelt hat. Heute gibt es 25 Studienorte mit über 22.000 Studierenden, unter anderem in New York und Kalifornien, aber auch in Israel, Moskau und Berlin.
Der Ausbildungsschwerpunkt der 2003 eröffneten Berliner Privathochschule ist eigentlich Betriebswirtschaftslehre. Wie aber passt dazu ein Masterstudiengang zum Thema Holocaustvermittlung? «Hauptziel des Instituts in Berlin ist es, die Erinnerung wachzuhalten», sagt Bernard Lander. Gründungsdekan Andreas Nachama formuliert es so: «Es reicht nicht aus, dass man eine lautere Einstellung hat. Man muss mit Bildern, Texten und Diagrammen überzeugen.» Durch den «so oft empfundenen Überdruss an Informationen» über die Vernichtung der europäischen Juden entstehe ein von Unschärfen und Nichtwissen geprägtes Bewusstseinsbild in Deutschland. «Die Studenten sollen Handwerkstechniken erlernen, die sie im Berufsleben verwenden können und die sie befähigen, Ausstellungen zu konzipieren und in Gedenkstätten zu arbeiten.»
Die kleinen Seminargruppen, die individuelle Betreuung und schließlich auch die Einbe- ziehung von Lehrangeboten zu Toleranz und Menschenrechten, jüdischer Geschichte und Religion machen die besondere Qualität des Studienganges aus. Sie hat allerdings ihren Preis: der zweijährige Masterstudiengang an dieser staatlich anerkannten Einrichtung schlägt mit insgesamt 12.000 Euro zu Buche. Ein engagierter Förderkreis bemüht sich gegebenenfalls auch um Stipendien. Den Studierenden kommen der Praxisbezug und die internationale Vernetzung in jedem Fall zu Gute. «In den letzten Wochen gaben sich auswärtige Referenten bei uns quasi die Klinke in die Hand», heißt es. Eine von ihnen war jetzt Anne F. Bayefsky, Direktorin des «Institute on Human Rights and the Holocaust» am New Yorker Touro-College, die die Menschenrechtserklärung von 1948 in aktuelle Bezüge setzte.
Hartmut Bomhoff