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«Hôtel Baalbek»von Fred WanderIm letzten Jahr verstarb in Wien im Alter von 89 Jahren der leider immer noch «große Unbekannte» unter den bedeutenden literarischen Zeugen des Holocaust: Fred Wander, Überlebender der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald, hatte sich 1947 einen sprechenden Namen ausgesucht, als er als Journalist zu arbeiten begann, eine Tätigkeit, wie er später im Rückblick bekannte, die für ihn lediglich ein erster, ungeliebter Schritt in der Schule des «Erlernens des Handwerks des Schreibens» war. Es brauchte lange, bis sein erster, auch von ihm selbst als «fertig» empfundener Roman «Der siebente Brunnen» 1971 in der DDR erscheinen konnte, seiner Wahlheimat von 1958-1983. Wander schuf damit, in einem bestechenden Gleichklang von Aussage und Form, eines der überzeugendsten und literarisch bedeutendsten Zeugnisse des Überlebens im Zweiten Weltkrieg. Sein zweiter Roman «Hôtel Baalbek», erstmals 1991 erschienen und jetzt im Rahmen einer Werkausgabe wieder aufgelegt, ähnelt dem «Siebenten Brunnen» in Ton und Haltung und kann durchaus als Ergänzung dazu gelesen werden: ein drittklassiges Hotel im noch unbesetzten Marseille wird 1942 die letzte Zuflucht für viele vorwiegend jüdische Flüchtlinge jeglicher Couleur aus allen Gegenden Europas. Die Atmosphäre ist geprägt von einer großen lähmenden Ungewissheit sowie einer daraus resultierenden gewissen Rauschhaftigkeit des Seins, besonders für den jungen österreichischen Erzähler, der in zwei Frauen gleichzeitig verliebt ist und dessen Jugend trotz allem noch ein Versprechen zu sein scheint. Wander erzählt aus der Perspektive des Überlebenden, mit dem Abstand eines durch seine bitteren Erfahrungen gereiften Mannes. Dabei ist «Hôtel Baalbek» alles andere als eine schmerzliche, vom Tod der mit wachem Verstand beobachteten und in all ihren unterschiedlichen Lebensäußerungen geliebten Gefährten geprägte Klage, sondern gerade aus dieser bewussten Zeugenschaft heraus auch ein Buch der Lebensfreude und der Zuversicht. Ergänzt wird die Neuausgabe durch ein überaus lesenwertes Nachwort von Erich Hackl.
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