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Deborah und Hermann Simon in die Kochtöpfe geschaut
Kochen macht ja bekanntlich Spaß! Mir, der ich kaum mein Frühstücksei im richtigen Härte- oder besser: Weichegrad hinkriege, noch viel mehr das Zuschauen – und natürlich das Aufessen.
Wie viel ist ein bisschen?
Ein Rezept nachzukochen ist das eine. Doch eines aufzuschreiben, etwas ganz anderes. «Dann tust Du ein bisschen Salz dazu… eine handvoll… eine Messerspitze…» Wie viel ist «ein bisschen», wie groß «eine Hand», wie «breit» ein Messer? Für ein Rezeptbuch mussten die Maßangaben einheitlich und für jedermann verständlich sein. So haben die Hermanns ausprobiert, sich ab und zu vertan, einiges korrigiert und alle Speisen nachgekocht. «Mit der eigenen Ehefrau zu arbeiten, ist eine ganz neue Erfahrung», sagt Hermann verschmitzt.
Schließlich war es fertig: Das Manuskript zu «Jüdische Familienrezepte. Ein Kochbuch». Doch nicht nur jüdische Freunde sollen davon profitieren, sondern auch Nichtjuden. So ging das Manuskript an eine nichtjüdische Bekannte und kam mit der Anmerkung zurück, dass, wenn man ein Familienrezeptbuch an den jüdischen Feiertagen anlehne, diese auch erklärt werden müssten. Also schrieb Hermann Simon noch einige Erläuterungen dazu.
Es muss nicht koscher sein
Jüdische Küche müsse, so die Hermanns, nicht automatisch koscher sein. «Will ein Nichtjude unsere Familienrezepte nachkochen, kann ich ihn schlecht dazu verpflichten, sein Rindfleisch in einem koscheren Lebensmittelladen zu kaufen oder Milchiges und Fleischiges in zwei getrennten Kühlschränken aufzubewahren. Trotzdem wird er kochen können, was schon Großmutter Betti auf den Tisch brachte.»
Am 21. Januar um 18 Uhr werden die Simons auf einer kulinarischen Buchpräsentation in der Katholischen Akademie in der Hannoverschen Strasse 5 in 10115 Berlin-Mitte nicht nur von den Braten, Kuchen, gefillten Fischen und Schabbatbroten ihrer Familien erzählen, sondern auch allerlei Geschichten dazu. Eine telefonische Anmeldung unter (030) 28 30 950 wird erbeten sowie ein Unkostenbeitrag von 3,50 Euro erhoben. Das anschließende gemeinsame Essen mit den Zuhörern verspricht genauso spannend zu werden wie der Abend im Dezember, als mir Deborah und Hermann in ihrem Erker von dem neuen Buch erzählen. So komme ich wieder einmal zum Aufessen. Be’ Teavon – Guten Appetit!
Deborah und Hermann Simon: «Jüdische Familienrezepte», Verlag Hentrich & Hentrich Teetz/Berlin 2008, 5,90 Euro |