Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Januar 2009von Moritz Reininghaus
1. Januar 1864
Der in Hoboken im US-Bundesstaat New Jersey geborene Fotograf und Galerist Alfred Stieglitz sollte im Lauf seines Lebens zu einem der wichtigsten Vermittler moderner europäischer Kunst in den Vereinigten Staaten werden. Stieglitz wuchs in der New Yorker Upper East Side auf, ehe die Familie 1881 nach Berlin übersiedelte. Im folgenden Jahr nahm Stieglitz dann ein Studium an der Technischen Hochschule in Charlottenburg auf, gab dieses jedoch bereits bald schon wieder zugunsten der Fotografie auf. In den kommenden Jahren zog er mit der Kamera durch ganz Europa, machte Aufnahmen vom ländlichen Leben an der holländischen Küste und vom Schwarzwald. Die Fotos fanden große Beachtung und brachten dem Künstler erste Preise ein. 1893 heiratete er Emmeline Obermeyer, deren und das Vermögen seiner Eltern ermöglichten Stieglitz ein Leben ohne Sorgen um den Lebensunterhalt. Ab 1893 war er Redakteur eines amerikanischen Magazins für Amateurfotografie. Danach betätigte er sich beim New York Camera Club, wobei es ihm gelang, aus dessen Mitteilungsblatt eine ernstzunehmende Zeitschrift zu formen. Da Stieglitz die Arbeit der großen Fotografieclubs, die sich damals großer Beliebtheit erfreuten, für künstlerisch ungenügend hielt, gründete er 1902 mit der «Photo-Secession» einen Club, der nur ausgewählten Mitgliedern offenstand. Grundidee dieser Bewegung war Stieglitz’ Auffassung, dass die Fotografie als Kunstform anerkannt werden sollte, da auch sie geeignetes Medium künstlerischen Ausdrucks sei. Diese unter dem Namen Piktoralismus firmierende Bewegung versuchte vor allem durch den Einsatz weichzeichnerischer Unschärfe und der manuellen Bearbeitung möglichst «malerische» fotografische Ergebnisse zu erzielen. Auf diesem Wege sollte der rein mechanische Aspekt der Fotografie überwunden werden. Mit den Genres Akt-, Porträt- und Landschaftsaufnahmen waren die Piktoralisten der Tradition der Malerei verpflichtet. Stieglitz war einer der führenden Köpfe der Bewegung, was er durch die Eröffnung der New Yorker «Little Galleries of Photo-Secession», später in «291» umbenannt, untermauerte. Dort wurden neben Fotografien auch erstmals in den USA Werke moderner Künstler wie Rodin, Matisse oder Cézanne gezeigt. Ab 1903 gab Stieglitz auch die einflussreiche Fotozeitschrift «Camera work» heraus. Bereits um 1915 wandte sich Stieglitz dann der «Straight Photography» zu, die mit einer unmanipulierten und detailgetreuen fotografischen Wiedergabe eine dem Piktoralismus genau entgegengesetete Ästhetik vertrat. Besonders bekannt sind Stieglitz‘ Winterbilder von New York und seine Porträts der Malerin Georgia O’Keeffe, mit der er ab 1924 verheiratet war. Am 13. Juli 1946 verstarb Alfred Stieglitz in New York. 6. Januar 1803 Der als Heinrich Herz in Wien geborene Pianist, Komponist, Klavierpädagoge und Klavierbauer studierte ab 1816 am Pariser Konservatorium Klavier bei Louis Pradher sowie Musiktheorie bei Victor Dourlen und Anton Reicha. Als «komponierender Virtuose» erlangte Herz schon bald große Bekanntheit, insbesondere nachdem er 1818 den ersten Preis beim «Cours d’Etudes» errungen hatte, wurde er als musikalisches Nachwuchsgenie gerühmt. Seine zahlreichen Kompositionen, die ausschließlich für das Klavier geschrieben waren, wurden dabei durchaus kontrovers beurteilt, seine Fähigkeiten als Pianist jedoch allgemein anerkannt und bewundert. In den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts unternahm er Konzertreisen durch Europa und Russland, in den Jahren 1845 bis 1851 gar durch Süd- und Nordamerika. Im Jahre 1834 wurde in der musikalischen Szene Europas über Herz’ Person eine erbitterte Debatte geführt. Herz wurde dabei vonseiten der Vertreter «ernsthafter und wahrhaft künstlerischer» Musik als typischer «Modekomponist» abgestempelt, dessen Kompositionen sich zugunsten des kommerziellen Erfolgs dem Geschmack des breiten Publikums anbiederten. Durch ein Gerichtsverfahren und ein Duell war Herz im Zuge diese Auseinandersetzung endgültig zu Berühmtheit gelangt. «Nüchtern betrachtet, war der vielfältig engagierte Unternehmer auch als Komponist Geschäftsmann, der auf hohem handwerklichen Niveau verfertigte, was der Publikumsgeschmack wünschte», beurteilt der Musikwissenschaftler Christoph Kammertöns den «Musikunternehmer» Herz aus heutiger Sicht. Auch als Verfasser klavierpädagogischer Literatur war Herz zweifellos jemand, der sein musikalisches Talent in geschäftlichen Erfolg zu verwandeln vermochte. Bereits 1842 erhielt er eine Professur für Klavier am Pariser Konservatorium, in deren Rahmen er bis 1874 nun eine Frauenklasse unterrichtete. Nach 1874 setzte er die Tätigkeit als Honorarprofessor fort, wobei seine pädagogischen Erfolge selbst von seinen schärfsten musikalischen Kritikern nicht in Zweifel gezogen wurden: Herz’ Methode, gezielt technische Schwierigkeiten zu behandeln und dabei niemals den Schülern ein Erfolgsgefühl zu verweigern, gilt bis heute als beispielhaft. Henri Herz wusste aber noch in einer dritten Hinsicht sein musikalisches und sein unternehmerisches Talent zu verbinden: Auch als Klavierbauer war er ebenso erfolgreich wie erfinderisch. Von ihm stammt nicht zuletzt eine der letzten großen technischen Neuerungen bei der Mechanik des Klaviers. Durch den Einbau einer nach ihm benannten Repetitionsfeder lässt sich der Hammer auf einer Höhe halten, um den Ton schnell erneut anschlagen zu können. Anfangs wurde diese neue Technik kritisiert, da die Klaviere durch sie einen weniger schönen Klang hatten. Mit der Zeit konnten die Instrumente aus seiner Firma jedoch zu den Marktführern der Branche auch in dieser Hinsicht aufschließen. Am 5. Januar 1888 starb Henri Herz in Paris. 14. Januar 1870 Obwohl Ida Dehmel, geborene Coblenz, verheiratete Auerbach, als sie am 29. September 1942 in Hamburg-Blankenese ihrem Leben ein Ende setzte, kein eigenständiges literarisches Werk hinterließ, war sie eine bedeutende Figur des deutschsprachigen Literaturbetriebs. Aus einem großbürgerlichen, assimilierten Elternhaus aus Bingen am Rhein stammend war sie von ihrem Vater, einem wohlhabenden Weingutsbesitzer und Kommerzienrat, nach dem frühen Tod der Mutter in die Ehe mit dem Berliner Kaufmann Leopold Auerbach gedrängt worden. Zuvor hatte sie ein Mädchenpensionat in Brüssel besucht und dort ihre Erziehung erhalten. Das luxuriöse, gut gelegene Haus des Ehepaars am Berliner Tiergarten wurde bald zum Künstlertreffpunkt. Vor allem Vertreter des George-Kreises trafen sich hier. Hier lernte die junge Frau dann auch den Schriftsteller Richard Dehmel kennen, den sie 1901 in London heiratete. Ihren Mann und den wenige Jahre zuvor geborenen Sohn Heinz Lux hatte sie für den Dichter verlassen. Ida und Richard Dehmel zogen nach ihrer Hochzeit nach Hamburg-Blankenese. Auch dort hatte das Ehepaar Kontakt zu Schriftstellern wie Stefan George und Alfred Mombert, aber auch zu anderen Größen des kulturellen Lebens wie etwa dem Maler Max Liebermann, dem Architekten Henry van de Velde oder dem Diplomaten, Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift «Pan», Harry Graf Kessler. So konnte 1983 der umfangreiche Briefwechsel zwischen Ida Dehmel und Stefan George, der wie Dehmel in Bingen aufgewachsen war, veröffentlicht werden. Wie schon ihre sechs Jahre ältere Schwester, die Frauenrechtlerin und Politikerin Alice Bensheimer, engagierte sich Ida Dehmel ebenfalls in der Frauenbewegung. So gehörte sie 1906 zu den Gründerinnen des Hamburger Frauenklubs am Neuen Jungfernstieg, 1911 wurde sie Vorsitzende des Norddeutschen Verbandes für das Frauenstimmrecht und 1913 gründete sie den Bund Niederdeutscher Künstlerinnen. Um 1910 hatte sie unterdessen ihre alte Begeisterung für das Kunsthandwerk wiederentdeckt, wobei die Perlenstickerei einen Hauptteil ihrer Arbeit ausmachte. Im Jahr 1911 hatte sich das Ehepaar Dehmel von dem bekannten Architekten Walther Baedeker ein Haus in Blankenese bauen lassen. Im Ersten Weltkrieg meldete sich Richard Dehmel als Freiwilliger, auch ihr Sohn aus erster Ehe wurde eingezogen. In den Kriegsjahren verstärkte Ida Dehmel ihr soziales Engagement und wurde Schriftführerin des Deutschen Reichsverbands für Frauenstimmrecht und aktives Mitglied der Nationalliberalen Partei und Vorsitzende des Frauenbundes zur Förderung Deutscher Bildender Kunst. Nach dem Tod ihres Sohnes, der 1917 in Frankreich gefallen war und ihres Mannes, der 1920 den Spätfolgen einer Kriegsverletzung erlegen war, kümmerte sie sich hauptsächlich um dessen Nachlass. 1926 gründete sie die Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen (GEDOK), die seit 1968 einen nach ihr benannten Literaturpreis vergibt. Nach 1933 musste sie zuerst den Vorsitz der GEDOK niederlegen, später wurde sie aus der Vereinigung ausgeschlossen und auch in anderen Bereichen des Lebens fast vollständig isoliert. Die Emigration zog sie nicht in Erwägung, da sie den Nachlass ihres Mannes und das Dehmel-Haus nicht allein zurücklassen wollte. Gezeichnet von der Einsamkeit und schwerer Krankheit, nahm sie sich im Dehmel-Haus mit Schlaftabletten das Leben, um der drohenden Deportation zu entgehen. Ihr autobiographischer Roman «Daija» wurde nie gedruckt. 14. Januar 1943
Oscar Bronner ist eine der umtriebigsten Persönlichkeiten der österreichischen Zeitungs- und Zeitschriftenlandschaft. Geboren wurde er als erster Sohn des bekannten österreichischen Kabarettisten Gerhard Bronner in Haifa. Der erst 16-jährige Vater war nach dem «Anschluss» Österreichs 1938 allein nach Palästina geflüchtet, nachdem seine Eltern und sein Bruder in Konzentrationslager verschleppt worden waren. 1948 gelangte Bronner zusammen mit seinem Vater dann nach Wien, wo er als Beleuchter und Regieassistent am selben Theater wie dieser arbeitete. Als Volontär der «Arbeiter-Zeitung» und bei der Boulevardzeitung «Express» sammelte Bronner erste journalistische Erfahrungen. In dieser Zeit schloss er auch Bekanntschaft mit schillernden Persönlichkeiten wie Karl Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena Prinz zu Schwarzenberg, der heute als Karl Schwarzenberg tschechischer Außenminister ist. Als Bronner 1970 das Wirtschaftsmagazin «Trend» gründete, stand ihm Schwarzenberg beratend zur Seite. Auch der bekannte österreichische Kabarettist Helmut Qualtinger war ein Freund von Vater und Sohn Bronner. Zu den von Bronner journalistisch aufgearbeiteten Themen gehörten der Fall des Franz Novak, der als Adolf Eichmanns «Fahrdienstleiter des Todes» maßgeblich die Deportationen zehntausender Juden geplant hatte und nach 1945 in Österreich 27. Januar 1824 Geboren wurde der niederländische Maler und Graphiker Jozef Israëls in Groningen. Nach dem Wunsch der wohlhabenden und traditionell jüdisch lebenden Eltern sollte er eigentlich Rabbiner werden, erhielt jedoch bereits als Kind Zeichenunterricht bei bedeutenden niederländischen Malern. Dennoch zeigte die traditionelle jüdische Erziehung Zeit seines Lebens eine tiefe Wirkung auf ihn, was sich nicht zuletzt in der Motiven seiner Gemälde widerspiegelt. 1840 nahm Jozef Israëlsdann eine Lehre bei dem Amsterdamer Porträt- und Historienmaler Jan Adam Krusemann auf. Zunächst schuf er vorwiegend romantische Historienbilder, außerdem unterhielt er Kontakte zu den Malern der Schule von Barbizon, einer französischen, vorimpressionistischen Malerschule, deren Freilichtpraxis Israëls mit der Helldunkelmalerei insbesondere Rembrandts und der tonigen Farbigkeit des 17. Jahrhunderts verband. Zwischen 1846 und 1848 sowie 1853 hielt er sich in Paris auf. Seinen Durchbruch erlangte der Künstler mit den Gemälden «Meditation» (1850) und «Adagio con espressione» (1851). Wichtigste Motivgruppe bildeten Szenen aus dem Alltag der einfachen Küstenbewohner; daneben entstanden auch Motive aus der Lebenswelt holländischer Juden. Israëls, der sich 1871 in Den Haag niederließ, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Haager Schule. Mit seiner stimmungsbetonten Malerei übte er zeitweilig großen Einfluss auf Max Liebermann und Hermann Struck aus, letzterer war zeitweise sein Schüler. Am 12. August 1911 starb Jozef Israëls, der stets eine enge Verbindung zu seiner Heimatstadt Groningen aufrechterhielt und gern als «Rembrandt des 19. Jahrhunderts» bezeichnet wird, in Den Haag. Heute ziert ein Gemälde Israëls das Amtszimmer des israelischen Ministerpräsidenten in der Knesset. |