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Die Icebreakers haben erste Bewährungsproben gemeistert
Nein, nein, nicht das Weiße Haus in Washington. Da sind wir (noch) nicht eingeladen! Dafür am Szenekiez des Berliner Prenzlauer Berg, wo vor wenigen Wochen das Am Echad Zentrum eröffnet wurde. Die Bildungsorganisation für junge Juden zwischen 16 und 25 Jahren vermittelt Wissenswertes über jüdisches Leben und Identität, Riten und Kultur, Traditionen und Geschichte.
Dana Bairamov führt mich durchs Haus. Die ersten Gruppen waren schon da und die nächste steht in knapp zwölf Stunden vor der Tür in der Kastanienallee 69. Bis zu 40 Jugendliche kommen hier in Zwei- bis Vierbett- Zimmern in rustikalen Doppelstockbetten und mit modernen Flurbädern unter, jedes Zimmer in einer anderen hellen freundlichen Farbe. Eine Hausfarbe gebe es zwar nicht, aber dieselben Farben finde ich in der Broschüre des Hauses wieder. Besonders stolz ist Dana auf die beiden Lofts mit Dach- terrassen und einem unschlagbaren Blick über die Stadt.
Das alles klingt nach einem Top-Hostel. Dana sieht sich öfter mit dieser Vorstellung konfrontiert. «Nein, das sind wir ganz und gar nicht! Wir sind ein Seminarzentrum in dem und bei dem Heranwachsende etwas über jüdische Identität, oft auch die eigene, und über Israel erfahren sollen, wo sie Inspirationen schöpfen, mit anderen jüdischen Jugendlichen
Aus ganz Deutschland kommen die Gruppen aus den Am Echad Zentren, den Jugendzentren der Gemeinden, oft auch Gruppen aus dem Ausland. Ein gemeinsames Seminar mit Madrechim der National Conference of Synagoge Youth aus New York brachte die Initialzündung für den Aufbau des eigenen Hauses. Die Organisation veranstaltet seit ihrer Gründung vor zehn Jahren Wochenend- und Feiertags- Seminare oder Reisen, so wurde es Zeit, in Berlin eine eigene Heimstatt zu haben. Die Familien von Ariel Schiff und Samuel Czarny aus Berlin, Rabbiner Joshua Spinner und schließlich Ronald S. Lauder selbst ermöglichten die Finanzierung des Eckgebäudes zwischen Scheunenviertel und Schönhauser Allee.
«Wir haben eine koschere Küche, die von der benachbarten Jeschiva beliefert wird, eine integrierte Synagoge, große Seminarräume aber auch Möglichkeiten für Einzelgespräche, das alles natürlich mit einem Sicherheitsdienst», erklärt Dana. Jedes Seminar werde individuell mit den Gästen vorbereitet, das Programm auf Grund ihrer Fragen oder Problemlagen speziell auf die Gruppensituation bezogen ausgearbeitet. Jedes Thema sei denkbar, jedes Gespräch möglich, wenn es sich inhaltlich am orthodoxen Judentum orientiere.
«Da unsere Gäste später Entscheidungen für ihr Leben treffen müssen, berufliche, private, geschäftliche, sollen sie wissen, dass es für all das aktuelle Bezüge im orthodoxen Judentum gibt hinter denen religiöse Konzepte stehen», argumentiert Dana. Man verlange von den Gästen nicht, selbst orthodox zu sein, nicht einmal religiös. Aber jüdisch! «Wir sind keine Bildungseinrichtung für Konvertiten, wenn wir in einer Gruppengemeinschaft auch Jugendliche erlauben, die sich auf dem Weg zum Übertritt befinden.» So ist das Am Echad Zentrum auch keine Begegnungsstätte im christlich- muslimisch-jüdischem Dialog oder Heim für atheistische Jugendgruppen, die mal ein bisschen Spreeluft schnuppern wollen: Der Stifterwille verlange für die heranwachsende halachische Gemeinschaft da zu sein, an der Bildung der Führungspersönlichkeiten in den Gemeinden mitzuwirken und allen soziale Kompetenz sowie entsprechende Instrumentarien mit auf den Weg zu geben.
Schon jetzt sind etwa 20 Wochenend- Seminare des Jahres 2009 ausgebucht, viele der Wochenseminare zu religiösen Feiertagen ebenso. Normalerweise trifft man einander am Freitagabend zu einem «Beginners Minjan», Gebeten, Gesängen und einem gemeinsamen Essen. Den Sonnabend füllen nach einem Kiddusch und freiwilligen Teilnahmen an den Gottesdiensten in den Synagogen am Prenzlauer Berg Seminare und Workshops aus, deren Themenspektrum vom Grundkonzept über das Gebet, Grundlagen des Judentums, Israel als Staat bis hin zu Persönlichkeitsentwicklung im Kontext der Verantwortung für die Gesellschaft gehen stehen auf dem Programm, Kommunikation und Rhetorik sowie die Evaluation des bislang in den Gruppe Geleisteten. Nach einer Hawdalah steht Berlin auf der Tagesordnung: die Clubs der Umgebung, die Kulturbrauerei, die Hackeschen Höfe, wozu auch immer die Gruppen aufgelegt sind. Am Sonntag steht nach einem Museumsbesuch, einer Exkursion zu Berliner Sehenswürdigkeiten oder individueller Freizeit die gemeinsame Auswertung des Gelernten und Erlebten auf dem Programm.
Normalerweise zahlen die Gemeinden für ihre Jugendgruppen die Reisen, Am Echad übernimmt alle Kosten im Weißen Haus selbst und während des gesamten seminarbezogenen Aufenthaltes in Berlin. Gruppen, die darüber hinaus länger bleiben oder eher anreisen möchten, um die Stadt an sich zu erleben, können das zum Selbstkostenpreis gerne tun. Das gesamte Wochenende wird von religiösen Handlungen begleitet, was nicht selten ein Balanceakt ist. Da klingelt schon mal ein Handy beim Kerzenanzünden, dem Kabbalat Schabbat oder während der Chavrussa. Nicht ganz so schlimm, meint Dana, selbst orthodoxe Jüdin und studierte Lehrerin am neuen Zentrum, schließlich arbeite man ja ganz bewusst auch mit nichtreligiösen jüdischen Jugendlichen zusammen: «Wir sind eben die Icebreaker, die Tunnelbauer, der Flur zur jüdischen Identität!»
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