Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]()
«Die Raben»von Avirama GolanDie auch aus dem israelischen Fernsehen bekannte engagierte Journalistin und Haaretz-Kommentatorin Avirama Golan, geboren 1950 in Givatayim, die sich zuletzt auch in Deutschland immer wieder aktiv an der Diskussion um Antisemitismus und Israelkritik beteiligt hat, stellte letzten Monat auf der Leipziger Buchmesse ihren soeben in deutscher Übersetzung erschienenen Bestseller «Die Raben» vor: einen auf den ersten Blick eher konventionellen Roman zum Thema weiblicher Identität in Israel, der aber aufgrund seiner empathischen Grundhaltung und des erheblichen Charme verbreitenden, flotten Erzählstils durchaus dankbare und interessierte Leserinnen finden dürfte. Überzeugend und mitreißend porträtiert ist vor allem die jüngere der beiden Protagonistinnen, Didi, eine im Kibbuz aufgewachsene Produktionsassistentin beim israelischen Fernsehen, die durch ihre berufsbedingte intensive Beschäftigung mit der leicht paranoiden, fast achtzigjährigen Genia, einer gebürtigen Polin, aus dem Gleichgewicht gerät und beginnt, ihre Identität als Frau, Ehefrau und Mutter zu hinterfragen. Währenddessen flüchtet sich Didis Tochter in die fast wissenschaftliche Ausmaße annehmende Beobachtung von Rabenvögeln, deren Brutverhalten von der Autorin zu einer nicht uninteressanten, aber leider überfrachtet wirkenden Metapher aufgebaut wird, die ärgerlicherweise noch dazu allzu leicht in einem zionistischen Sinn missdeutet werden könnte. Die Charakterzeichnung der noch kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs aus Polen eingewanderten Genia wirkt dagegen etwas farblos und klischeebehaftet, ein Effekt, der durch die schon zu Beginn des Romans möglicherweise bewusst an den Duktus einer Märchengeschichte gemahnende Erzählweise noch verstärkt wird. Trotzdem ist der Grundkonflikt der Protagonistin in diesem sensibel reflektierenden Roman überzeugend herausgearbeitet, so dass ein realistisches Bild von den vielfältigen Bedingungen von familiären Beziehungen entsteht. «Die Raben»
|