Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Incredible» – but wunderfoulBerlin als Gastgeber der größten touristischen Fachmesse der Welt«Incredible India!» - so das Motto der 41. Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin. Anfang März stellten sich in den Messehallen am Funkturm 184 Länder und Regionen mit fast 11.000 touristischen Unternehmen in den Fokus der Aufmerksamkeit von Fachbesuchern wie Endkunden. Letztere hatten nur die Möglichkeit, «in zwei Tagen um die Welt» zu reisen, 77.00 kamen. Etwa 100.000 Touristiker besuchten die Messe an den drei Fachbesuchertagen, für knapp fünf Milliarden Euro wurden Geschäftsabschlüsse gemeldet. Viele Anbieter machten das Motto der Messe zum Partnerland Indien auch zum Leitmotiv der Präsentation ihrer eigenen touristischen Highlights und Neuheiten. Christiane Brockhoff und Lutz Lorenz haben sich für uns in potentiellen Hauptreisegebieten jüdischer Touristen schlau gemacht. «City Break Tel Aviv» steht für das neue Image der Stadt, die niemals schläft. Der neue City-Pass mit über 70 Vergünstigungen wurde vorgestellt, ebenso die Planung, 3.000 neue Hotelzimmer bis 2012 anzubieten. Rekonstruktionen an Bauhaus-Gebäuden und die neue Funktion des städtischen Hafens als attraktive Meile des Night Life sprechen für sich. Auch Jerusalem punktet mit seinem Nachtleben in der Rehov Shlomzion Hamalka und den Angeboten neuer alkoholfreier Cocktailbars, die insbesondere Jugendliche anziehen sollen. Das Tourismusamt setze auf einen Imagewechsel in den nächsten drei Jahren, so Oren Drori, deren Marketingdirektor. Vorrang hätten noch mehr als bislang die Präsentation von Kultur und Religion, religiöse Touristen bildeten das Rückgrat der Infrastruktur. Doch nicht nur ihnen werde das Yoav-Yehuda-Bibelfestival empfohlen, das Tanz- und Musikshows, Lesungen, geführte Wanderungen und Ausstellungen im ganzen Land offeriert, Geschichten aus der Bibel künstlerisch an jenen Orten inszeniert, an denen sie tatsächlich stattgefunden haben. Israelische Familien servieren den Gästen ethnische und biblische Gerichte, abschließend können die Festivalgäste an archäologischen Grabungen oder Baumpflanzungen teilnehmen. Zwei Jazzfestivals, eines in Jerusalem im Juni, ein zweites in Eilat im August, wohin auch erneut der Triathlon World Cup für den Dezember einlud, warben für sich auf der ITB ebenso, wie die El Al mit ihrem Vielfliegerclub MATMID, das Bat-Yam International Street Theaterfestival oder der «Time Elevator», der in 35 Minuten mit dem Fiedler auf dem Dach als Reiseführer an den geschichtsträchtigsten Orten die dreitausendjährige Geschichte der Stadt nahe bringt. Dem Trend zu ökologischem Tourismus schließlich entsprechen die Angebote des Jüdischen Nationalfonds, der zu Pflanz- oder Vogelbeobachtungsreisen einlädt. Auch die gesundheitsfördernden Vorzüge der «tiefsten Stelle der Erde», des Toten Meeres, würden nun verstärkt angeboten werden. Drori lud explizit deutsche Krankenkassen und Rentenversicherungsträger ein, sich mit der Region für die Therapie von Hautkrankheiten vertraut zu machen: Bei 95% der Patienten würden sich Linderungen schon nach vier Wochen einstellen, ähnliche Therapien hätten in Deutschland erst nach etwa neun Monaten Erfolg. Mit diesem Vorzug gelang Israel, neben Ungarn als erstem internationalem Partner, der Abschluss eines Kooperationsvertrages mit dem Deutschen Medical Wellness Verband. Die Organisation prüft und zertifiziert gesundheitsorientierte Wellnesseinrichtungen üner den TÜV Rheinland, für deutsche Kurreisende ein nicht zu unterschätzender Vertrauensfaktor. Nach dem Trend zur Online-Reisebuchung werde der Trend zum Medical Wellness-Urlaub der entscheidende der kommenden Jahre sein, so Hartmut Kell, Berliner Resident der israelischen Tourismusbehörde. Man wolle keinesfalls in einen ungesunden Wettbewerb mit deutschen Kureinrichtungen treten, dennoch müssten etwa 50% der Kosten bei wesentlich höheren Heilungschancen ein Argument für Kassen und Versicherungsträger sein. Kell kündigte eine Fachtagung und die einer Veröffentlichung einer Studie zu Heilerfolgen am Toten Meer an. Er hoffe mit den Ergebnissen ein «Umdenken bei deutschen Gesundheitspolitikern» initiieren zu können. Wer ein bisschen Wellness mit nach Hause nehmen wollte, konnte das vom Messestand des Kosmetikherstellers AHAVA, wer diese Offerte verpasst hat, kann das in wenigen Wochen in der Berliner Fasanenstrasse in Ku'dammnähe nachholen, wo das Unternehmen seinen ersten Shop in Deutschland eröffnen wird. Besonderer Wert wurde auf das direkte Erleben der kulturellen Besonderheiten der einzelnen Boroughs gelegt. Mit der «Einmal-um-die-Welt-mit-einem-U-Bahn-Ticket-Tour», diese Wortschöpfung stammt in der Tat aus dem Werbematerial, werden die Teilnehmer von Marc Preven, einem selbsternannten «Straßengelehrten», durch verschiedenste Gegenden des New Yorker Stadtviertels Queens geführt. Dieser Teil der Stadt will sich besonders als «lebendige Immigrantenstadt» präsentieren, «in der Menschen aus Indien und Pakistan, Kolumbien und Peru, China und Japan friedlich zusammenleben und den amerikanischen Traum verfolgen». Ein paar Juden werden doch wohl auch dabei sein, in der jüdischsten Stadt der USA, Mister Preven? Jenseits der berühmten Brooklyn Bridge will man sich im flächenmäßig größten der fünf New Yorker Stadtbezirke, Brooklyn, dagegen von einer ganz individuellen Seite zeigen. Hier kann man das Alltagsleben der größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels «entdecken». Die meisten Mitglieder, rund 380.000, wohnen im Brooklyner Viertel Williamsburg. Bei den rund dreistündigen geführten Touren von «Jewish Tours» wird unter anderem der Hauptsitz der Chabad-Lubawitch-Bewegung besucht. Darüber hinaus stehen eine rabbinische Bibliothek sowie das «Cassidic Art Institute» auf dem Programm. Im Preis der Tour ist ein koscheres Mittagessen inbegriffen. Als eine der neuen touristisch erschlossenen Gegenden wurde der Borough Bronx präsentiert. Die Darstellung übernahm ein waschechter Bronxianer aus den Reihen der Tourismus-Organisation NYC & Company. Mit spanischen Begrüßungsworten und der unglaublichen Coolness eines dort Aufgewachsenen wurden Schönheit und Tourismuskompatibilität des durch Rap und Gangster-Attitüden in Verruf geratenen Stadtteils angepriesen. Ausdrücklich erwähnt wurden die vielen neuen Wege abseits der in aller Welt bekannten Sehenswürdigkeiten Central Park, Freiheitsstatue, Rockefeller Center oder Times Square. Neben dem allseits touristisch beliebten Manhattan wurden in den vier anderen Stadtteilen viele innovative Möglichkeiten entwickelt, New York zu erleben. So können Besucher auf einer «Splash-Tour» die Metropole auf zwar seltsame aber nicht minder interessante Weise erkunden: Die einstündige Fahrt führt mit einem Amphibien-Fahrzeug, das sich von Bus zu Schiff hin und her «verwandeln» kann, sowohl durch die Straßen New Yorks als auch durch den Hudson River und lässt die sagenumwobene Skyline Manhattans in einem außergewöhnlichen Licht erscheinen. Interessierten Besuchern soll die «Realität» des Ground Zero zugänglich gemacht werden. Eigens dafür wurde das Tribute WTC Visitor Center eröffnet, auf dessen Gelände Ausstellungen mit zahlreichen Audio- und Videomaterialien zu sehen sind. Etwas makaber, der hautnahen Wirkung aber bewusst zuträglich, mögen die geführten Spaziergänge direkt am ehemaligen Standort des World Trade Centers sein. Die ehrenamtlichen Guides sind allesamt Überlebende, Rettungskräfte, Angehörige Verstorbener oder Augenzeugen der Attentate vom 11. September 2001 und erzählen den Teilnehmern unterwegs ihre ganz private Geschichte. Erwähnenswert in jedem Fall, dass die amerikanische Metropole nicht nur für die etwas größeren Geldbeutel zu haben ist. Es gibt allerlei Möglichkeiten, sich Stadtviertel und Attraktionen auch gratis näher zu bringen. Einige Rundfahrten, etwa mit den «Bronx Tour Trolleys», die zu den bedeutendsten Punkten des nördlichsten New Yorker Boroughs führen, sind absolut kostenlos und dabei zweifellos nicht umsonst. Ebenfalls gebührenfrei ist die Fahrt auf der Staten Island Ferry, die gemütlich in den südwestlich gelegenen gleichnamigen Teil der City schippert. Im Großen und Ganzen hat sich New York von seiner schönsten und positivsten Seite gezeigt. Auf das Image hoher Kriminalität oder bei der Präsentation explizit nachgefragter Sicherheitsbedenken wurde mit einem kräftigen Rühren in der Werbetrommel der vielen Unglaublichkeiten reagiert und auch gleich auf das ganze Land ausgeweitet. Mit wenig ausgefeilter Rhetorik wurden sowohl die bisherigen glorreichen Errungenschaften, als auch die noch geplanten touristischen Programme heruntergebetet. Von der staksigen Aufzählung von Statistiken über Besucherzahlen, geplante Hotelneubauten und der verhaltenen Begeisterung der Abgesandten selbst, zu ihren eigenen Themen zu sprechen, einmal abgesehen, wird doch sichtbar, dass sich in Russland und seiner Hauptstadt einige interessante touristische Entwicklungen abzeichnen. Offenkundig wurde, dass Moskau sich den Touristen aus aller Welt weiter öffnen wolle. Beweis dafür: ein Orientierungssystem für Ausländer. Straßennamen werden bald nicht nur mehr auf russisch, sondern auch in englischer Sprache zu finden sein. Mehr war eigentlich nicht zu erfahren, denn kritische Nachfragen zum Verhältnis von Preis und Leistung, zu Standardkriterien für Hotels oder zu Sicherheitsaspekten wurden schlichtweg abgewürgt. Die Hauptaufgabe des Moskauer Tourismuskomitees bestehe, so der Vorsitzende der hauptstädtischen «Behörde», Grigori Antjufejew, darin, «ein positives Image (...) als ein touristisches Weltzentrum sowohl im Inland als auch im Ausland gezielt aufzubauen, sowie den (...) Tourismus zu entwickeln». Gesagt, doch nicht getan. Es stellte sich bei der Vorstellung Moskaus nicht nur uns die Frage, wie ein unverkennbares Desinteresse am Kunden zur Verbesserung des Images beitragen soll. Mit Hilfe der englischsprachigen Beschilderung wird der Reisende dann auch den Abfahrtsbahnhof des «Nostalgie Istanbul Orient Express» finden, der sich mit seinen schönsten Salonwagen vielbeachtet auf der Messe präsentierte. Dieser Zug bietet die wohl gemütlichste und auch luxuriöseste Möglichkeit, die weiten russischen und asiatischen Lande zu durchstreifen, von Moskau bis nach Peking, kulinarisch aufs Beste verwöhnt. Eine der Stationen des eleganten Luxuszuges ist Jekaterinburg, das bislang hauptsächlich als Anlaufpunkt für Geschäftsreisende bekannt ist. Der Ort empfiehlt sich nun auch dem Individualtouristen mit seiner reizvoll bergigen Umgebung für die Jagd, das Angeln oder das Skifahren in den Wintermonaten. Im Mai plane die Stadt die Aufstellung eines Berliner Bären mitten im Zentrum, so Svetlana Garipova, ambitionierte Chefin der Internationalen Abteilung der Stadtverwaltung. Er wird zwar nicht Knut heißen, wie das Lieblingstier der Berliner in ihrem Zoo, ist vielleicht auch nicht so knuddelig, dafür aber zwei Meter groß und hat eine ehrlich gemeinte völkerverbindende Mission zu erfüllen. Die Bärenstatue ist ein Geschenk des Deutschen Generalkonsulats. Das Wappentier der deutschen Hauptstadt wird Zeichen und Symbol der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sein. Der Bär befindet sich schon vor Ort und gewöhnt sich an das Klima im Ural, während die Ausschreibung für den künstlerischen Wettbewerb zu seiner Gestaltung Ende März zu Ende ging. Der Schwerpunkt in den anderen russischen Reiseregionen liege ebenfalls auf dem Naturtourismus, der für viele Besucher einen der Hauptgründe darstellt, in Russland überhaupt Urlaub zu machen. Daher verstärkt man dort entsprechende Angebote, so etwa die Entfaltung des Anglertourismus. An der Kurischen Nehrung wird die touristische Erschließung im Rahmen eines Naturparks vorangetrieben, wobei sich dieses Fleckchen Erde an der Ostseeküste vor Kaliningrad sehr gut für Besucher eignet, die ihr Steckenpferd in der Ornithologie sehen. Aber auch in den Städten wird die Anziehungskraft von Parks und Freizeiteinrichtungen im Freien bedacht und in die neuesten Planungen integriert. Der Trend zum Natururlaub war vielerorts auf der gesamten Messe anzutreffen. Außerdem zeichnen sich Entwicklungen ab, die den Fokus nicht nur auf Reisen in die Natur sondern auch auf das «natürliche» Reisen legen. Es muss nicht immer das Flugzeug sein. Alternativen, etwa ökologischere Fortbewegungsmittel wie der Zug, naturnahe Reiserouten oder das Fahrrad gelten dabei als wichtige Faktoren, auch wenn andererseits die ITB 2007 mit so spektakulären Ideen wie dem Weltraumtourismus von sich Reden machte. Die drei baltischen Staaten gehören mit ihren reichen jüdischen Traditionen zu den wichtigsten Zielgebieten jüdischer Touristen. Da sich bis zum Zerfall der UdSSR jüdisches Leben nur marginal entwickeln konnte, konzentrieren sich die Angebote sehr auf das Holocaust-Gedenken. Andere Reisekonzepte, etwa nach dem Motto «jung & jüdisch» fehlen leider gänzlich oder werden nicht kommuniziert. Das allerdings der noch im Entstehen befindlichen jüdischen Gemeinschaft zu Gute gehalten werden muss, die zudem auf der anderen Seite durch Auswanderungen noch immer dezimiert wird. Lilijana Stepanoviene von DELTA TOURS in Kaunas berichtete von vorrangig amerikanisch-jüdischen Touristen, aber auch vielen aus dem deutschsprachigen Raum. Im Rahmen einer achttägigen Reise werden unter anderem das Chabad Lubawitsch Center, das staatliche Jüdische Museum und das «Grüne Haus», das Holocaust-Museum der Hauptstadt Vilnius, darin speziell das «Toleranz-Zentrum», besucht. Auch der jüdische Friedhof mit dem Grab des «Grossen Gaon» Rav Eliyahu, im 18. Jahrhundert Verfechter einer nationalen Auslegung der Tora, steht auf dem Programm. Das «9. Fort» wird besucht, eine Festungsanlage bei Kaunas, in der während der faschistischen Okkupation etwa 30.000 Juden aus ganz Europa ermordet wurden, ebenso die Stadt Kedainiai, hier ist der Gebäudekomplex um drei Synagogen erhalten geblieben, oder das Sommerhaus von Katja und Thomas Mann. Das gleiche Unternehmen bietet eine ebenfalls achttägige Reise durch alle drei baltischen Staaten an. Im Reiseverlauf werden neben Stätten der talmudischen Geschichte in Litauen auch die Synagoge, das Gemeindehaus und das Jüdische Museum im lettischen Riga, Erinnerungsstätten an den Holocaust in Lettland in den Wäldern von Bikernieki und Rumbula sowie das KZ Salaspils, die Synagoge in Tallinn, Estland, der jüdischen Friedhof Rahumae der Stadt und abschließend das KZ Klooga besucht. Unter dem Motto «Klassisches Baltikum und jüdische Historie» bietet Schnieder Reisen Hamburg Anfang Juli einen zehntägigen Trip für knapp unter eintausend Euro an. Das Programm beinhaltet die gleichen Orte jüdischer Geschichte und des Holocaust, allerdings wird die Reise mit einem sehr umfangreichen Angebot an allgemeintouristischen Highlights im Baltikum spannend kombiniert. Auch wer ganz individuell das «jüdische Baltikum» für sich erschließen will, wird nicht allein gelassen. Die Jüdische Vereinigung Estlands beispielsweise organisiert gemeinsam mit der Jüdischen Schule Tallinn ein umfangreiches monatliches Veranstaltungsprogramm, zu dem ausländische Gäste herzlich willkommen sind, wie Evelyn Baum von der Wirtschaftsförderung Estlands in Hamburg bestätigte. Schließlich seinen die sehr informativen Hefte der stark osteuropäisch ausgerichteten Reihe «in your pocket» empfohlen, die für jedes baltische Reiseziel alle wichtigen Informationen, Erreichbarkeiten, Öffnungszeiten und Kurzbeschreibungen jüdischer Reiseziele auflisten. Auch die Baltikum Tourismus Zentrale in der Katharinenstrasse in Berlin-Halensee wird bei individuellen Wünschen oder detaillierten Nachfragen zu allen drei Staaten behilflich sein. |