Das Katzen- Wunder

 

"Chanuk- Katz" von Lena Kugler und Hermann Hülsenberg

Wenn die Nächte am längsten sind, vergrößern sich auch ihre Geheimnisse. Es ist Chanukka- Zeit und in der Dunkelheit nach dem ersten Festtag findet Ruth keinen Schlaf: Sie öffnet einer draußen frierenden schwarzen Katze das Fenster und hat nun einen Schatz. Das Tier schnurrt froh und wärmt dem Kind die Füße.

 

Foto: Fischer Schatzinsel

Die Erzählerin Lena Kugler, 1974 geboren und in Konstanz lebend, spitzt mit wenigen Worten die geheimnisvollen Ereignisse der Chanukka- Woche zu. Sie beginnt nicht in der fernen Zeit des jüdischen Jahres 3597, als nach dem Makkabäeraufstand im zweiten Tempel die letzte Öllampe der Menora durch ein Wunder acht Tage lang brannte, bis genügend neues Öl geweiht war. Lena Kugler weiß, dass Wunder zum Beispiel mit einem vertrauten Lichterfest und einem zugelaufenen Tier beginnen. Und mit Krapfen und Zuckersachen zum Naschen und etwas Klimper-geld, das sich als Geschenk des Himmels erweist: Es reicht, um heimlich eine Tüte Futter zu kaufen, Vater und Mutter werden von der geliebten Schmusekatze nichts erfahren…

 

 

Am Ende wird alles gut. Alle haben das Geheimnis geahnt und die Chanuk- Katz wird bleiben. Die Geschichte ist nicht in allzu glatten Reimen erzählt, sondern in der Ich- Sprache eines Kindes, das träumt, sich ängstigt und sorgt. Das ist hier und da nicht ganz gelungen. Etwa wenn es altklug heißt: «…und wünschte mir, sie wäre immer mein, doch wie ich meine Eltern kenne, steht das auf einem andern Blatt.»

 

Die Bilder hat Hermann Hülsenberg gemalt. Er ist 1969 in Dresden geboren lebt jetzt als Grafiker in Berlin. Die dunklen Nächte, die bunten Böden der täglichen Erlebnisse, die Katz und die Kinder wirken wie ganz eilig von Kindern hingepinselt, aber die Schlüsselszenen machen deutlich, das die Kleinkunst mehr Methode hat als spontane Kinderhände. Ausgesparte Flächen schaffen Tiefe und Figuren. Lebendige Aktivität und atmende Ruhe, Körper und Kerzen rücken meistens in Hintergrund und Vordergrund, in Dimensionen.

 

Angefügt sind ein paar Seiten Sachbuch mit Informationen zur Entstehung des Festes, zu den heutigen Chanukka-Gebräuchen. Latkes- Rezepte und eine Bauanleitung samt Spielregeln für den Dreidel fehlen nicht. Hier kann das Zusammenspiel von Eltern und Kindern seinen Anfang nehmen.

Klaus Commer

 

«Chanuk-Katz oder Ruth,
Chanukka und das Katzenwunder».
Erzählt von Lena Kugler.
Mit farbigen Bildern
von Hermann Hülsenberg.
Erschienen bei Fischer Schatzinsel,
32 Seiten, 12,90 Euro.

 

 

 

«Jüdische Zeitung», Dezember 2008