Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Versteckter Glaube oder doppelte Identität
Eine Konferenz zum Bild des Marranentums im 19. und 20. Jahrhundert
Als Marranen bezeichnete man gemeinhin Juden, die im Mittelalter und in der frühen Neuzeit in Spanien und Portugal zur Verleugnung ihrer Religion gezwungen waren, sie aber heimlich aufrecht hielten. Das Phänomen dieser «heimlichen Juden» spielt jedoch nicht nur im Zeitalter der Inquisition eine wichtige Rolle, sondern wird auch im 19. Jahrhundert zu einer identitätsstiftenden Projektionsfläche für das deutsch-jüdische Bürgertum. Tatsächlich war die Haltung der Juden in dieser Epoche in Bezug auf ihr Verhältnis zum Judaismus und ihrer Konversion zum Christentum durchaus widersprüchlich, insofern stellen sie soziologisch gesehen ein ähnliches, wenn auch nicht identisches Phänomen dar wie die zwangsgetauften Juden im Spanien des 14. und 15. Jahrhunderts. Beispielsweise wurden die bekannten Berliner Salons auch als Orte «exklusiver Begegnung», wo sich Conversos untereinander trafen, aber auch mit der übrigen Gesellschaft verkehrten, diskutiert.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, begünstigt durch die rechtliche Gleichstellung und den damit verbundenen gesell- schaftlichen Emanzipationsprozess, bot das historische Marranentum ein großes Identifikationspotential. Das deutsch-jüdische Bürgertum rezipierte das spanische Spätmittelalter einerseits als «Zeit kultureller und wissenschaftlicher Spitzenleistungen und selbstbewussten Zusammenlebens mit der christlichen Mehrheit», andererseits wurde auch die Geschichte der Marranen, ihre «„Verfolgung […] durch die Inquisition und ihr Opfertod für den Glauben […] als Verpflichtung vor der jüdischen Verfolgungsgeschichte aufgefasst», so Florian Krobb. Die zionistische Bewegung grenzte sich von dieser Lesart deutlich ab, so begriff Max Nordau den Zionismus als einzig mögliche Alternative zum «neuen Marranentum», welches seiner Ansicht nach nur eine Fortschreibung der Diasporageschichte und damit auch einen weiteren Verlust jüdischer Identität darstellte. Obwohl es zuletzt als provokative Lösung der «jüdischen Frage» beziehungsweise des «jüdischen Problems» betrachtet worden ist, bleibt das moderne Marranentum philo- sophisch so wie in der historischsoziologischen Einschätzung umstritten. Die geplante internationale Tagung möchte Bildern und Begriffen des Marranentums, ihrer Entstehung und Rezeption nachgehen und diese vorstellen und diskutieren. Die Tagung (Konzeption und Organisation:Paola Ferruta, Anna-Dorothea Ludewig, Hannah Lotte Lund) wird vom Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam in Zusammenarbeit mit der Moses MendelssohnStiftung, Erlangen und dem Geschichtsforum Jägerstraße, Berlin veranstaltet und findet am 18. und 19. Januar 2009 in der Remise im ehemaligen Stammhaus der Mendelssohn-Bank in der Jägerstraße in Berlin statt. Weitere Informationen unter www.mmz-potsdam.de |