Gegen Antisemitismus und Judenmission

 

Die Evangelische- Lutherische Kirche in Bayern zum Thema "Christen und Juden"

Ein Schwerpunkt der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), die vom 23. bis 27. November 2008 in Straubing tagte, war das Thema «Christen und Juden ». Dabei wurde an die Erklärung der Landeskirche erinnert, die 1998 auf der Synodaltagung in Nürnberg verabschiedet worden war. Der Präsident des Landes- verbandes der

Landesbischof Johannes Friedrich bei der Herbsynode in Straubing. Foto: dpa

Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Josef Schuster, machte aber auch deutlich, dass es sich bei den Missionaren meist nicht um Mitglieder der Landes- kirche, sondern um «frei-christliche» Gemeinden handelt. Dem CVJM in Würzburg warf Schuster vor, der Bewegung «Juden für Jesus» Räume für Gottesdienste zur Verfügung zu stellen. Der EKD und den Landeskirchen dankte Schuster, dass sie die Judenmission ablehnten. In ihrer Erklärung, die die Synode am

27.November verabschiedete, stellt sich die ELKB ihrer historischen Verantwortung für die Entstehung von Antijudaismus und Antisemitismus. Dazu gehört auch eine intensivierte kritische Auseinandersetzung mit den antijüdischen Äußerungen Martin Luthers. Die weitere Aufarbeitung der eigenen Geschichte – auch auf der Ebene der Ortsgemeinden – sei daher dringend notwendig, heißt es in dem «Wort aller kirchenleitenden Organe zur Entwicklung des christlich- jüdischen Verhältnisses». Insbesondere die Rolle der kirchenleitenden Organe in dieser Zeit müsse eingehender untersucht werden. «Nur so kann deutlich werden, dass wir es mit Umkehr und Neubesinnung wirklich ernst meinen.»

 

Weiter diskutiert werden sollen umstrittene Grundfragen des christlichen Selbst- verständnisses im Verhältnis zum Judentum, wie zum Beispiel das trinitarische Gottes- bekenntnis, das Verständnis vom christlichen Zeugnis und die Stellung der ELKB zu den so genannten messianischen Juden. «Aktivitäten, die das Ziel einer Konversion von Juden zum Christentum verfolgen, sind für die ELKB undenkbar», heiß es in der Erklärung. «Die ELKB wird jederzeit und unter allen Bedingungen deutlich gegen jede Form von Anti- semitismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsradikalismus eintreten. Sie beteiligt sich daher aktiv am ‚Bayerischen Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen’.»

 

Die Synode stellt ferner fest, dass die Existenz des Staates Israel in keiner Weise in Frage zu stellen ist und fordert, dass der Dialog von Christen und Juden über den reli- giösen Bereich hinausgehen müsse: «Er soll die praktischen Bedürfnisse jüdischer Gemeinden, zum Beispiel Integration russischer Juden, ernst nehmen und auch über- legen, wie Juden und Christen als Zeugendes einen Gottes in unserem Land und in unserer Gesellschaft wirken können.» Es sei zu prüfen, so ein Fazit der Tagung, ob sich der Bewusstseinswandel gegenüber dem Judentum auch im Recht und im Leitbild («Perspektiven und Schwerpunkte…») der ELKB ausdrücken soll.

 

Gideon Wollberg

«Jüdische Zeitung», Dezember 2008