Ein Neubau mit Vergangenheit

 

Tag der offenen Tür in der Schweriner Synagoge

 

Zwei Monate nach der Einweihung der neuen Schweriner Synagoge haben am 1. Februar gut 1.000 Interessenten den Neubau am Schlachtermarkt besichtigt. Eingeladen hatten der Förderverein des Gemeindezentrums und die Jüdische Gemeinde. «Mit dem Tag der Offenen Tür wollen wir allen Schwerinern zeigen, dass wir ein Teil dieser Gesellschaft sind», hatte Landesrabbiner William Wolff vorab erklärt und betont, dass die Besucher keine besondere Kleiderordnung einhalten müssten. Jeder Gast sollte vor allem eines mitbringen: Neugier. Und die Neugier war groß. Mit einem solchen Ansturm hatte auch die Jüdische Gemeinde selbst nicht gerechnet, und viele Besucher nahmen an diesem Sonntagnachmittag lange Wartezeiten in Kauf, denn die Synagoge hat lediglich 110 Sitzplätze. «Wir freuen uns über das große Interesse», sagte Valeriy Bunimov vom Vorstand des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Mecklenburg- Vorpommern. «Ich bin überwältigt, dass so viele Menschen gekommen sind», pflichtete ihm Rabbiner Wolff bei, der den Besuchern nach und nach den Toraschrein mit den Torarollen zeigte, den Gottesdienstablauf erklärte und auch von seiner Kindheit in Berlin berichtete. Für den musikalischen Rahmen beim Tag der Offenen Tür sorgte der Gemeindechor «Maseltov».

Landesrabbiner Wolff.

Foto: dpa

Die Besucher konnten sich auch über die geschichtlichen Hintergründe informieren. Die Synagoge, die sich wie ein geneigter Kubus erhebt, steht auf den Fundamenten ihrer Vorgängerbauten von 1773 und 1819. Der Synagogenbau aus dem 19. Jahrhundert war in der Pogromnacht von 1938 von den Nationalsozialisten verwüstet worden und musste später von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde eigenhändig abgetragen werden. Reste der alten Fundamente und auch Teile des historischen Fußbodens sind im neuen Gebäude erhalten.«Damit haben wir die Vergangenheit in den Neubau einbezogen », erklärte der Architekt Joachim Brenncke, der die Synagoge entworfen hat. Sein Kollege Gottreich Albrecht, der mit der Innenaus- stattung des Gebäude betraut war, erläuterte die bewusst schlicht gewählte Einrichtung der
Synagoge, in der Rotbuche besondere Akzente setzt. Ein umlaufendes Lichtband im Dachbereich und drei Fenster mit einem Davidstern sorgen für Helligkeit. «Wir sind stolz darauf, in Schwerin endlich wieder eine Synagoge zu haben», sagte der Vorsitzende des Fördervereins Jüdisches Gemeindezentrum Schwerin, Armin Jäger. Das Land hatte den Neubau mit rund 660.000 Euro gefördert. Am 28. Juni, dem «Tag der Architektur», soll das Haus ein weiteres Mal öffentlich zugänglich sein.

 

Hartmut Bomhoff

«Jüdische Zeitung», Februar 2009