Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Interkulturelle Kompetenz der Zugewanderten nutzen
Zu "Meilensteine oder Symbolpolitik?"JZ 12/ 2008
15 Millionen Menschen mit Migrationhintergrund leben heute in Deutschland, von denen inzwischen viele über eine abgeschlossene Berufs- oder Hochschulausbildung verfügen. Unter welchen Bedingungen könnte ihre Kompetenz für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit gezielt genutzt werden? Die berufliche Integration von Menschen mit Migrationhintergrund ist schwer vorzustellen ohne Chancengleichheit in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, Bildung, Beschäftigung und Zugang zur kommunalen Regelversorgung. Um das zu verwirklichen und zu erleichtern, muss man die Prozedur der Anerkennung von Urkunden, Diplomen, Zeugnissen vereinfachen Aus den Urkunden sollten die Merkmale wie Geburtsort, Ort der abgeschlossenen Ausbildung, alle Merkmale, die auf die Herkunft ihrer Besitzer deuten, spurlos verschwinden. Nach geltenden Gesetzen ist eine solche Fragestellung bei der Einstellung unzulässig. Verschiedene Unternehmerverbände und Unternehmen selbst klagen über den Mangel an Fachkräften und Spezialisten. Gleichzeitig verschicken Tausende von arbeitslosen Hochschulabsolventen ihre Bewerbungen, um die unglaubliche Antwort «überqualifiziert» zu erhalten. Deswegen verbergen viele hochqualifizierte Zuwanderer ihre anerkannten Diplome, um wenigstens eine einfache Arbeit zu finden. Sonst sind sie Langzeitarbeitslose und Ein- Euro-Jobber. Das darf und kann nicht sein! Ein echter Spezialist sollte bis zum Lebensende lernen, sonst wird er ein «abgeschlossener Spezialist ».
Wie oft diskutierten die Politiker schon über das Thema Ausländerrecht und Einwanderung, mangelnde Fachkräfte und ihren Einfluss auf das Wirtschaftswachstum? Schon der deutsche Politiker und Philosoph Wilhelm von Humboldt sagte: «Kein Mensch ist unersetzbar in Geschäften». Beschäftigung, insbesondere auf dem internationalen Markt, verlangt von den Unternehmen die Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten. Aber wo lernen Unternehmen, die etwas produzieren, liefern und in Hunderte von Ländern der Welt verkaufen wollen, die örtlichen Besonderheiten? Wie kann man Kontakte mit den Einwohnern knüpfen, ohne Kenntnisse über die örtlichen Gesetze, Normen, Regeln, Sitten und Bräuche zu besitzen?
Das Problem könnte in verschiedene Richtungen gelöst werden: durch Gründung eines Orientierungskursnetzes von Wirtschaftsberatungsstellen und Einstellung von Fachkräften mit ausländischer Erfahrung. Als geeignete Lehrkräfte könnte man bereits in Deutschland lebende Menschen mit Integrationshintergrund einstellen oder aus dem Ausland einladen und zwar je breiter der geographische Hintergrund, desto besser. Das muss nicht notwendigerweise ein 30-jähriges Genie in Wirtschaft mit perfekten Hochdeutschkenntnissen sein. Die Hauptaufgabe solcher MitarbeiterInnen sollte die interkulturelle Alphabetisierung aller beschäftigten Fachkräfte und die ausländische Wirtschaftsberatung sein. Was die Kommunikation betrifft, da ist guter Rat nicht teuer: «Kommen Sie! Einen Dolmetscher werden wir besorgen » – so sollte das Motto moderner Unternehmen klingen. Als Dolmetscher könnten ausländische Studenten im Rahmen eines Betriebspraktikums helfen. Sowohl die Unternehmen als auch die Hochschule würden gleichzeitig davon profitieren.
|