Heiliger Papst?

 

Zu Leserbrief JZ 12/2008 "Der Stellvertreter: Komplize oder Held?"

 

Papst Pius XII. soll heiliggesprochen werden. Wofür? Dass er zur Ermordung von sechs Millionen Juden schwieg bzw. «Zurückhaltung » übte? Gerade von der Kirche hätte man doch zwingend eine weltweite Opposition erwarten dürfen! Deutschland ist der einzige Staat, der als Handlanger für die Kirche mit einem enormen Kostenaufwand die Kirchen- steuer über die Lohnsteuer einzieht. Eine Folge des Konkordats zwischen Hitler und dem Vatikan. Wenn die Lohnsteuer zahlende konfessionelle Bevölkerung 2004 nur noch 54,2 Prozent betrug, wie hoch ist dann, nach weiteren Austritten aus der Kirche, der Prozent- satz heute? Das Gesetz wurde trotzdem nicht geändert, obwohl die Begründung nicht mehr stimmt. Nein, der Steuerzahler zahlt sogar Entschädigungen infolge der Sä- kularisation vor 200 Jahren. Ich schlage vor, dass die Kirche als Entschädigung für ihre «Zurückhaltung» während der NS-Zeit wenigstens die Entschädigung für die «Sä- kularisation » an die Überlebenden des Holocaust abtritt.

Fanny Henningen, Solingen

«Jüdische Zeitung», Januar 2009