Wer war wo?

 

Zu "Wo bin ich gewesen? Ari Folman erinnert in "Waltz mit Bashir" an das Massaker von Sabra und Schatila"

JZ 11/2008


«Wo bin ich gewesen?» Die Frage könnte sich auch der Autor des gleichnamigen Artikels stellen. Karl-Josef Müller versucht den Film von Regisseur Ari Folman schlecht zu reden. Als sei der Film Vorwand für ein «ästhetisches Experiment » in Zeichentrickform gewesen. Dem muss ich aufs Schärfste widersprechen. Ich halte die Brutalität der im Film dargestellten Animationsszenen für erschütternd genug. Es wurde meiner Meinung nach kein «schöner Film» über ein Massaker gedreht, oder das Massaker in einen «Comicstrip» verwandelt.

 

Vielmehr wird das Bild eines unerträglichen Krieges gezeichnet, der von einer unfähigen Armeeführung, einem verbrecherischem Staat und individuellen Versagern ausgeht. Keineswegs wird im Film die Verantwortung alleine auf die Armee abgewälzt. Die Klimax des Films ist das Erkennen der Mitschuld, der tragische Held begreift, dass er mitschuldig ist, da er während des Massakers Leuchtkugel abgeschossen hat. Das Fazit: Ja, auch die Unterstützer in der zweiten und dritten Reihe sind mitschuldig. «Wie die Naziunterstützer», sagt dann auch eine Figur im Film.

 

Hans- Jörg Kowalski, Bottrop

«Jüdische Zeitung», Januar 2009