Soziale Kompetenz und jüdisches Wissen

 

Hamburger Impulsschule bietet jüdische Religionslehre an

 

Kannst Du mir sagen, wie man diesen hebräischen Buchstaben ausspricht?», fragt die sechsjährige Yeva den sieben Jahre alten Veniamin. «Bejt», antwortet er und zieht die Betonung in die Länge. Dann kramt er in einer großen Kiste mit hebräischen Buchstaben. Schnell legt Veniamin ein Wort mit dem Anfangsbuchstaben des hebräischen Alphabets zusammen: «Baruch». «Das ist der Beginn eines jeden Segens», sagt er ernst. Die Unterhaltung zwischen den beiden beginnt und schon üben sie gemeinsam den Segensspruch über das Brot für den wöchentlichen Kabbalat-Schabbat.

 

Jeden Freitag sitzen die 24 Schüler und Schülerinnen der Schule Altonaer

Die jüdischen Feiertage und ihre Bedeutung sind selbstverständlicher Teil des Unterrichts. Foto: privat

Straße an einem festlich gedeckten Tisch und nehmen das Schabbatmahl ein. Jeden Schabbat gibt es eine Schabbat-Mutter und einen Schabbat-Vater im jungen Alter von sechs bis elf Jahren, die für die Gestaltung dieses Festtages zuständig sind. Seit drei Jahren erteilen qualifizierte jüdische Lehrerinnen den Kindern der staatlichen Ganztagsschule Altonaer Straße ab der Vorschule das Fach Jüdische Religionslehre. Vom Bau einer eigenen Sukka bis zum Basteln von Chanukka-Leuchtern: Das ganze Spektrum der jüdischen Feste wird abgedeckt. Höhepunkt fast jeden Schuljahres ist eine Reise, zum Beispiel nach Israel, die durch Spenden finanziert wird. Daneben finden gemeinsame mehrtägige Reisen in die nähere Umgebung Hamburgs statt, um so das Gruppengefühl der Kinder zu stärken. Ziel des Lernprogramms ist es, die Schüler zu selbstbewussten Menschen mit sozialer Kompetenz und jüdischem Wissen zu erziehen. Finanziell gefördert wird dieses Programm vom Verein «Förderer der Joseph-Carlebach-Schule», ein Verein, der unabhängig von der Jüdischen Gemeinde in Hamburg ist.

 

Die Schule Altonaer Straße ist eine Impulsschule, das bedeutet, sie hat das Ziel, die integrative Förderung hochbegabter Kinder an Grundschulen durch die Karg-Stiftung zu verbessern. Die Karg-Stiftung beschäftigt sich seit Jahren mit der Förderung von Hochbegabungen. Ziele der Stiftung und der Impulsschulen sind besonders begabte Kinder zu entdecken, sie zu ermutigen und ihre besonderen Begabungen im Klassenverband zu entfalten. Praktisch gestaltet das sich so: Alona aus der ersten Klasse löst in ihrem Klassenverband in der Mathematikstunde Aufgaben im Mathematikbuch der zweiten Klasse und nimmt einmal in der Woche am Mathematikzirkel teil. Aber auch in anderen Fächern werden begabte Schüler gefördert. Alex geht Freitag früh zum Philosophieren für Kinder.

 

Einzige Voraussetzung, um am Philosophieren teilzunehmen, ist eine Portion Neugier, um zu staunen, sich zu wundern und dann einzusteigen ins Gedankenspiel – selber denken, miteinander denken, weiter denken. Kinder mit besonderen Begabungen und Kinder mit dem Interesse an erstaunlichen Fragen forschen hier regelmäßig gemeinsam in Gruppen von maximal 10 Kindern an Fragestellungen, die nach dem Wesen der Sache suchen.

 

Sollten wir Ihr Interesse für die Schule Altonaer Straße mit dem Angebot des jüdischen Unterrichts geweckt haben, sind Sie herzlich eingeladen, uns am Tag der offenen Tür, am Donnerstag, den 15. Januar 2009, von 16.00 bis19.00 Uhr zu besuchen. Kommen Sie mit ihrem Kind und überzeugen Sie sich selbst von den vielfältigern Möglichkeiten. Für Fragen stehen ich Ihnen gerne unter Telefon 040- 656 10 04 oder Mobil 0172 831 37 20 zur Verfügung. Sybille Stoler, Fördererverein der Joseph- Carlebach-Schule e.V. z

Sybille Stoler

«Jüdische Zeitung», Januar 2009