Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() BücherFebruar 2009
"Reise in das Herz des Feindes"
von Najem Wali
«Feindesland» ist in arabischen Ländern bis heute das am weitesten verbreitete Synonym für den Staat Israel, sowohl in den Medien als auch im allgemeinen öffentlichen Sprachgebrauch. Der seit 1980 in Berlin lebende irakische Schriftsteller Najem Wali, dessen verstörender, wilder Roman über zwei verfeindete Brüder und ihr von Gewalt bestimmtes Leben unter der Diktatur Saddam Husseins letzten Herbst unter großem Medienecho auf Deutsch erschienen ist, hatte vor zwei Jahren auf Einladung der Universität Haifa die Gelegenheit, mitten in das «Herz des Feindes» vorzudringen, wie der Titel seines neuen Buches verheißt. Aus Walis absolut unvoreingenommenen Begegnungen mit den jüdischen, arabischen und palästinensischen Einwohnern des Heiligen Landes ist nun das wertvollste, aufschlussreichste und ehrlichste Israel-Sachbuch seit langem entstanden. Der anspielungsreiche Titel kann, wie bei arabischer Literatur gemeinhin üblich, natürlich auch als poetische Metapher verstanden werden: denn nicht nur entwickelt der Autor im Verlauf seiner Reise aufgrund seiner ungemein wachen, detailreichen Beobachtungen, Gespräche und Selbstreflexionen eine erstaunlich große Sympathie zum Jüdischen Staat, beschreibt diesen sogar wohlwollender als mancher linke israelische Intellektuelle, sondern er öffnet uns auch auf sehr unmittelbare Art und Weise selbst sein eigenes Herz, das ja – streng genommen – ebenfalls das «Herz eines Feindes» ist, nicht aus Neigung oder gar aus Überzeugung, sondern durch die in seinem Fall überwundene Sozialisation in einer für viele arabische Staaten repräsentativen Gesellschaft, die schon ihren Kindern den Hass auf Israel wie selbstverständlich einimpft. Walis gedanklich wohltuend klarer, vollkommen vorurteilsfreies Bericht ist auch deswegen ein so großer Gewinn, weil uns der Autor neben dem Blick des Fremden auf das uns scheinbar Bekannte auch die gleichsam anerzogene Sicht des fanatischen Israel-Hassers bietet, die aus dem Blickwinkel einer aufgeklärten, pluralistischen Gesellschaft ja bekanntermaßen so schwer zu begreifen ist. Den direkten, permanenten Austausch mit Israel sieht auch Wali als einzigen Weg, dem Frieden langfristig ein Stück näher zu kommen – nicht zuletzt, um auch «dem Stillstand, dem Verfall und der Verwüstung der arabischen Gesellschaften» entgegenzuwirken: «Der Frieden mit Israel wäre das Ende des Opiumrausches, mit dem die arabischen Herrscher, diese Könige und Militärs, ihre Völker betäuben». Najem Walis «Reise in das Herz des Feindes» ist die vielleicht mutigste und wichtigste Stimme eines bedeutenden arabischen Intellektuellen für einen friedlichen Ausgleich seit Nagib Mahfuz und seiner Unterstützung für den Friedensprozess zwischen Israel und Ägypten. «Reise in das Herz des Feindes» aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien erschienen bei Hanser 232 Seiten, 17,90 Euro "Alle, alle lieben dich"
von Stewart O'Nan
Es gibt kaum einen anderen unter den bedeutenden literarischen Chronisten der amerikanischen Mittelklasse, auf den die immer wieder gern gestellte, im Grunde inhaltsleere Diagnose, er schildere in seinen Büchern die Kehrseite des amerikanischen Traums, weniger zutrifft als auf Stewart O’Nan. Zweifellos an den Sorgen und Nöten der so genannten kleinen Leute interessiert, beschäftigen den brillanten Stilisten weniger Ideen vom Leben als das Leben selbst. Mit seinem kleinen Meisterwerk «Das Glück der anderen» (1999), der nachhaltig verstörenden Schilderung einer verheerenden Diphtherie-Epidemie im Wilden Westen, die zur Auslöschung eines ganzen Städtchens führt, hat der ehemalige Flugzeugingenieur außerdem eindrucksvoll bewiesen, dass er die seltene Fähigkeit besitzt, so etwas schwer Messbares wie in der Gesellschaft mitschwingende Stimmungen und Ängste zu erahnen, ja sogar eine Katastrophe wie den 11. September 2001 intuitiv vorwegzunehmen und auf gekonnte Art literarisch zu verdichten. O’Nans neuer Roman «Alle, alle lieben dich» beginnt, wie schon sein 1993 mit dem renommierten William-Faulkner- Preis ausgezeichnetes Debüt «Engel im Schnee», wie ein Kriminalroman. Die achtzehnjährige Kim verbringt in freudiger Erwartung ihres ersten Studienjahres einen letzten unbeschwerten Sommer in ihrer unscheinbaren Heimatstadt. Nach einem gemeinsamen Bad im Fluss verabschiedet sie sich von ihrer besten Freundin und bricht zu ihrem Nebenjob in einem nahegelegenen Schnellrestaurant auf. Dort jedoch kommt sie nie an. Obwohl schnell deutlich wird, dass O’Nan weniger daran interessiert ist, einen Kriminalfall zu entwirren, als vielmehr die Auswirkungen von Kims spurlosem Verschwinden auf ihre Familie, ihre Freunde, ja auf die ganze enge Kleinstadtgemeinschaft zu untersuchen, entwickelt sein Text dennoch zuweilen die Dynamik eines Kriminalromans, ohne dabei jedoch auf die genreübliche kriminalistische Auflösung, etwa die Überführung des Täters oder die Aufklärung eines Missverständnisses zuzusteuern. Was am Ende dieses schmerzhaft dichten kollektiven Psychogramms steht, kommt für die Familie der Verschwundenen eher einer unerwarteten, bitteren Erlösung gleich. Stewart O’Nan zeigt auf sehr virtuose und literarisch anspruchsvolle Art und Weise, wie sich der Verlust eines geliebten Menschen auf dessen Angehörige auswirkt, wie sich Beziehungen, Lebensentwürfe und lange gepflegte Selbstbilder aufgrund der gewaltsam herbeigeführten Leere verschieben können und mitunter weitere Akte von Gewalt auslösen. Aber auch, welche befreiende Kraft jede Art von Gewissheit hervorzurufen vermag.
«Alle, alle lieben Dich» aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel erschienen bei Rowohlt 413 Seiten, 19,90 Euro
"Ein Grab in Gaza"
von Matt Beynon Rees
Nur sehr selten schafft ein Kriminalroman das Kunststück, nicht nur die genretypischen Erwartungen des Lesers zu erfüllen, sondern auch die erweiterten, unveränderlichen Ansprüche an jede Art von guter ambitionierter Literatur, nämlich das Leben auf solche Weise abzubilden, dass die literarische Erfindung vorm geistigen Auge des Lesers ein beseeltes Eigenleben entwickelt, das letztlich zu einem tieferen Verständnis nicht nur des Geschilderten, sondern auch der eigenen Person führt. Im nunmehr zweiten Fall um den melancholischen Lehrer in UNO-Diensten Omar Jussuf, dem ersten palästinensischen Ermittler der Literaturgeschichte, schlägt uns schon von den ersten paar Seiten ein kaum fassbares, faszinierendes Chaos aus Licht, Farben und Gerüchen entgegen. Insbesondere für denjenigen, der sich im nachhinein noch einmal rational und objektiv über die vielfältigen und widersprüchlichen Gründe und Vorbedingungen für die kaum einen Monat zurückliegende, auf fatale Art und Weise unsinnige israelische Militäroperation im Gazastreifen beschäftigen möchte, wird in Matt Beynon Rees, dem britischen Nahost-Spezialisten und langjährigen Jerusalemer Bürochef des «Time Magazine», einen sachkundigen Fachmann finden. Dass sein aufgrund der aktuellen Ereignisse mehrere Wochen früher als ursprünglich geplant ausgeliefertes Buch kein gewöhnlicher Kriminalroman ist, lässt schon die ungewöhnliche Vorbemerkung des Autors erahnen: «Alle in diesem Buch vorkommenden Verbrechen basieren auf realen Vorkommnissen in Gaza. Auch wenn die Namen und einige Umstände verändert wurden, gingen die Mörder tatsächlich auf die geschilderte Weise vor, und diejenigen, die dabei ums Leben kamen, sind in jedem Fall tot.» Die Handlung, die sich, ausgehend von der unrechtmäßigen Verhaftung eines sich unerschrocken gegen die Korruption der palästinensischen Führung wehrenden Universitätsdozenten entspinnt und in der Entführung zweier ranghoher UNO-Mitarbeiter mündet, ist ein verstörender Zerrspiegel der von Banditentum und Korruption beherrschten Verhältnisse in Gaza. Wenn der Autor sich durch die Wahl seiner Hauptperson auch eine rein palästinensische Sicht aneignet, kann sein Buch kaum weiter von einer subjektiv geprägten Schilderung der Verhältnisse entfernt sein: allzu unbestechlich, wach und aufgeklärt ist sein sympathischer Held, allzu desillusioniert von den politischen Verhältnissen, die seine eigene Führung geschaffen hat. «Ein Grab in Gaza» ist ein brillanter Kriminalroman, dessen engagierte, überwache Haltung kaum genug zu loben ist.
«Ein Grab in Gaza» aus dem Englischen von Klaus Modick erschienen bei C.H. Beck 352 Seiten, 18,90 Euro
"Ugly"
von Scott Westerfeld
In Zeiten wirtschaftlicher Not und sozialer Ungewissheit ist Fantasy auch lange nach Harry Potter immer noch das literarische Mittel der Wahl zur allgemeinen Weltflucht. Es steht sogar zu befürchten, dass der derzeitige Boom von Vampirromanen nicht etwa den Niedergang des Genres bewirken wird, sondern lediglich zu einer Verschiebung der Lesergunst führen wird. Gleichzeitig scheint kaum ein Genre so unzeitgemäß wie die Science Fiction, die uns in einer beeindruckenden Tradition von George Orwell bis zu Philipp K. Dick immer wieder brillant vor Augen geführt hat, welche Fehlentwicklungen ein ungebremster Fortschrittsglaube in Verbindung mit totalitären Gesellschaftssystemen in der menschlichen Zukunft bewirken könnte. Man mag erwidern, heute reiche ein Blick in die Medien, um jegliches Vertrauen in die Zukunft der Menschheit und insbesondere des Planeten zu zerstören, warum also nicht in den wenigen Mußestunden in heile Fantasiewelten flüchten? Es scheint kein Zufall zu sein, dass gerade in einem Land wie den USA, die gerade dabei sind, sich ihrer eigenen positiven Utopien zu besinnen, eine Science-Fiction-Trilogie für junge Leser erfolgreich ist, die nicht nur integrierend im Sinne dieser uramerikanischen Werte wirkt, sondern auch vor staatlicher Gängelung und Kontrolle warnt. Diese von Scott Westerfeld, geboren 1963, erdachte Reihe spielt in einer scheinbar harmlos-friedlichen, fortschrittlichen Gesellschaftsform nach einer globalen Katastrophe. Die Jugendlichen in dieser Gesellschaft werden von Kindheit an so konditioniert, dass sie ihrer obligatorischen Schönheitsoperation zum 17. Geburtstag geradezu entgegenfiebern. Bis zu diesem Tag sind sie «hässlich», danach winkt ihnen ein gänzlich selbstvergessenes Leben in ewiger Schönheit mit allabendlichen rauschenden Festen mit Cocktails und Feuerwerk – und beschädigter Gehirnstruktur. «Ugly» ist aber nur auf den ersten Blick ein Buch über Schönheitswahn und das Diktat des Ebenmaßes, denn in dem Maße, wie wir mit Tally, der naiven, kurz vor der Operation stehenden Heldin der Trilogie, die von den Behörden gewollte Narrenfreiheit der Übergangszeit miterleben, lernen wir auch das wahre Gesicht dieser Gesellschaftsform und ihre fatalen, einen totalitären Deutungsanspruch einfordernden Beweggründe kennen. Bei einer Mutprobe macht Tally Bekanntschaft mit einer Gruppe von Rebellen, die an einem geheimen Ort in den Wäldern leben und sich der Operation widersetzen, was das unbedarfte Mädchen ungewollt in massiven Konflikt mit den Behörden geraten lässt. Scott Westerfeld ist ein großartiger Auftakt zu einer faszinierenden Jugendbuchreihe gelungen, die in der Tradition der Romane von John Christopher steht und spannende, phantasievolle Unterhaltung mit kulturphilosophischem Gehalt bietet. «Ugly» aus dem Amerikanischen von Gabriele Haefs erschienen bei Carlsen 429 Seiten, 12,90 Euro
"Mir kann doch nichts geschehen..."
von Marianne Brentzel
Das erschreckendste an der Lebensgeschichte der mit ihren legendären Nesthäkchen-Romanen noch im wilhelminischen Kaiserreich zu Bestsellerruhm gelangten deutsch-jüdischen Autorin Else Ury ist die Tatsache, dass die in der Weimarer Republik hochgeachtete und selbst im Nationalsozialismus noch immer vielgelesene Autorin ausgerechnet von einer Generation, die wie keine andere mit den von ihr verfassten Kinderbüchern aufgewachsen war, systematisch entrechtet, ihres erheblichen Vermögens beraubt und völlig mitleidslos im Alter von 65 Jahren ins Gas von Auschwitz geschickt wurde. Die Dortmunder Politikwissenschaftlerin Marianne Brentzel hat bereits 1993 eine hoch aufschlussreiche, breite Öffentlichkeit schaffende Biographie über das wechselvolle Leben Else Urys veröffentlicht, deren brachialer Titel «Nesthäkchen kommt ins KZ» das Dilemma und die Tragik der Erfolgsautorin auf kongeniale Art und Weise zusammenfasste. Weiterführende literaturwissenschaftliche Forschungen innerhalb der vergangenen fünfzehn Jahre haben die Autorin veranlasst, sich erneut mit diesem spannenden Thema auseinanderzusetzen. Die Erstausgabe ihrer zweiten Biographie «Mir kann doch nichts geschehen», bereits Ende 2007 erschienen und nach kurzer Zeit vergriffen, wird nun durch eine neue, preisgünstigere Taschenbuchausgabe ersetzt, die im Anhang erstmals auch Else Urys Kindermärchen «Im Trödelkeller» aus dem Jahr 1925 abdruckt, das insofern eine Besonderheit in ihrem Werk darstellt, als es außer diesem nur einen weiteren Text gibt, der sich explizit, wenn auch recht oberflächlich, mit jüdischen Themenkomplexen auseinandersetzt. Das interessante an Else Urys populären Kinderbüchern ist ja, dass die einerseits tief im Judentum verwurzelte und diese Tradition offen lebende Autorin mit ihren in einer preußisch-protestantischen Mehrheitsgesellschaft angesiedelten Geschichten letztlich ihre eigene, bewusst und vehement betriebene Assimilation theoretisch zu begründen versuchte – eine Weltsicht, die sich in der staatlichen Anarchie des Nationalsozialismus auf tragischste Weise als Illusion entpuppen musste. Denn es war gerade dieser sektiererisch anmutende Glauben an deutsche Werte und Tugenden, der Else Ury wie viele andere deutsche Juden erst viel zu spät erkennen ließ, welche mörderische Phantasie die neuen Machthaber entwickelt hatten. So gelingt Marianne Brentzel anhand ihrer zweiten Ury-Biographie nicht nur ein höchst aufschlussreiches Porträt einer innerlich zerrissenen Persönlichkeit, sondern auch ein bestechendes Panorama vom tragischen Untergang einer deutsch-jüdischen Illusion. «Mir kann doch nichts geschehen…» erschienen in der edition ebersbach 240 Seiten, 14,80 Euro
"Nathan und seine Kinder"
von Mirjam Pressler
Wem Gotthold Ephraim Lessings auf deutschen Theaterbühnen viel gespieltes und in weltanschaulichen Fragen sogar noch häufiger zitiertes Ideendrama «Nathan der Weise» immer schon etwas zu philosophisch-abstrakt sowie dessen multikulturelles Personal hinter den Ideen schon von jeher zu blutleer erschienen ist, der darf sich freuen, dass die renommierte Kinderbuchautorin und derzeit am häufigsten beschäftigte Übersetzerin aus dem Hebräischen ins Deutsche, Mirjam Pressler, sich von Lessings Drama zu einem Jugendbuch hat inspirieren lassen, das im wesentlichen der skizzierten Handlung folgt, den handelnden Personen und ihren möglichen Beweggründen aber deutlich mehr Spielraum lässt als dem rein ideellen Gehalt des Stückes im Sinne der Aufklärung. Auch wenn Mirjam Pressler unter dem Eindruck von über einem halben Jahrhundert Nahostkonflikt zwangsläufig eine pessimistischere Sichtweise als Lessing entwickelt hat, ja im Nachwort sogar andeutet, es habe nie eine friedliche Koexistenz der Religionen gegeben, zeigt sich doch an ihrer Themenwahl recht deutlich, dass die Vermittlung von Bildung als Integrationsinstrument in unserer Gesellschaft immer noch mehrheitsfähig ist oder sogar mehrheitsbildend sein soll. So lässt sich vielleicht auch der schriftstellerische Wankelmut der Autorin erklären, sich einerseits mutig mit dem großen Vorbild zu messen und dessen Handlung aufgrund eigener Sichtweisen recht ansprechend zu variieren, andererseits aber sofort zurückzurudern und «nur» ein eher unverfängliches Jugendbuch daraus zu machen, welches ihr keiner, der anderer Meinung sein sollte, übel nehmen wird. Um es vorwegzunehmen: «Nathan und seine Kinder» ist ein angenehm zu lesendes, ausgesprochen phantasievolles Buch für Kinder ab zwölf und funktioniert nicht nur für diese Zielgruppe erstaunlich gut, sondern dürfte auch manchem Erwachsenen zu einer ebenso anregenden wie kurzweiligen Lektüre gereichen. Dabei scheint es sogar unerheblich, ob man Lessings Drama kennt oder nicht, denn die von Nathan, dem Weisen in weltanschaulicher Not erzählte, neuesten Forschungen zufolge bereits um das Jahr 1000 im sephardischen Spanien erfundene Ringparabel ist selbstverständlich auch das Kernstück von Mirjam Presslers Version der Geschichte, wenn auch bei ihr die intriganten Fanatiker am Ende triumphieren und so der Handlung eine realistisch-melancholische Note verleihen. Wenn man sich vor Augen führt, wie lebensfern idealisiert Lessings Protagonisten im Drama agieren, nämlich als bloße Träger von Ideen, ist «Nathan und seine Kinder» vielleicht nur eine von vielen möglichen Ergänzungen eines denkenden Menschen aus unserem Jahrhundert.
«Nathan und seine Kinder» erschienen bei Beltz & Gelberg 258 Seiten, 16,95 Euro
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