Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Eilat im Winter - Teil IINoch einmal unterwegs im Süden des heiligen Landes
Wir Deutschen haben bekanntermaßen ein besonderes Verhältnis zu Grenzen. Berliner wie ich allemal: Jeder von uns hat von der einen auf die andere Seite geschaut, sogar Aussichtsplattformen hat es in der geteilten deutschen Hauptstadt gegeben. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls erinnert daran seit wenigen Tagen eine symbolische knallrote Treppe auf dem Potsdamer Platz.
So ähnlich fühle ich mich nach Toms Abendessen auf der Camel-Ranch. Ich laufe los in die Eilater Nacht, hinunter an den North Beach. Am Fuße der
Luxushotels gehe ich weiter und weiter in Richtung Jordanien, dessen südliche Metropole Aqaba nur wenige Schritte von den fröhlichen Menschen hier in den nächtlichen Straßencafés der Eilater Hotels entfernt liegt. Noch immer hat es weit über zwanzig Grad, die Gäste trinken ihre Cocktails in kurzen Hosen und T-Shirts. Irgendwann hören die Häuser auf. Ich komme vorbei an einem hohen Zaun, der einen Badestrand für orthodoxe Juden umschließt, nun kommt ein paar Meter gar nichts mehr. Schließlich eine zerfetzte Fahne im Wind, dahinter ein Schild, das mich auf die vor mir liegende Staatsgrenze hinweist. Ich bleibe stehen, überlege, einfach hinüberzulaufen, kein Zaun ist da, der mich aufhalten würde. So etwas habe ich mir in Berlin zu Mauerzeiten immer gewünscht... Doch ich erinnere mich an die Worte von Menash, dem Sicherheitschef unserer Journalistenreise: «Wir sehen hier jede Maus herüberrennen... jede!» Die Grenze ist elektronisch gesichert. Also bleibe ich. Mich beschleicht ein Gefühl, wie damals zu Hause in Berlin. Ich denke an das Gespräch mit Avi Kandelker, dem Leiter des Eilat Tourist Office: ganz begeistert sprach er von der Vision einer touristischen Riviera hier am Golf, vom ägyptischen Taba, entlang des Süd- und Nordstrandes von Eilat bis zum jordanischen Aqaba.
Der Vogel-Flüsterer Am nächsten Morgen besuchen wir einen, der zumindest angefangen hat, diese Vision zu verwirklichen: Noam Weiss ist Bildungs- und Tourismusmanager des International Birding and Research Center in Eilat. Gegründet 1984 dient das Zentrum der Ausbildung, etwa von Umweltforschern und Vogelkundlern, aber auch dem Umwelttourismus. 60.000 Besucher kommen jährlich hierher, beobachten die Vogelmigration von hunderttausenden Tieren auf ihrem herbstlichen Flug in den Süden oder zu ihrer Rückreise jedes Frühjahr nach Europa. Das Gelände wurde in den frühen 1950ern bis in die 1970er Jahre als Müllhalde genutzt. Quadratmeter für Quadratmeter erneuert und mit einheimischen Bäumen und Sträuchern bepflanzt, dient es seitdem Ökologen und Stadtplanern als Beispiel, wie man solche künstlichen Landschaften aufbereiten und umweltfreundlich funktionieren lassen kann.
Viele kleine Stoffsäckchen hängen an der Wand. Darin Vögel, krank oder erschöpft, die sich im Zentrum ausruhen und kurieren lassen. Noam gibt jedem von uns einen solchen kleinen Piepmatz vorsichtig in die Hand, beschreibt seine Spezies, erläutert seine jährlichen Reisewege und die Strapazen, die sich damit für die Tiere verbinden. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn wir dann die Hand öffnen dürfen und unseren Vogel in den Morgenhimmel steigen sehen. Noam und seine Kollegen haben erste ganz praktische Schritte für die Riviera in die Wege geleitet. Sie arbeiten mit ihren Kollegen im Vogelschutzzentrum auf jordanischer Seite intensiv zusammen. Ihre gemeinsamen Schützlinge interessieren keine Grenzen. Das ganze Zentrum wird aus Spenden und Zuwendungen finanziert. Die dünne Personaldecke verstärken freiwillige Helfer aus der ganzen Welt, die oft bis zu mehreren Monaten ohne Vergütung bleiben und sogar ihren Aufenthalt selbst finanzieren. Auf der langen Ehrentafel der Förderer kommt mir dann ein Name besonders bekannt vor: Barbara Pfeffer.
Mehr als ein stupides Büro Ein kurzer Anruf in unserer Redaktion in Berlin bestätigt mein Erinnerungsvermögen. Barbara Pfeffer ist als deutsche Honorarkonsulin in Eilat Abonnentin unserer Zeitung. Mit ihrer Hilfe konnten wir vor einiger Zeit ein Austauschprojekt Eilater Schüler mit brandenburgischen Altersgenossen vorstellen. Ein zweiter kurzer Anruf und gemeinsam mit meiner Kollegin Wibke Fey von der «Frankfurter Neuen Presse» bin ich am Nachmittag mit der Konsulin verabredet.
Pfeffer war 1976 als Touristin das erste Mal in Eilat, damals arbeitete sie noch als als Mitarbeiterin in der Galerie Bar-Gera in Köln, deren Inhaberin Israelin ist. So wurde der Kontakt zum Heiligen land aufgebaut. Seitdem kam sie jedes Jahr für einen mehr oder längeren halb privaten, halb beruflichen längeren Aufenthalt hierher. Als die Einschulung ihres Sohnes Philipp anstand, traf sie die Entscheidung, ganz nach Eilat zu ziehen und als Event-Dekorateurin der großen Hotels zu arbeiten. Im Jahre 2004 trat die deutsche Botschaft in Tel Aviv mit dem Vorschlag an sie heran, das Honorarkonsulat zu übernehmen und ihren Vorgänger altersbedingt abzulösen.
Was reizt sie an dieser Aufgabe, die ich mir sehr bürokratisch vorstelle: Verlorene Reisepässe ersetzen, in Not geratene deutsche Touristen
mit Überbrückungsgeldern versehen, Beurkundungen und Beglaubigungen vornehmen, Kontakte für oder mit der Botschaft herstellen und die Bundesrepublik Deutschland bei offiziellen Anlässen in der Stadt vertreten? Konsuln aus etwa zwanzig Ländern residieren in dem internationalen Badeort. Ein russischer ist übrigens noch nicht dabei, obwohl russischsprachige Touristen seit dem Herbnst des Jahres und dem Aufheben des gegenseitigen Visazwangs einen sehr hohen Prozentsatz der Gäste ausmachen. Barbara Pfeffer tut mehr, als nur in ihrem Büro in der Stadt zu sitzen. «In Deutschland erlebe ich oft, dass viele Leute glauben, in Israel würde man nur Krieg gegen die Palästinenser führen», erläutert sie uns, «und auf der anderen Seite hört bei viel Israelis das Deutschland-Bild mit der Schoa auf». Dies ergebe auf beiden Seiten jeweils ein völlig verschobenes Bild. Dagegen anzugehen, vor allem bei der jungen Generation, ist ihr ein sehr großes Anliegen. Deswegen bemüht sie sich intensiv zum Beispiel um den Schüler- und Studentenaustausch zwischen beiden Ländern. Durch ihr Engagement ist die Rabin-Schulen in Eilat vom Goethe-Institut in Tel Aviv ausgewählt worden, am Projekt der Bundesregierung ,,Schulen: Partner der Zukunft“ teilzunehmen, um so Deutschland, seine Kultur und Geschichte, durch Deutschunterricht als weitere offizielle Fremdsprache bis zum Abitur kennenzulernen.
Barbara Pfeffer ist allzeit bereit, den ansässigen Kultur- und Festivalprojekten Unterstützung anzubieten, um deutsche Künstler nach Eilat einzuladen. Eilat ist bekannt für sein Internationales Kammermusikfestival Ende Februar, sein Klassisches Festival, so wie das seit 22 Jahren bestehende und weltbekannte Jazz-Festival Ende August. Die Konsulin veranstaltet selbst Lesungen, regelmäßig sind deutsche Senioren bei ihr zu Gast und es freut mich zu hören, dass dabei auch unsere «Jüdische Zeitung» von Hand zu Hand geht. «Die alten „Jeckes“ sterben langsam aus», resümiert sie ein wenig wehmütig. Doch auch viele junge Israelis mit deutschen Vorfahren seien nun konsularisch zu betreuen: Als Nachfahren von Holocaust-Überlebenden, die von den Nazis ausgebürgert wurden, steht ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft zu.
Gegen rückläufige Zahlen Seit der 2. Intifada seien die Zahlen deutscher Touristen stark rückläufig, der Badeort finde sich seltener in den Prospekten der großen deutschen Reiseveranstalter. «Aber noch haben wir den Zug nicht verpasst», meint die Konsulin und vermittelt zwischen Eilater Anbietern und deutschen Reisebüros. Durch ihre frühere Tätigkeit in den Hotels kennt sie fast jedes Haus und sein Management. So lädt sie uns für den Folgetag zu einer Hotel-Tour durch Eilat ein. Wir beginnen am Hafen, hier steht die erfolgreichste Shopping-Mal ganz Israels. Die Preise in Israel sind wesentlich niedriger als in Deutschland und in Eilat noch ein bisschen darunter, da die Region als eine Art Freihandelszone mit besonders attraktiven Preisen bei ihren Badegästen punkten will.
Wir starten am Südstrand, im populären «Eilat Princess», das besonders bei jüdischen Hochzeitgesellschaften beliebt ist, für die oft eine ganze Woche Happening auf dem Programm steht. Kurz vor der Grenze zum ägyptischen Taba gelegen, bietet jedes der 490 Zimmer und 17 Fünf-Sterne-Suiten einen gigantischen Blick über den Golf. Die Romanoff- und die Präsidenten-Suite verfügen für so einen Ausblick sogar über zwei Terrassen. In der Hotelhalle lädt der «Moskau-New York-Pub» ein, der Hotelpool ist in eine Grotte der nur knapp 200 Meter vom Hotel entfernten Felswand hinter der Anlage eingebaut.
Für junge Familien empfiehlt sich das traditionsreiche «King Salomon», das erste Hotel, das die marktführende Isrotel-Kette hier eröffnet hat, ebenso das «Riviera», das über großzügige Familienappartements verfügt. Als Vier-Seiten-Hof ist das «Royal Garden» gestaltet. Der Pool im Innenhof wird von echtem Sandstrand umgeben, eine eigene Shoppingmeile mit Geschäften von Cardin über Swarovski bis L’Occitane oder Diesel und das hoteleigene Theater mit monatlich wechselnden Kabarettshows laden ein. Die Fans von Squash, Tennis oder Fußball sollten im Sporthotel «Lagoona» buchen, während die Freunde asiatischen Lebensgefühls sicher das «The Orchid» bevorzugen. Im «Dan Eilat» wird der Besucher von grottenähnlichen, einander sehr spannend abwechselnden Steinfassaden und -fußböden empfangen, auf den Zimmern sind verschiedene imperiale Einrichtungsstile angesagt, kein Raum wie der andere.
Schließlich die unangefochtenen Flaggschiffe unter den mehr als 50 Hotels mit knapp 11.000 Zimmern und 35.000 Betten in Eilat: die Häuser des «Ha-Yam»-Komplexes. Direkt an der Einfahrt zur Lagune das architektonisch spannende «Queen of Sheba» auf der stadtzugewandten Westseite der Promenade. An deren östlichem Ende das «Herods», das sich mit dem «Forum»-Segment sowohl als Familienhotel und mit dem «Vitalis»-Bereich bei nur 35 Zimmern auch als absolutes Luxushotel präsentiert. Im «Palace», das einem alten Herodes-Bau nachempfunden scheint, lässt sich durch wunderbare kleine Oasen rund um die Anlage flanieren, auf Stelzen gebaute bungalowartig schattige Plätze offerieren Wohlfühlen pur. «Der Palace des Herodes trifft die Queen of Sheba», so beschreibt Tourismuschef Kandelker die Promenade.
Geheimtipps... ...der Konsulin hingegen sind das «Agamim», ebenfalls ein Vier-Seiten-Hof, durch den sich ein kleines Flüsschen zieht, so dass alle Zimmer im Erdgeschoss einen Zugang zum «Fluss» haben und das «Yam Suf», das über ein eigenes Tauchzentrum am nur 200 Meter entfernten Korallenriff verfügt und unter anderem Kurse in Unterwasserfotografie anbietet. Viele Arbeiten der Kursteilnehmer sind in der Hotelhalle ausgestellt: Flugzeugwracks am Meeresboden ebenso wie bunt vorbeiziehende Fischschwärme.
Zwei halboffizielle Abendessen mit Konsulin Pfeffer und Tourismuschef Kandelker gehören natürlich auch zum Programm unserer Reise. In ehrlicher
wie liebenswerter Weise werben beide für ihre Stadt und die Region, lassen auch die Probleme nicht aus. So missfällt allen Offiziellen die stadtzugewandte Westseite der Promenade. Hier haben sich Billigläden festgesetzt und brüllend laute Stranddiskotheken etabliert. Der Tourismusmanager Kandelker, der mit seinen Mitarbeiterinnen täglich bis zu 150 Gäste in seinem Büro im Bridge House am Nordstrand betreut, weist indes auf die gute Infrastruktur hin: Das moderne Hospital, das unter anderem über eine Druckausgleichskammer für eventuelle Tauchunfälle verfügt, ein Observatorium und ein Imax-Kino, das Eilat-Museum, das sich noch an einem provisorischen Platz befindet. Auch von 15 Synagogen der Stadt weiß er stolz zu berichten, eine davon eine reformierte in der sonst – zumindest religiös betrachtet – orthodoxen Stadt. Kandelker schwärmt von den vielfältigen Möglichkeiten in der Region, etwa die in zwei Stunden erreichbare Ruinenstadt Petra in Jordanien, Sankt Katharina auf der benachbarten ägyptischen Halbinsel Sinai oder Kombireisen bis nach Kairo und zu den ägyptischen Pyramiden. So begleitet uns unsere Führerin Yael Shilo an einem der letzten Tage unserer Reise in den nur wenige Kilometer entfernten Timna-Park mit seinen altägyptischen Kupferminen, Schluchten, Höhlen und Tempeln, dessen Bergmassive in den Abendstunden phantastisch illuminiert werden.
Zwei Millionen Touristen besuchen jährlich Israel, davon 250.000 Eilat. Fünf Millionen sollen es landesweit im Jahre 2012 sein, so die ambitionierten Pläne des Tourismusministeriums. Zumindest 50 junge Touristen haben sich nach dem ersten Teil dieses Reiseberichtes in unserer Dezember-Ausgabe schon mal für das kommende Jahr angemeldet: das «Accord Orchestra Potsdam» will 2010 nach Eilat kommen. Die Musiker dieses brandenburgischen Jugendorchesters wollen für das israelisch-jordanische Schulprojekt der Rabin-Schule Eilat und der Rosary-Schule Aqaba spielen und auch ein Benefizkonzert für das Birding and Research Center geben. Honorarkonsulin Pfeffer sowie die Deutsche Botschaften in Israel und Jordanien haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Die friedensstiftende Idee der Riviera nimmt weitere Formen an. |