Jüdischer Witz

 

Die Vertreibung aus dem Vatikan

 

Vor zwei, drei oder vielleicht auch vier Jahrhunderten entschied der Papst, dass alle Juden im Kirchenstaat, dem territorialen Besitz des Vatikans in Zentralitalien, das Land verlassen sollten. Natürlich rief die Botschaft großen Aufruhr hervor. So entschied sich der Papst zu einem Handel. Er schlug eine religiöse Debatte mit einem Mitglied der jüdischen Gemeinde vor. Wenn der Jude gewänne, dürften die Juden bleiben. Wenn der Papst gewänne, müssten sie gehen. Die Juden hatten keine Wahl. So wählten sie einen der ihrigen, einen Mann mittleren Alters mit dem Namen Moische, damit er sie vertrete. Moische erbat sich für die Debatte eine Bedingung aus: Um es interessanter zu machen, sollte keine Seite sprechen. Der Papst zeigte sich einverstanden.

 

Der Tag der großen Debatte kam. Moische und der Papst saßen sich eine volle Minute schweigend im Papstpalast gegenüber. Dann hob der Papst seine Hand und zeigte drei Finger. Moische erwiderte seinen Blick und erhob einen Finger.

 

Der Papst ließ seine Finger um seinen Kopf herum kreisen. Moische zeigte mit dem Finger auf den Boden vor ihm.

 

Der Papst nahm eine Oblate und ein Glas Wein. Moische zog einen Apfel hervor. Da stand der Papst auf und sagte: «Ich gebe auf. Dieser Mann ist zu gut. Die Juden dürfen bleiben.»

 

Eine Stunde später umringten die Kardinäle den Papst und fragten, was passiert sei. Der Papst sagte: «Zuerst hielt ich drei Finger in die Luft, um die Dreieinigkeit zu demonstrieren. Er antwortete mir mit einem Finger, um mich daran zu erinnern, dass immer noch ein Gott beiden Religionen gemein ist. Dann ließ ich meine Finger kreisen, um ihm zu zeigen, dass Gott überall um uns herum ist. Er antwortete, indem er auf den Boden deutete und damit zeigte, dass Gott auch jetzt genau mit uns ist. Ich zog Wein und Oblate hervor, um ihm zu zeigen, dass Gott uns unsere Sünden erlässt. Er zog einen Apfel hervor, um mich an die Erbsünde zu erinnern. Er hatte auf alles eine Antwort. Was konnte ich machen?»

 

In der Zwischenzeit umringte die jüdische Gemeinschaft Moische. «Was ist passiert?», fragten sie. «Nun», sagte Moische, «Erst sagte er mir, dass die Juden genau drei Tage hätten, um von hier zu verschwinden. Ich sagte ihm, dass kein einziger von hier gehen würde. Dann sagte er, dass die ganze Stadt von Juden geräumt werden würde. Ich ließ ihn wissen, dass wir genau hier bleiben würden.»

 

«Und dann?», fragte eine Frau.

 

«Ich weiß nicht», sagte Moische. «Er nahm sein Mittagessen heraus und ich meins.» 

 

 

 

«Jüdische Zeitung», November 2008