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Synagoge
Das Judentum kennt keine «heiligen Orte», sieht man einmal vom Areal des Allerheiligsten des im Jahre 70 n.u.Z. zerstörten Tempels in Jerusalem ab. Jüdischer Gottesdienst ist an keinen besonderen Platz gebunden. Jeder Ort, an dem sich zehn Juden zum Gebet zusammenfinden, ist im weiteren Sinne eine Synagoge. Zur Lesung der «Tora» (die ersten fünf Bücher der Bibel) braucht es eine Gemeinde, aber kein bestimmtes Gebäude. Man kann eine Synagoge in seinem Wohnzimmer gründen. Eine Synagoge (griechisch «Zusammenkunft») ist ein «Haus der Versammlung », hebräisch «Beit HaKnesset». Im christlichen Sprachgebrauch wurde «synagoga » als Gegenstück zu «ekklesia», Kirche, auf die jüdische Gemeinde wie auch auf das Judentum insgesamt angewendet. Der Bau von Synagogen war oftmals Beschränkungen durch die Obrigkeit ausgesetzt, in Europa nicht zuletzt auf Drängen der Kirche. In vielen Ländern mussten sich die Juden bis zur Emanzipationszeit auf die Abhaltung von Gottesdiensten in Privathäusern beschränken. In Wien etwa durfte erst 1823 die erste Synagoge eröffnet werden.
Da die jüdischen Hauptgebete stehend in Richtung des untergegangenen Tempels von Jerusalem ausgeübt werden müssen, ergibt sich, dass der Eingang einer Synagoge im Westen liegt. Der Schrein, die «Heilige Lade» zur Aufbewahrung der Torarollen, ist das zentrale Objekt der Synagoge und befindet sich traditionell an der Ostwand, freistehend oder in einer Nische. Die «Heilige Lade» wird von einem Vorhang verhüllt. Zentral im Synagogeninneren ist das traditionell hölzerne Lesepult für die Toralesung, die «Bima», das einem Podest oder Tisch gleicht und zumeist über Stufen an den Seiten zu erreichen ist. Es ersetzt den Altar und erinnert an die Bundeslade der Wüstenwanderungszeit. Zur weiteren Ausstattung der Synagoge gehören Sitzbänke oder Stühle, Lesepulte und im Vorraum ein Becken zur rituellen Waschung. Zum Dekor zählt in nichtorthodoxen Synagogen der siebenarmige Leuchter, die «Menora». Außerdem findet sich in jeder Synagoge eine Lampe mit dem «Ewigen Licht», die vor der «Heiligen Lade» niederhängt.
Die überlieferte Trennung von Männern und Frauen im jüdischen Gottesdienst hat zur Folge, dass orthodoxe Synagogen bis heute über eine vergitterte und verhängte Frauenabteilung verfügen. Die jüdische Reformbewegung hat die Geschlechtertrennung aufgehoben. Neben der Frage nach der Einbindung von Frauen in den Gottesdienst ist es der Einsatz der Orgel, wie in Reformsynagogen üblich, an dem sich die Geister scheiden. Hauptargumente der jüdischen Orthodoxie gegen die Orgel sind das traditionelle Musizierverbot in der Synagoge und das Arbeitsverbot am Schabbat sowie das Verbot der Nachahmung nichtjüdischer Gottesdienstformen.
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