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| Der israelische Comedian Lior Schlain bekam Probleme mit dem Vatikan. Foto: Archiv |
Jede Woche leugnet jemand in der Kirche die Schoa, irgendein Erzbischof, Bischof, Priester oder einfach ein Chorknabe, der von allen vergewaltigt wird. Also habe ich entschieden, es ihnen zurückzuzahlen: das Christentum zu leugnen.» Mit diesen derben Worten startete der israelische Late-Night-Show-Moderator Lior Schlain Mitte Februar ein neues Format in seiner Sendung auf «Kanal 10»: jeden Abend eine neue Leugnung des Christentums. Was als humoristische Abrechnung mit dem Schoa-Leugner der katholischen Piusbruderschaft, Richard Williamson, gedacht war, entwickelte sich zu einer diplomatischen Verstimmung im ohnehin schwer belasteten Verhältnis zwischen dem Staat Israel und dem Vatikan. Ein arabischchristlicher Anwaltsverband in Israel fordert nun sogar die Einstellung der Late-Night- Show und eine Geldstrafe für den in die Kritik geratenen Satiriker Schlain.
«Die Nacht mit Lior Schlain» ist seit Dezember 2006 eine Institution im allabendlichen Fernsehprogramm. 2008 gewann die Unterhaltungssendung mit starkem Satirefaktor den «Akademie-Preis für das Fernsehen ». Die besten Nachwuchskomiker des Landes, Stars und Sternchen, Politiker und andere Möchtegerns nehmen während der 40-Minuten-Sendung zur publikumswirksamen Selbstdemontage auf Schlains Sofa Platz. Mit einer missglückten Satirenummer über das Christentum rückte der erst 29-Jährige nun sogar ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit.
Die «Leugnungen des Christentums» in Lior Schlains Show waren als Mehrteiler angedacht. In kurzen Filmeinspielungen hatte das Programmteam von Schlain grundlegende Fragen des Christentums erörtern wollen. «Ist Jesus wirklich auf dem See Genezareth gewandelt?» Nein, erklärte ein halbminütiger Kurzfilm mit entsprechender Bebilderung, Jesus sei schwer übergewichtig gewesen und habe sich geschämt, seinen Körper am See in Badesachen zu zeigen. Auch die Jungfräulichkeit Marias nahm Schlain aufs Korn, so geschehen am zweiten Abend der «Christentum-Leugnungsserie». Die Filmchen kamen humoristisch reichlich uninspiriert daher. Die Publikumslacher wurden vom Band eingespielt. Eigentlich eine müde Nummer, die schnell in den Regalen des «Kanal 10»-Filmarchivs verstaubt wäre.
Doch Schlain rechnete nicht mit dem Zorn der Gläubigen. Nach der zweiten Leugnungs-Folge war Schluss. Im Anschluss an die Sendung mit dem Einspieler über Marias Geschlechtsleben erreichte Schlains Sender ein Beschwerdebrief der arabisch-christlichen Anwaltsvereinigung aus Nazareth. Sowohl «Kanal 10» als auch sein Moderator entschuldigten sich in der darauffolgenden Sendung, die Gefühle von «Millionen Christen in aller Welt» verletzt zu haben.
Aber der Stein des Anstoßes war bereits ins Rollen geraten, auch der Vatikan war informiert. Rom protestierte gegen den «offensiven Akt der Intoleranz gegenüber religiösen Gefühlen». Der libanesische TV-Sender der Hisbollah «Al-Manar» echauffierte sich im Namen der Christen und Muslime. Arabische Christen demonstrierten im galiläischen Dorf Kfar Jasif, forderten die Absetzung von «Die Nacht mit Lior Schlain» und eine Geldstrafe für den Comedian. Um die erhitzten Gemüter zu besänftigen, meldete sich selbst der scheidende Ministerpräsident Ehud Olmert zu Wort und erklärte sein «Bedauern und Trauer» über die Satire, die sich «über die christliche Theologie mokiert und den Vatikan verletzt» habe. Mit der Stellungnahme wollte Olmert zudem den für Mai geplanten Papst-Besuch in Israel absichern. Die filmischen Einspielungen in der Late-Night-Show, so Olmert, stünden im «Widerspruch zu den guten Beziehungen zwischen Israel und der weltweiten Christenheit».
Dass es um diese jedoch derzeit gar nicht gut bestellt ist, ist ein offenes Geheimnis. Die theologischen Provokationen seitens Papst Benedikts XVI. verärgern gläubige Juden in Israel, seine Rehabilitation des Schoa-Leugners Williamson ist eine Ohrfeige für jeden Überlebenden und dessen Angehörige. Die missglückte Satire des Comedians Schlain ist nur ein Ausdruck dieser Missstimmung. Aber auch die jüdischen Israelis tun sich in diesen Monaten schwer mit der religiösen Toleranz. Laut einer in der Tageszeitung «Ha’aretz» veröffentlichten aktuellen Umfrage des Jerusalemer «Zentrums für jüdisch-christliche Beziehungen» stimmen nur 50 Prozent der Befragten der Auffassung zu, dass Jerusalem «zentral für den christlichen Glauben» sei. Sogar 75 Prozent der 500 Befragten sind der Ansicht, dass der Staat Israel christlichen Organisationen nicht ermöglichen sollte, Land für eine neue Kirche in der Hauptstadt zu erwerben. In dieser Phase wilden gegenseitigen Drauflosleugnens erwartet Israel eine explosive Atmosphäre zum Besuch des deutschen Papstes Joseph A. Ratzinger.