Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Aufklärung, Emanzipation, Erneuerung200 Jahre Oberrat der Israeliten Badens
Das Jahr 1809 bildet eine wichtige Zäsur in der Geschichte der Juden in Baden. Das junge Großherzogtum erkannte als erster Staat in Deutschland die jüdische Religionsgemeinschaft auf Dauer an. Der Oberrat der Israeliten Badens wurde geschaffen. Am 8. März feiert der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRG) nun sein 200jähriges Bestehen mit einem Festakt im Bürgersaal des Rathauses von Karlsruhe. Die Festansprache hält der Direktor des Frankfurter Jüdischen Museums, Raphael Gross. Der eigentliche Jahrestag, der 13. Januar, ist bereits in fast allen zehn badischen jüdischen Gemeinden gewürdigt worden. Die Aufgaben des Oberrates hätten sich seit seiner Gründung nicht sehr verändert, wohl aber die Situation der Gemeinden, die 80 Prozent zugewanderter Juden integrieren müssten, sagte der Vorsitzende des Oberrats, Wolfgang Fuhl, bei einer Feierstunde in der Synagoge von Lörrach. Vorrangig sei derzeit der Aufbau der Infrastruktur und eine bessere personelle Ausstattung. Nur zwei der Gemeinden in Baden hätten festangestellte Rabbiner. Das Landesarchiv Baden-Württemberg greift das 200jährige Jubiläum der IRG Baden auf und zeichnet mit der Ausstellung «Gleiche Rechte für alle?», die am 8. März im Regierungspräsidium eröffnet wird, in einem großen Bogen die Geschichte der Juden in diesem Raum vom Mittelalter bis in die Gegenwart nach. Innen- und Außensichten wechseln dabei einander ab. Im 19. Jahrhundert kämpften die badischen Juden hartnäckig um ihre rechtliche Gleichstellung; gewährte Baden ihnen als erster deutscher Staat die uneingeschränkte Gleichberechtigung. Sie debattierten aber auch über neue Formen der jüdischen Liturgie und eine veränderte Gestaltung der Synagogen. Emanzipation, Verstädterung und sozialer Aufstieg waren die Grundlinien der Entwicklung bis in das frühe 20. Jahrhundert. Die Judenfeindschaft zeigte auch im liberalen Musterländle unterschiedliche Gesichter. Die Ausstellung widmet sich auch dem geistigen Widerstand, den die jüdische Gemeinschaft der Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 entgegensetzte. Die Deportation der badischen Juden in das Lager Gurs am Fuß der französischen Pyrenäen 1940 war nur der erste Schritt auf dem Leidensweg, der für die meisten in den nationalsozialistischen Todeslagern endete. Nach dem Massenmord in Europa gab es einen bescheidenen Neuanfang jüdischen Lebens. Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion lassen seit 1989 die IRG Baden wieder anwachsen. Vielerorts funktioniert das Miteinander zwischen Alteingesessenen und Zuwanderern trotz aller Probleme erstaunlich gut. «Mittlerweile sind über 40 Prozent der Gemeindemitglieder Menschen aus den ehemaligen GUS-Staaten. Die Menschen sind für die Gemeinde ein großer Gewinn», konstatiert etwa Orna Marhöfer, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim. «Die neuen Mitglieder haben sich den Gepflogenheiten und der Struktur der bisherigen Jüdischen Gemeinde in Mannheim angepasst. Die Amtssprache ist weiterhin Deutsch, unser gemeinsames Thema ist das Judentum. Dies umzusetzen braucht viel Beharrlichkeit, Überzeugungskraft und ein konsequentes Vorgehen. Heute können wir mit Stolz sagen, dass wir in unserer Gemeinde wie in einer großen Familie leben, frei von einem zerstörenden Gegeneinander. Unsere Gemeinde wird in der Überzeugung geführt, dass nur Klarheit und absolute Korrektheit eine gesunde Existenz der Jüdischen Gemeinde sichern. Unsere Gemeinde betreibt ein offenes Haus, das von der Bevölkerung für eigene Veranstaltungen sehr gut angenommen wird, ein Haus, in dem auch türkische Hochzeiten und griechische Festlichkeiten oder andere kulturelle Ereignisse stattfinden.» |