Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Die Wunschliste ist langIn Baden dauert der mühsame Aufbau nach dem Untergang noch an
Als nach der Befreiung aus den europäischen Vernichtungslagern die ersten Juden wieder nach Deutschland kamen – sei es aus dem Versteck, oder – wie die große Mehrheit – als Displaced Persons in die sogenannten DPLager kamen, war nicht nur das jüdische Leben personell vernichtet, sondern auch fast die gesamte Infrastruktur. Synagogen waren zerstört, jüdische Geschäfte und Wohnungen entweder vernichtet oder enteignet. Fast das einzige, was noch existierte, waren jüdische Friedhöfe, alleine in Baden gibt es 95 geschlossene Friedhöfe. Die ersten Gemeinden gründeten sich in Baden bereits Mitte 1945 wieder und es ist leicht, sich vorzustellen, dass diese Gemeinden sehr provisorisch eingerichtet waren und nur ein behelfsmäßiges Gemeindeleben aufbauen konnten. Der seit 1809 existierende Oberrat der Israeliten Badens wurde 1945/1946 wieder gegründet, allerdings nach Besatzungszonen getrennt. Die beiden Oberräte, Nord und Süd, konnten sich erst 1953 wiedervereinigen und zu einer Art Dachverband für die jüdischen beziehungsweise israelitischen Gemeinden in Baden werden. Schon das religiöse Leben war nicht einfach zu gestalten, bestanden doch die Gemeinden anfangs vorwiegend aus Ostjuden, die ein anderes religiöses Verständnis hatten, als es im deutschen Judentum üblich gewesen war. Inhaltlich nahm die Restitution großen Raum ein; neben Verhandlungen mit Kommunen und dem Land war auch nicht klar, wem die früheren jüdischen Besitztümer nun zustanden. Nicht vergessen werden darf das Gedenken. Am 22. Oktober 1940 waren 6.500 Juden nach Gurs in Südfrankreich deportiert worden – viele starben dort einen elenden Tod, und wem dies erspart blieb, der wurde später in die Vernichtungslager gebracht. Anfang der 1960er Jahre wurde auf Initiative des damaligen Oberratsvorsitzenden Otto Nachmann der Friedhof dort instand gesetzt und alljährlich findet dort ein Gedenken statt, organisiert durch die Arbeitsgemeinschaft badischer Städte. Bemerkenswerterweise wird die Delegation der badischen Städte und des Oberrats nach diesen vielen Jahren nicht kleiner, auch wird das Gedenken nicht zur Routine, sondern es «lebt» – wenn dieser Ausdruck hier gestattet ist. Wo stehen wir nun heute? Durch die Zuwanderung aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist die Zahl der Juden in Baden von 1259 im Jahre 1991 auf gut 5.000 angewachsen (gegenüber etwa 20.000 im Jahre 1933). Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden ist in mittlerweile zehn Gemeinden untergliedert (gegenüber 123 im Jahre 1933), diese galt und gilt es mit Gemeindezentren und Synagogen auszustatten. Nach der 1971 erbauten Synagoge in Karlsruhe erhielten in den nächsten beiden Jahrzehnten auch die größeren Gemeinden Freiburg, Heidelberg und Mannheim entsprechende Gebäude. In den letzten Jahren wurden den Gemeinden Emmendingen, Pforzheim und zuletzt Lörrach Gemeindezentren zur Verfügung gestellt; als nächstes sind Rottweil und Konstanz an der Reihe. Die personelle Ausstattung der Gemeinden ist nicht mehr zeitgemäß, jede Gemeinde sollte einen Rabbiner haben. Gab es 1990 in den damaligen fünf Gemeinden fünf teilzeitbeschäftigte Sekretärinnen (für knapp 1.300 Mitglieder), so gibt es heute zehn teilzeitbeschäftigte Sekretärinnen für 5.000 Mitglieder. Eine Wunschliste ist lang: Jede Gemeinde sollte einen Sozialarbeiter haben, Platz für neue Friedhöfe muss beschafft werden. Trotz der Nähe zu Frankreich und der Schweiz mit funktionierender jüdischer Infrastruktur lässt die Versorgung mit koscherem Essen zu wünschen übrig. Kindergärten, Schulen, Altersheime, Pflegeheime oder Wohlfahrtseinrichtungen sind weitere wünschenswerte |