Gedenkstreit

In einem offenen Brief bittet der französische Schriftsteller Jean-Moïse Braitberg (58) den Präsidenten Israels darum, den Namen seines Großvaters, der 1943 in Treblinka vergast wurde, und die seiner anderen in der Schoa ermordeten Familienmitglieder von der Gedenkstätte «Jad Vashem» in Jerusalem zu entfernen. Als Grund für das Anliegen nennt Braitberg in der Ende Januar in der «Le Monde» veröffentlichten Anzeige das «Unrecht, das den arabischen Menschen von Palästina seit 60 Jahren angetan wird» und das Israel als «Zentrum der Erinnerung für das den Juden zugefügte Leid» disqualifiziere. Durch das Ausweisen der Namen seiner Familienangehörigen in «Jad Vaschem», dem «Herzen des Staates Israel», so Braitberg, halte der Staat das Gedenken an seine Familie hinter «dem Stacheldraht des Zionismus gefangen». Braitbergs offener Brief stieß international auf heftige Reaktionen, von Sympathiebekundungen bis hin zum Vorwurf des Antisemitismus. Mittlerweile fand der Vorstoß Braitbergs Nachahmer. Das jüdisch-kanadische Geschwisterpaar Michael und Osha Neumann forderten in einem offenen Brief die Entfernung des Namens ihrer ermordeten Großmutter Gertrud aus «Jad Vaschem».

 

 

«Jüdische Zeitung», März 2009