Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Unweigerliches Gefühl für die Vergänglichkeit des LebensEine Werkschau der Fotografin Annie Leibovitz in Berlin
Die Warteschlange vor der Galerie C/O in Berlin lässt Großes erahnen und großartig sind sie auch, die Fotografien der Amerikanerin Annie Leibovitz. Die als «Hoffotografin Amerikas» gefeierte 59-jährige Künstlerin zeigt noch bis zum 24. Mai ihre Werkschau «Annie Leibovitz. A Photographer’s Life. 1990–2005» in Berlin. Leibovitz’ langjährige Lebensgefährtin, die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag, soll einmal zu ihr gesagt haben, dass sie nicht genug fotografiere, denn eine Fotografin solle nie den Finger vom Auslöser nehmen. Bei Leibovitz’ Bildern hat man jedoch das Gefühl, dass die Zeit, die ein solches Foto braucht, den speziellen Stil der Exponate ausmacht. Betrachtet man das Foto von der in ein glänzendes weißes Kleid gehüllten Nicole Kidman, die von hellem Scheinwerferlicht bestrahlt auf einer prunkvollen Bühne steht, dann glaubt man eher, ein Gemälde vor sich zu haben, als ein Foto. So erstaunt es umso mehr, wenn man die von Leibovitz inszenierten Porträts der englischen Königin Elizabeth II. betrachtet, wie diese ehrwürdige alternde Dame in ihren prächtigen Gewändern mit Krone und in Pelz gehüllt bei offenem Fenster im Buckinghampalast sitzt und in den düsteren Himmel blickt. Hier schafft es Leibovitz, durch den speziellen Lichteinfall ein doch sehr besonderes Bild einer oft fotografierten Frau zu schaffen, das auf kunstvolle Weise die Würde der Königin mit dem modernen Stil eines Covers des «Rolling Stone» verbindet. Dieser poppige Einschlag in den Bildern von Annie Leibovitz kommt nicht von ungefähr, hat sie doch tatsächlich bereits mit 19 Jahren für das renommierte amerikanische Musikmagazin «Rolling Stone» fotografiert und wurde ab 1973 zur offiziellen Fotografin dieses zumindest damals noch sehr politisch orientierten Magazins. Ihr zehn Jahre andauerndes Engagement hat sowohl den Stil des «Rolling Stone» geprägt als auch zu einigen legendären Fotos in Leibovitz’ Karriere geführt. So zum Beispiel das Coverfoto von einem ausgezogenen John Lennon, der sich an seine Frau Yoko Ono anschmiegt. Fünf Stunden nach dem Fotoshooting wurde der Musiker auf offener Straße erschossen. Dies ist nicht das letzte Mal, dass Leibovitz Fotos macht, die den Betrachter auch aufgrund der Geschichte dahinter stark berühren. So brachen bei der ersten Ausstellung dieser Werkschau im Brooklyn-Museum manche Besucher in Tränen aus, als sie die persönlichen Dokumentationen vom Krebsleiden Susan Sontags und der parallel verlaufenden Alterskrankheit von Leibovitz’ Vater betrachteten. In der Ausstellung kann man lesen, dass es auch für die Fotografin kein Leichtes war, diese Fotodokumentationen zu machen. Es hat sie viel Überwindung gekostet, ihre langjährige Partnerin, mit der sie drei Kinder eines unbekannten Samenspenders bekommen hat, am Tag ihres Todes aufgebahrt zu fotografieren. So extrem dieses Foto aufgrund des offensichtlichen Todes scheint, so sehr berührt das erste Foto der Dokumentationsreihe durch die Unwissenheit Susan Sontags um ihren gesundheitlichen Zustand. Wenige Stunden vor den ersten Untersuchungen sieht der Betrachter die Schriftstellerin in einem Polstersessel sitzend, wie sie mit nachdenklichem Blick in die Kamera blickt und man bekommt unweigerlich ein Gefühl dafür, wie vergänglich das Leben ist. In diesen beiden Dokumentationen wie auch bei so manchen von Leibovitz’ Starfotografien beweist die Künstlerin den Mut, Grenzen zu überschreiten. Sie scheut sich weder vor der Aktdarstellung der schwangeren Demi Moore noch vor dem klaren Abbild des Alters, wenn sie etwa ihre eigene Mutter porträtiert. Das von Falten zerfurchte Gesicht mit dem dennoch auffordernden, wachen Blick einer starken Frau. Leibovitz schafft es auch in diesem Bild, das offensichtliche Alter ihrer Mutter mit einem gewissen modernen Touch zu verbinden, der die fotografische Komposition lebendig erscheinen lässt. Mit bekannten Bildern wie dem bereits erwähnten Porträt von Demi Moore, schaffte Annie Leibovitz 1983 den Sprung vom politisch angehauchten Musikmagazin zu Engagements bei Hochglanzmagazinen wie «Vanity Fair» und «Vogue», wo sie immer wieder mit Fotos von Hollywoodstars und Größen der US-amerikanischen Musikszene für internationales Aufsehen sorgt. So runden Darstellungen der Schauspielerin Scarlett Johanson, ein Foto von Brad Pitt in jungen Jahren oder die bereits erwähnten Fotos von Nicole Kidman diese Retrospektive auf ereignisreicheMina Altman «A Photographer’s Life» ist bis zum 24.Mai täglich von 11 bis 20 Uhr im Postfuhramt in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte zu sehen. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 5. |