Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() "Das letzte Experiment" von Philip KerrEs geschieht nur sehr selten, dass ein historischer Kriminalroman mit spekulativem Inhalt als geeignetes Mittel zum tieferen Verständnis einer bestimmten Geschichtsepoche und als Ausgangspunkt zur Reflexion über die Beweggründe der in dieser Zeit lebenden Menschen taugt. Als der britische Werbetexter und studierte Jurist Philip Kerr im Jahr 1989 seinen vielgelobten Debütroman «Feuer in Berlin» über einen Privatdetektiv im nationalsozialistischen Berlin veröffentlichte und diesen in nur drei Jahren zu einer fulminanten, kontrovers diskutierten Trilogie ausbaute, konnte man kaum ahnen, dass er nach seinem internationalen Erfolg mit konventionellen Thrillern und Fantasy- Romanen für Jugendliche nach 15 Jahren als umso einfallsreicherer und stilistisch gereifter Autor zu seiner Berlin-Noir-Reihe zurückkehren würde. Am Ende vom «Janus-Projekt», dem ersten Nachkriegsabenteuer seines charismatischen Ermittlers Bernie Gunther, war dem Nazigegner und ehemaligen SS-Mitglied wider Willen nach einer bösartigen Fehlanschuldigung nichts anderes übriggeblieben, als sich mittels alter Nazi-Seilschaften nach Argentinien abzusetzen. Sein neuestes Abenteuer mit dem Titel «Das letzte Experiment» schließt direkt an diese denkwürdige Schiffspassage an. In Argentinien wird Bernie als ehemaliger Starermittler der Berliner Polizei erkannt und für den gefürchteten peronistischen Geheimdienst akquiriert: Er soll den bestialischen Mord an einem 15-jährigen Mädchen aufklären. Dieser ähnelt einer Serie von Gewaltverbrechen im Berlin des Jahres 1932, die der nach der NS-Machtübernahme aus dem Polizeidienst geschiedene Gunther nie aufklären konnte. Die Ermittlungen führen den desillusionierten Kriminalisten tief ins Milieu untergetauchter deutscher Kriegsverbrecher. Als er bei privaten Nachforschungen für seine jüdische Geliebte auf die geheime «Direktive elf» der argentinischen Regierung stößt, verliert er die Rückendeckung seiner Vorgesetzten und gerät in Lebensgefahr. «Das letzte Experiment» ist zweifellos der bisherige Höhepunkt der Berlin-Noir-Reihe. Kerr ist nicht nur ein atemberaubender Thriller gelungen; durch den Kontrast von ausführlichen Rückblenden in die Endphase der Weimarer Republik mit dem verstörenden Milieu der in dreister Selbstgefälligkeit eingerichteten Exilnazis entsteht ein bedrückendes Zeitpanorama, das klarmacht, dass das politische Schreckgespenst des Faschismus sich nicht auf 12 Jahre NS-Herrschaft beschränken lässt. «Das letzte Experiment», aus dem Englischen |