Plädoyers für den Dialog

Karl Kardinal Lehmann würdigt den Theologen Erich Zenger


Charlotte Knobloch mit

Karl Kardinal Lehmann

und Bundespräsident Horst Köhler
in Hamburg. Foto dpa

Anlässlich der zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit 2009 ist dem katholischen Alttestamentler Erich Zenger am 1. März in Hamburg die Buber-Rosenzweig- Medaille verliehen worden. Der Deutsche Koordinierungsrat ehrt damit seit 1968 Personen, Institutionen oder Initiativen, die sich insbesondere um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Erich Zenger ist emeritierter Professor für Exegese des Alten Testaments an der Universität Münster, Mitglied im «Gesprächskreis Juden und Christen» beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Berater in der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zu den Juden. In seiner Laudatio würdigte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, Zenger als mutigen Förderer des jüdischchristlichen Dialogs. Der Ruf Zengers beruhe vor allem auf seiner Fähigkeit, die Schriften des Alten Testamentes mit dem ganzen heute möglichen Wissen im Blick auf ihre existentielle, gesellschaftliche und kirchliche Bedeutung eindrucksvoll zu erschließen.

An dem Festakt im Hamburger Schauspielhaus nahmen unter anderem Bundespräsident Horst Köhler und kurzfristig auch die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, teil. Nach der Affäre um den Traditionalisten und Holocaust- Leugner Richard Williamson dürfe das Gespräch nicht abreißen, forderten die Redner. «Antisemitismus und Antijudaismus dürften nirgendwo einen Platz haben», mahnte der Bundespräsident. «Wir dürfen nicht zulassen, dass Enttäuschungen wegwischen, was im jüdisch-christlichen Dialog in Jahrzehnten erreicht worden ist.» In den letzten Wochen waren nicht nur von jüdischer Seite Zweifel daran geäußert worden, ob die «Woche der Brüderlichkeit», die dieses Jahr unter dem Motto «Soviel Aufbruch war nie» überhaupt in geplanter Form stattfinden könne. «Es ist schwer einzuschätzen, ob die Teilnahme jüdischerseits an der „Woche der Brüderlichkeit“ beeinträchtigt werden wird, da dies ja auch den protestantischen Part treffen würde. Generell jedoch dürfte das Thema „Judenmission ja oder nein“ und der Rückwärtskurs des Vatikans alles andere überschatten », gab etwa Rabbiner Walter Homolka zu bedenken. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat erst vor kurzem bekräftigt, dass die Mission Teil des Dialogs sei. Evangelikale Kreise verstehen die Judernmission gar als praktische Nächstenliebe. Daneben bleiben die Neufassung der Karfreitagsfürbitte «Für die Juden» durch Papst Benedikt XVI. und die Forcierung der Seligsprechung von Pius XII. als Belastung des jüdisch-katholischen Verhältnisses bestehen.


Hartmut Bomhoff

 

 

«Jüdische Zeitung», März 2009