«Unsere Gemeinde lebt in großer Armut»

Die jüdische Gemeinde Magdeburg wandte sich Anfang Mai 2009 an die sachsenanhaltinischen Nachbarn in Halle (Saale) mit einem Hilferuf:


«Wir sind nach Deutschland gekommen, um unser jüdisches Leben unangefochten und in Frieden leben zu können, um zu Gott, unserem Herrn, beten zu können.

Unsere Gemeinde lebt in großer Armut. Unser Gemeindeleben können wir nicht aus eigenen Mitteln in Würde gestalten. Wir sind finanziell nicht in der Lage, unseren geistlichen Lehrer, den Rabbiner, ordnungsgemäß zu bezahlen, die Kinder das Jüdischsein zu lehren, die Juden aus den ehemaligen sowjetischen Gebieten zum wahrhaften Judentum zurückzuführen.

Das bürokratische Deutschland steht den Bedürfnissen religiöser Juden gleichgültig gegenüber.

Den jüdischen Funktionären Deutschlands ist das jüdische religiöse Leben gleichgültig, ebenso das alltägliche Schicksal jener 200.000 Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland übergesiedelt sind. Sie wurden gebraucht, um den Anschein der Existenz jüdischen Lebens in Deutschland zu erwecken.

Nein, diese Juden werden nicht Hungers sterben. Sie werden jedoch für das Judentum, für die religiöse Welt verloren sein, die Gott, den Herrn, anerkennt. Wir existieren nur durch die Hilfe von Gott, unserem Herrn.

Die finanziellen Mittel benötigen wir ausschließlich zur Erfüllung unserer jüdischen Gebote, zur Hilfeleistung für unsere alten und kranken Gemeindemitglieder bei der Integration in das deutsche Leben, für religiöse Veranstaltungen, den Religionsunterricht für unsere Kinder und Jugendlichen.

Wir ersuchen Sie um Ihre Unterstützung, damit wir wenigstens den genannten Betrag von 1.000 Euro monatlich entsprechend dem Schlussprotokoll zu Art. 13 des Staatsvertrages mit der Jüdischen Gemeinschaft aus dem Jahr 2006 „für den Erhalt von Räumlichkeiten und Anlagen, die den Kultus-, Seelsorge- und Sozialaufgaben dienen“, erhalten, damit unsere Gemeinde weiter einen Raum hat, in dem sie sich versammeln kann.

Retten Sie die Jüdische Gemeinde zu Magdeburg e.V. vor der Vernichtung!»

Igor Tokar, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Magdeburg

 

«Die Synagogengemeinde Halle kämpft selbst um das finanzielle Überleben. Sie unterstützt schon die Jüdische Gemeinde zu Bernburg und die Jüdische Gemeinde zu Zeitz finanziell und materiell.»
Synagogengemeinde Halle e.V. - Karl Sommer

«Jüdische Zeitung», Mai 2009