Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Zwischen den ZeilenEine scheinbar harmlose dpa-Meldung lässt uns an der Sprachkompetenz deutscher Diplomaten zweifeln
«Ihre Väter haben als Feldherren Krieg gegeneinander geführt - die Söhne pflegen die deutsch-britische Freundschaft. David Bernard Montgomery besuchte am Montag die Ausstellung „Mythos Rommel“ in Stuttgart. Sein Vater, der berühmte britische Feldmarschall Bernard Law Montgomery, hatte im zweiten Weltkrieg den legendären deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel in Nordafrika bezwungen. Dessen Sohn, der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel, begrüßte den Sohn des britischen Heerführers, den er bereits von früheren Begegnungen kennt. Er sagte, die Väter hätten jeweils großen Respekt füreinander empfunden. Rommel erklärte, sein Vater und der britische Feldmarschall hätten stets versucht, sich in den jeweils anderen hineinzuversetzen. „Wie Schachspieler“, ergänzte David Bernard Montgomery. Er fügte hinzu, beide Generäle hätten auch alles daran gesetzt, bei aller Härte des Krieges die Zahl der Opfer so gering wie möglich zu halten.» Ist das nicht schön… Diese Meldung der deutschen Presseagentur dpa erreichte die nationale Presse über den Nachrichten«ticker» des deutschen Auswärtigen Amtes am Montagabend der ersten Maiwoche 2009. Sicher: so eine Begegnung ist gut und wichtig für die Aufarbeitung der Geschichte, vor allem der eigenen, der deutschen und es ist beiden Söhnen hoch anzurechnen, diese Begegnungen öffentlich zu machen. Aber wie geht das Auswärtige Amt damit um? Ist der von Adolf Hitler persönlich für die Aufgabe der Führung des Deutschen Afrika-Korps ausgesuchte «Wüstenfuchs» Rommel wirklich «legendär» zu nennen? Hat der Nazi-General tatsächlich «auch alles daran gesetzt, bei aller Härte des Krieges die Zahl der Opfer so gering wie möglich zu halten»? Wie ein Schachspieler sei der hoch dekorierte Generalfeldmarschall der Wehrmacht zu seinem Gegner gewesen. Ist das nicht schön… Rommel hat sich kurz vor der Niederlage des Dritten Reiches selbst gerichtet. Das dies ein erzwungener Freitod gewesen sein soll, da man ihn mit den Attentätern des 20. Juli in Verbindung gebracht hatte, wird wohl immer eine Legende bleiben. Ach ja, er war ja «legendär», wie das Auswärtige Amt jetzt wieder mitteilte. Ich denke eher: es hat ihm wohl nicht mehr gefallen, das Spiel. Die Angst, für die Erschießung als «Verräter» gefangengenommener deutschstämmiger Soldaten der französischen Fremdenlegion oder zu den Briten übergelaufener Deutscher zur Verantwortung gezogen zu werden, hat seinen «legendären» Freitod wohl eher begründet. Da hilft auch nicht mehr, dass er mit den Briten in Nordafrika Feuerpausen zur Bergung der Toten vereinbart hatte und für diese «Ritterlichkeit» von Churchill in einer Rede erwähnt wurde – denn: hier werden Ursache und Wirkung außer Acht gelassen: Wer geborgen werden sollte, wurde schließlich zuvor von Rommel in den Tod gejagt, dem man zudem Ungestüm, Unkontrollierbarkeit und Sturheit in der Lagebeurteilung vorwarf, was allein schon Tausende Soldaten das Leben gekostet hat: «Seine Operationen schienen manchmal wenig geplant, schlecht koordiniert und dilettantisch vorbereitet», lesen wir über Erwin Rommel. Umgebracht hat er sich übrigens auf «seinem» Wohnsitz, dem «Lindenhof» in Herrlingen, nachdem die jüdischen Betreiber eines Landschulheimes enteignet und die Bewohner des noch auf dem Hof befindlichen jüdische Altersheimes deportiert worden waren, schon 1942. Nein, das alles ist nicht schön! Wie viele der alten nazideutschen Diplomaten leben eigentlich noch und sind dem Auswärtigen Amt unserer heutigen Bundesrepublik Deutschland offenbar geistig derart eng verbunden, das man am Werderschen Markt in Berlin, dem Dienstssitz des Amtes, so wenig auf sprachliche Feinheiten achtet – und das ausgerechnet im Haus der höchsten deutschen Diplomatie! Dort wird man sich sicher auf die redaktionelle Verantwortung von dpa herausreden. Ist es nicht schön, dass man das so einfach kann? Wir haben ja von nichts gewusst… |