Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Mit Hitlers Kunst gegen deutschen Nationalismus?Aktionen der Berliner Naturfreundejugend gehen ungewöhnliche Wege
Anfang Mai 2009 eröffnete Angela Merkel im renommierten Berliner Martin-Gropius-Bau eine Kunstausstellung mit dem Titel «60 Jahre - 60 Werke». Doch die Bundeskanzlerin, die Ehrengäste der Eröffnung und die anwesenden Künstler blieben nicht so ganz unter sich. Ein kleiner rosa Hase hatte sich selbst eingeladen und protestierte damit gegen diese «nationale Inszenierung», die sich für ihn mit der Exposition verbindet: Zum Ausdruck seines Protestes schmuggelte er ein «Pinochio»-Gemälde in die Ausstellung, ein Werk des «Künstlers» Adolf Hitler. Der Protest war Teil der Pink Rabbit-Kampagne der Naturfreundejugend Berlin. Für diese Exposition konnte mit der «BILD»-Zeitung eines der populärsten Meinungsmedien Deutschland als Medienpartner für die «wichtigste Ausstellung des Jahres», so «BILD» selbst, gewonnen werden. Anspruch der Zeitung wird wohl sein, die bislang nur dem Bildungsbürgertum zugängliche «Hochkultur» zur «Populärkultur» für alle zu machen: Jeden Tag liefert «BILD» eine Erklärung zu diesen 60 «wichtigsten Werken» der Bundesrepublik Deutschland. So weit so gut - und an sich auch gar nicht schlecht. Wir haben schon ganz andere Erklärungsversuche von «BILD» erleben müssen. Warum aber attackiert der kleine Hase diese Ausstellung so vehement? Die Naturfreundejugend argumentiert wie folgt und bringt sich damit in ein äußert heikes Thema ein - in die Diskussion um Raub- und Beutekunst sowie deren Restitution: «Hätte der Kunstmaler, der zwischen 1933 und 1945 Regierungschef war, den Kurator der Ausstellung gemacht, hieße diese „1000 Jahre - 1000 Bilder“. Die Werke, die man während dieser Zeit den jüdischen Bürgern abnahm und in ganz Europa zusammenraubte, liegen zum Teil noch heute in den Magazinen deutscher Museen», erklärte Dorina Derwanz, Sprecherin der Organisation. Die Pink Rabbit-Kampagne lehnt sich an den Ausspruch des deutschen Malers und Lyrikers Kurt Schwitters an, dem Begründer des Dadaismus: «Kunst darf nicht dienen.» Entsprechend äußerte sich die Kampagne wiederholt zur aktuellen Kulturpolitik der Bundesregierung: «Die Kulturförderung betreibt knallharte Außenpolitik. Das Goethe-Institut lässt Techno-DJ's in Russland einmarschieren und schickt Hip-Hopper in ehemalige deutsche Kolonien. Die regierungsalimentierte Kulturarbeit der "Vertriebenen"-Verbände will ganz offen das Deutschtum im Ausland fördern», so Derwanz weiter. «Da erscheint es als hässliche Bildstörung, wenn, wie vor zehn Jahren geschehen, griechische Gerichte auf die Idee kommen, zum Eintreiben von verweigerten Entschädigungszahlungen für die Massenmorde von Wehrmacht und SS ein paar kleine Goetheinstitutsvillen zu beschlagnahmen. Das hat die Kulturnation Deutschland noch mal abwehren können.» Der kleine rosa Hase wird im Auftrag der Naturfreundejugend Berlins also das ganze Jubiläumsjahr der Bundesrepublik unterwegs gegen nationale Inszenierungen sein. «Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau wird nicht die letzte Zumutung dieses Jahr bleiben, die Pink Rabbit aufdecken wird», heißt es in einer Presseverlautbarung der Naturfreundjugend Berlins. Doch so lobenswert solche Initiativen und Protestaktionen an sich auch sind, so sehr ich mit meinem Herzen den kleinen Hasen gerne überallhin begleiten möchte, wo Nationalismus den Alltag unserer Gesellschaft vergiftet: Ich wünsche ihm, den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren. Ich hoffe, dass er nicht im Aktionismus versinkt und er genug Umsicht und Weitblick, wirklichen Sachverstand und Geschichtsverständnis aufbringen wird, um nicht alles in einen Topf zu werfen. Das würde niemandem etwas bringen! |