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Eine Wanderausstellung zeigt das Schicksal von drei jüdischen Athletinnen in der NS- Zeit
Anlässlich der 12. IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die im August 2009 in Berlin stattfand, wurde im Centrum Judaicum die Ausstellung «Vergessene Rekorde – Jüdische Leichathletinnen vor und nach 1933» erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Berliner Organisationskomitee der Weltmeisterschaft hat die Ausstellung in sein offizielles Kulturprogramm aufgenommen. Mit vielen Fotos, Hintergrundinformationen und Originalsportgeräten, wie der Hochsprunganlage der Olympiade 1936, wird dem Besucher ein umfassendes Bild vom Leben der jüdischen Sportler in Deutschland geboten.
Anhand der drei jüdischen Athletinnen Gretel Bergmann (Schild Stuttgart), Martha Jacob (SC Charlottenburg) und Lilli Henoch (Berliner SC) zeichnet die Ausstellung das Los vieler jüdischer Sportler in der NS-Zeit nach. Das Schicksal der drei Athletinnen zeigt wie integriert die jüdischen Sportler in der Weimarer Republik waren, ehe sie ab 1933 Schritt für Schritt aus den Vereinen und den offiziellen Sportwettbewerben verdrängt wurden. In den 1920er und 1930er Jahren gehörten viele von ihnen in Deutschland zur Elite des Landes. Diese Blütezeit nahm jedoch nach der Machtübernahme Hitlers ein jähes Ende. Bereits Anfang 1933 schlossen viele Vereine Juden aus, obwohl es noch keine rechtliche Verpflichtung dazu gab. In vorauseilendem Gehorsam bemühten sich die Vereine um die Gunst der neuen Machthaber.
Das Projekt der Potsdamer Sporthistoriker stellt auch dar, wie unterschiedlich die Juden in Deutschland mit ihrer Situation umgegangen sind. Obwohl sie alle das gleiche Schicksal teilten, sind ihre weiteren Lebenswege ausgesprochen verschieden. Die 1899 in Königsberg geborene Lilli Henoch war eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen ihrer Zeit, sie war zehnfache Deutsche Meisterin in verschiedenen Disziplinen. 1933 wurde sie aus ihrem Verein, dem Berliner SC, ausgeschlossen. Bis 1938 trainierte sie dann im Jüdischen Turn- und Sportclub. Obgleich sie Angebote aus den USA und den Niederlanden hatte, blieb sie in Berlin. Im September 1942 wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Riga deportiert und dort ermordet. Martha Jacob war Mitglied des SC Charlottenburg und deutsche Speerwurfmeisterin. Im Jahr 1933 emigrierte sie nach Südafrika, wo sie 1936 wieder einen Titel im Speerwurf gewann. Sie starb 1976. Auch Gretel Bergmann, eine der weltbesten Hochspringerinnen zu dieser Zeit, gelang die Flucht aus Deutschland. Die heute 95-Jährige wohnt zusammen mit ihrem Mann in Amerika.
Neben den Einzelschicksalen der drei Athletinnen zeigt die Ausstellung auch anschaulich den Zusammenhang zwischen Sport und Diktatur, ein Thema mit dem sich Jutta Braun, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Zeitgeschichte des Sports der Universität Potsdam, schon länger beschäftigt. Gegenüber der «Jüdischen Zeitung online» erläuterte Braun, die die Ausstellung mitentwickelt hat, dass es immer einen Zusammenhang zwischen dem politischen Regime eines Landes und dem Sport in diesem gibt. Der Sport wird in einer Diktatur immer als Ausdruck der Macht angesehen und spiegelt die Einstellung der Machthaber wider.
Braun erklärte, dass die Ausstellung auch für Schulklassen gemacht sei. Die Exposition vermittelt den Schülern anschaulich den Alltag von jüdischen Sportlern, abseits von den Themen die im Unterricht behandelt werden. Die Sporthistorikerin erklärte gegenüber der «Jüdischen Zeitung», dass geplant sei, die Ausstellung zu einer Wanderausstellung zu machen. Ab dem 4. November ist sie in Potsdam zu sehen und wird dann an weiteren Orten in ganz Deutschland zu sehen sein. Lesenswert ist auch das Buch zur Ausstellung, das im Verlag für Berlin-Brandenburg erschienen ist: Berno Bahro / Jutta Braun / Hans Joachim Teichler (Hg.): «Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933»
Franziska Schmidt
Bitte lesen Sie dazu auch unsere Beiträge «Sprung ins Ungewisse» und «Berlin 36» in dieser online-Ausgabe in den Rubriken Geschichte und Medien.
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