Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Ältestes Museum der Stadt Erfurt eröffnet – und zugleich ihr jüngstesDie älteste in einem Baukörper erhaltene Synagoge Deutschlands wird am 27. Oktober in Erfurt als museale Stätte Besuchern zugänglichMit der Alten Synagoge kann Thüringens Landeshauptstadt Erfurt die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge in Mitteleuropa vorweisen.Lange war die Synagoge durch die zahlreichen Um- und Anbauten in Vergessenheit geraten.Lediglich die Spitzen zweier Giebel waren sichtbar. In den 1980er Jahren wurde der Baukörper der Synagoge erforscht, zehn Jahre später begann man mit der systematischen Freilegung und der Sanierung. Die parallel ablaufenden Bauforschungen konnten die älteste Bauphase der Synagoge um 1100 datieren. In der von Bauhistorikern und Denkmalpflegern intensiv rekonstruierten Synagoge, fand sich in der Nachbarschaft ein Gold- und Silberschatz: Ein faszinierender, aus reinem Gold geschmiedeten Hochzeitsring, zudem ein erstaunliches Konvolut an Silbermünzen und Barren sowie hebräische Handschriften der Erfurter Gemeinde. Immer mehr Zeugnisse rücken aus der Historie einer der wichtigsten jüdischen Gemeinden des Mittelalters in den Blickpunkt.Eine Sabbatampel im Domschatz sorgt für VerwirrungEin aus dem 12. Jahrhundert stammender Judeneid aus der Amtszeit von Erzbischof Konrad I. von Wittelsbach, sowie eine bronzene Sabbatampel im Domschatz von Erfurt, zeugten bis vor Kurzem noch von der mittelalterlichen Gemeinde. Die erste Bauphase der Alten Synagoge lässt ihre Ursprünge jedoch bis ins späte 11. Jahrhundert zurückführen. Anhand von Steuerlisten und Urkunden aus dem 13. Jahrhunderts werden die Belege der einflussreichen jüdischen Gemeinde umfangreicher. Die Erfurter Juden waren vorwiegend im Kreditwesen tätig und besaßen reichsweite Geschäftsbeziehungen. Eine in der Nähe der Krämerbrücke gefundene Mikwe, das jüdische Ritualbad und die Wiederentdeckung der Alten Synagoge lassen darauf schließen, dass das Zentrum der Jüdischen Gemeinde im ehemaligen Stadtzentrum lag. Dort lebten sie in direkter Nachtbarschaft zu christlichen Kaufleuten.Im Jahr 1349 kam es zu einem barbarischen Pestpogrom, das jegliches jüdische Leben unter dem Vorwand, die Juden hätten die Brunnen vergiftet, auslöschte. Dabei wurde die Synagoge von der Stadt an einen Händler verkauft, der die ersten Umbauten unternahm. Nachdem sich wieder jüdisches Leben in Erfurt angesiedelt hatte, nahmen die antijüdischen Stimmungen im 15.Jahrhundert erheblich zu. Der Höhepunkt der Spannungen fand 1453 mit der Aufkündigung des Judenschutzes statt. Fünf Jahre später wurden in Erfurt kein Juden mehr geduldet, ihre Wohnhäuser wurden verkauft, der Friedhof zerstört und die Synagoge geriet in Vergessenheit.Handschriften zeugen von GelehrsamkeitIn Erfurt lebten bedeutende Gelehrte, darunter der Rabbiner und Schriftgelehrten Alexander Süsskind ha-Kohen. Die geistige Blüte und den Rang der ersten Gemeinde belegen jedoch nicht die Schriften von Süsskind, sondern vor allem die so genannten «Erfurter hebräischen Handschriften». Dieses Konvolut wird heute in der Staatsbibliothek Berlin verwahrt. Dazu gehören die größte hebräische Bibelhandschrift und eine beeindruckend große Thorarolle aus dem Mittelalter, sowie eine Toseftahandschrift. Nach dem Pogrom von 1349 kamen vermutlich die Schriften zum Erfurter Rat, später in die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums, von wo aus sie dann 1880 nach Berlin verkauft wurden. Die zweibändige hebräische Bibel «Erfurt I» wurde 1343 beendet. Jeder Teil wiegt alleine fast 50 Kilogramm. Für die Herstellung des Pergaments wurde die Haut von mehr als 1.100 Großtieren benötigt. Der Text umfasst das Alte Testament in Hebräisch und eine aramäische Übersetzung «Targum». Eine Sammelhandschrift enthält vor allem Urteile von Rabbinern zu Fragen des religiösen und alltäglichen Lebens. Auch eine Sammlung von Tierfabeln des Sophos wurde mit aufgenommen. Die Thorarolle der Erfurter Handschriften macht, ebenso wie die zweibändige Erfurter Bibel, durch ihre Größe auf sich aufmerksam.Mit der Eröffnung der Alten Synagoge am 27.Oktober werden auch die wertvollen Handschriften als Faksimile und im Wechsel auch als originale Leihgabe ausgestellt. So lohnt sich in den nächsten Wochen ein Besuch des neuen Museums unbedingt.Theresa Polley
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