Erfolgreicher Hungerstreik


Der Hungerstreik des in Köln lebenden Schriftstellers Peter Finkelgruen war erfolgreich. Ende Oktober hatte der 67-jährige ehemalige Rundfunkredakteur und Autor mit der Protestaktion begonnen. Er wollte damit erreichen, dass das Berliner Entschädigungsamt die Behandlung seines 2006 erlittenen Herzinfarkts bezahlt. Für Finkelgruen ist dieser eine direkte Folge seiner frühen Kindheit im Ghetto von Schanghai. Finkelgruens jüdische Eltern waren aus Deutschland nach Shanghai geflohen, wo dieser 1942 zur Welt kam. Ursprünglich hatte er ankündigt, am 9. November öffentlich am Berliner Holocaust-Denkmal auf seine Lage aufmerksam machen zu wollen. Weil das Entschädigungsamt jedoch schnell einen Vergleich anbot, sagte der Schriftsteller die Aktion ab.

Finkelgruen, Vorstandsmitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, machte wiederholt auf die Problematik der Krankheitskosten alter NS-Opfer aufmerksam. Seit Mitte der 1990er Jahre habe ihm das zuständige Entschädigungsamt nur noch wenige Medikamente gezahlt, so Finkelgruen. Die Behandlungskosten von über 15.000 Euro nach seinem Herzinfarkt seien gar nicht übernommen worden, auch seine Krankenkasse wollte nicht zahlen. Der Zentralrat der Juden begrüßte die jetzige Entscheidung des Berliner Entschädigungsamtes, verwies jedoch darauf, dass in Deutschland noch immer rund 100.000 NS-Opfer leben, von denen nicht wenige derzeit ein ähnliches Schicksal wie Finkelgruen erleiden.

 

 

«Jüdische Zeitung», Dezember 2009