Drei Fragen an...
...W. Michael Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin
Herr Blumenthal, das Jüdische Museum Berlin verzeichnete 2008 einen Rekord von 758.000 Besuchern. Im letzten Quartal dieses Jahres strömen Tausende besonders in die Ausstellung «Koscher & Co.» Werden Sie einen neuen Besucherrekord verzeichnen können? Haben Sie sich eigentlich zum Ziel gesetzt und sehen Sie die Möglichkeit, einmal zum bestbesuchten Museum in der Bundeshauptstadt Berlin zu avancieren?
Selbstverständlich versuchen wir so viele Menschen wie möglich von einem Besuch im Jüdischen Museum Berlin zu überzeugen und wir werden in diesem Bemühen auch im neunten Jahr unseres Bestehens nicht nachlassen. Bislang ist uns das sehr gut gelungen, wie die von Ihnen genannten Zahlen zeigen. Ob wir den hohen Wert von 2008 in diesem Jahr erneut übertreffen werden, lässt sich noch nicht ganz genau voraussagen. Ich gehe davon aus, dass wir wieder auf über eine dreiviertelmillion Besucher kommen werden, und das ist ein großer Erfolg für das Haus. Viele Museen haben mit einem Rückgang der Besucherzahlen zu kämpfen, die Finanzkrise und die zu Beginn dieses Jahres gesunkenen Touristenzahlen haben sich auch in der Kulturbranche bemerkbar gemacht. Wir werden unser Niveau auf jeden Fall halten können und darüber bin ich sehr froh.
Zum bestbesuchten Museum der Hauptstadt wäre es allerdings noch ein sehr weiter Weg, da haben das Pergamonmuseum, das neulich wiedereröffnete Neue Museum und das Alte Museum mit ihren Sammlungen und ihrem einzigartigen Standort auf der Museumsinsel einen klaren Vorsprung. Das Pergamonmuseum allein zog 2008 schon mehr als eine Million Besucher an. Aber als deutsch-jüdisches Geschichtsmuseum mit Standort in Kreuzberg können wir uns schon über eine sehr positive Bilanz freuen. Dazu trägt auch unser Programm «on tour. Das JMB macht Schule» bei: Unser Museumsbus fährt mit Workshops und einer mobilen Ausstellung im Gepäck Schulen im ganzen Bundesgebiet an. Bislang waren wir schon an 130 Schulen zu Gast. Wir setzen unsere Tour auch 2010 fort und wollen damit nicht nur Lehrerinnen und Lehrer darin bestärken, sich im Unterricht mit der deutsch-jüdischen Geschichte auseinanderzusetzen, sondern auch erreichen, dass jeder Jugendliche in Deutschland bis zu seinem Schulabschluss mindestens einmal das Jüdische Museum Berlin besucht hat.
Permanent nimmt das Jüdische Museum Berlin neue Sammlungen und Archivbestände auf. Jetzt plant sogar die Direktorin des Leo-Baeck-Instituts in New York, Carol Kahn Strauss, große Teile ihrer deutschsprachigen Archivbestände nach Berlin, in enger Kooperation mit Ihrem Museum, zu überführen (siehe «JZ» diese Ausgabe: «Wissenschaft Bildung»). Sie planen für 2010 auch einen Neubau, der ca. 10 Millionen Euro kosten soll, um die ständig wachsenden Bestände des Museums entsprechend lagern und bearbeiten zu können. Können Sie das alles aus Eigenmitteln finanzieren? Woher kommen weitere finanzielle Unterstützungen?
Wir begrüßen diese Pläne. Das Leo-Baeck-Institut hat ja bereits kurz nach der Eröffnung des Jüdischen Museums Berlin eine Dependance des Leo-Baeck-Archivs eingerichtet, seitdem arbeiten wir sehr eng mit den New Yorkern zusammen. Und es ist richtig, dass wir für unsere wachsenden Aufgaben in den Bereichen Forschung und Bildung eine Erweiterung planen. 2010 wollen wir dafür die bisherige Blumengroßmarkthalle gegenüber des Jüdischen Museums an der Lindenstraße umbauen, um so mehr Raum für unsere Archive, die Bibliothek und unsere Bildungsprogramme zu schaffen. Wir haben dafür rund 10 Millionen Euro veranschlagt, wobei uns dankenswerterweise der Bund mit sechs Millionen Euro unterstützt. Die verbleibenden vier Millionen Euro bringt das Museum durch Spenden auf.
Regelmäßig werden internationale Spitzenpolitiker durch das Jüdische Museum Berlin geführt. Haben Sie schon einen Plan gemacht, US-Präsident Barack Obama bei dessen nächstem Deutschland-Besuch das Haus zu zeigen?
Nein, ein konkreter Plan besteht nicht, aber es wäre natürlich eine große Ehre, den Präsidenten der USA zu Gast zu haben. Ich war als Delegierter der Demokratischen Partei bei der Nominierung von Barack Obama als Präsidentschaftskandidat dabei, habe ihn im Wahlkampf aktiv unterstützt und ihn als sehr klugen Mann und guten Zuhörer kennengelernt. Ihm unser Museum zu zeigen, wäre auch für mich etwas Besonderes.