Mord in Moskau
Um den Tod des Geschäftsmanns, Sportmäzens und Ex-KGB-Spions Schabtaj «von» Kalmanowitsch ranken viele Gerüchte
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| Foto: Reuters |
Ein später Nachmittag am 3. November im belebten Zentrum Moskaus, auf den Straßen fließt der Berufsverkehr. Der russisch-jüdische Oligarch Schabtaj Kalmanowitsch fährt in seinem Wagen, einer Mercedes-Luxuslimousine, entlang der Uferpromenade «Krasnopressnaja Nabereschnaja». Er ist auf dem Weg zu einem Geschäftsessen. In der Nähe des Internationalen Handelszentrums muss Kalmanowitschs Wagen an einer Ampel warten. Ein silbergrauer Lada hält neben ihm. Plötzlich feuern zwei Männer aus dem Auto Schüsse auf die Frontscheibe des Mercedes. Ein wahres Trommelfeuer. Kalmanowitsch, der immer neben seinem Chaffeur sitzt, wird zehnmal getroffen und ist sofort tot. Der Fahrer des Mercedes, schwer verwundet, nimmt die Verfolgungsjagd durch Moskaus Innenstadt auf, bis kurz vors Nowodewitschi-Kloster. Dort verlassen ihn die Kräfte und er steuert das Auto an den Straßenrand. Polizeiliche Ermittler sammeln am nächsten Morgen am Tatort 19 Patronenhülsen einer 9- Millimeter-Kaliber-Waffe ein. Die russische Polizei geht, angesichts des klassischen Tathergangs, von einem Auftragsmord aus russischen Mafiakreisen aus.
Der Tod des Milliardärs Schabtaj von Kalmanowitschs kommt plötzlich, aber für Insider nicht überraschend. Die «schillerndste Unternehmerfigur der neurussischen Gründerzeit», O-Ton Nachrichtenportal «Russland aktuell», war Mittelpunkt der russischen Öffentlichkeit und eine feste Größer in Unternehmerkreisen. Er war Besitzer der umsatzstärksten russischen Kosmetikkette «Arbat Prestige», einer vier Milliarden Euro Umsatz schreibenden Bergbaugesellschaft im Ural und einer Alligatorenfarm in Südafrika. Als Mäzen leistete sich der passionierte Basketballfan mehrere Sportklubs. In den letzten Jahren sammelte seine Frauenbasketballmannschaft von Spartak Moskau, der er als Generalmanager vorstand, regelmäßig nationale und internationale Meistertitel.
Ein Kämpfer gegen Korruption im Sport?
Beobachter vermuten nun, dass die Auftraggeber des Mordes in der russischen Sportbranche zu finden seien. Dort hatte Kalmanowitsch offenbar viele Gegner. Vor kurzem erklärte er noch in einem Interview mit der Zeitung «Sport-Express», er sei der «Feind Nummer 1» der «korrupten Sportagenten» gegen die er «einen ständigen Krieg» führe. Und: Er habe es sich zum Ziel gesetzt, die Korruption im Basketballsport zu unterbinden und hoffe, dass er noch lange leben werde. Ein frommer Wunsch, der nicht in Erfüllung ging. Jedoch schließt Sergej Tschernow, Leiter der russischen Basketballföderation, auf Anfrage russischer Medien aus, dass der Mord mit Kalmanowitschs Engagement im russischen Sport zu tun haben könnte. Kalmanowitschs Rolle als Mäzen und Generalmanager von Sportklubs in GUS-Nachfolgestaaten war exponiert. Regelmäßig war er auf Fernseh-Live-Übertragungen seiner Mannschaften, anspornend und jubelnd, zu sehen. Als der litauische Verein Zhalgiris Vilnius 1999 den Basketball-Europapokal der Landesmeister gewann, soll Kalmanowitsch, als damaliger Sponsor des Teams, dafür sogar vom litauischen Präsidenten Algirdas Brazauskas in den Ritterstand erhoben worden sein. Zumindest kolportierte Kalmanowitsch so die Herkunftsgeschichte seines auch in Russland üblichen Adelsprädikats «von» im Namen – einen Zusatz, den er stets in offiziellen Dokumenten verwendete. Aber auch das ist nur eine von vielen zweifelhaften und unsicheren Überlieferungen aus dem Leben des Menschen Kalmanowitsch. An Gegnern, Feinden und potentiellen Mördern scheint es ihm nicht ermangelt zu haben. Eine Spur für ein Mordmotiv könnte ins Mafiamilieu Russlands...
Sergej Adamow, Svetlana Berilo,
Arkadij Smertnik und
Alexander Kaiser
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