«Die Assimilation isst das jüdische Volk auf»


Der Leiter der Jewish Agency, Natan Sharansky, will mehr junge Juden nach Israel holen und lehnt einen Dialog mit der linksliberalen US-Lobby «J Street» ab. Trifft er damit den Zahn der Zeit?

Foto: Reuters

Natan Sharansky, seit Juni 2009 neuer Leiter der Jewish Agency (JA), warnt vor den Gefahren der Assimilation und hat eine Stärkung der Diaspora-Israel-Beziehungen zu den Schwerpunkten seiner Arbeit erklärt. In einem Interview mit der israelischen Tageszeitung «Haaretz» beschrieb Sharansky Assimilation als einen Prozess, der «das jüdische Volk nach und nach aufisst». Deshalb sei es sein zentrales Anliegen, die Verbindung von Juden in der Diaspora nach Israel zu stärken.

Erst kürzlich kam «Masa», ein Partnerprojekt der Jewish Agency, in die Kritik, nachdem es in einer Werbekampagne Juden vor der Gefahr von «Mischehen» warnte (die «JZ» berichtete im Oktober). Sharansky veranlasste einen Abbruch der kontroversen Werbekampagne und kritisierte diese als «unsensibel» und «verletzend». Sharansky meinte daraufhin, dass der beste Weg zur Bekämpfung der Assimilation «Israel Experience»-Programme seien, bei denen Juden aus der Diaspora Israel kennenlernten.

Auf der Generalversammlung der Jewish Federations of North America im November gelang es Sharansky, eine stärkere Kooperation der verschiedenen «Israel Experience»-Programme zu vereinbaren. Konkret geht es dabei um die beiden wichtigsten, bisher als Konkurrenten wahrgenommenen Organisationen «Masa» und «Birthright Israel». Das größtenteils aus privaten Mitteln finanzierte «Birthright Israel» («Geburtsrecht Israel») veranstaltet kostenlose, zehntägige Israel-Reisen für 18- bis 26-jährige Juden. In den zehn Jahren seines Bestehens hat «Birthright» mehr als 215.000 junge Menschen nach Israel gebracht.


«Herablassende Haltung gegenüber Israel fallenlassen»

Die Organisation «Masa» («Reise») andererseits subventioniert, größtenteils aus israelischen Staatsmitteln finanziert, längere Israelaufenthalte und -programme junger Diaspora-Juden. Für beide Organisationen ist die Jewish Agency ein wichtiger Partner und so liegt es nahe, dass Sharansky jetzt versucht, ihre Kräfte zu vereinen. So meinte der 61-Jährige, der als sowjetisch-jüdischer Dissident und Menschenrechtler 1986 aus der UdSSR nach Israel ausreiste, in «Haaretz», dass sich «Masa» als ein Nachfolgeprogramm für «Birthright» eignen würde. Eine gemeinsame Nutzung von Datenbanken und der Austausch von Ideen sollten daher gefördert werden. Die Überlappung von Kompetenzen könne hingegen vermieden werden.

Mit Blick auf die in den letzten Jahren merklich verschlechterten Diaspora-Israel-Beziehungen sprach Sharansky von der Notwendigkeit, eine gegenseitige Bevormundung zu überwinden. Gegenüber «Haaretz» meinte er weiter: «Die Israelis müssen begreifen, dass die Diaspora...


JZ


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«Jüdische Zeitung», Dezember 2009