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| Unsere Helden rücken vor. Foto: dpa |
Die Voraussetzungen waren also gegeben, um die Diskrepanzen zwischen Jung und Alt aus dem Weg zu räumen. Denn vor allem in kleinen jüdischen Gemeinden droht bei einem Wegfall der Jugend die Auflösung der ganzen Gemeinde. Bei einer Geburtenrate, die im Verhältnis zur Sterberate bei 1:7 liegt, ist es umso wichtiger, die Jugend zu binden. Gelungen ist dies auf dem Kongress nur zum Teil. Die Berichte der Teilnehmer in den bekannten sozialen Netzen des Internets zeigen vor allem eins: Die Stimmung war hervorragend. «Einfach nur geil» fand es Swetlana. Teimouraz war «rundum zufrieden» und Konstantin schrieb ein großes Lob an die Organisatoren: «Danke an den Staff der ZWST, ihr habt einen super Kongress hinbekommen!!!»
Doch fernab des Lobes wurde Kritik geübt, die nicht so sehr den formellen Rahmen betraf, sondern davon zeugte, dass die vielen Angebote zur Diskussion eher spärlich angenommen wurden. Teilnehmer Juri berichtet, dass «sehr wenige an irgendwelchen Diskussionen teilgenommen haben». Ähnlich äußert sich Sam, die beim Gespräch zum Thema «Übertritt: Lösung eines Problems oder ist die Lösung das Problem?» nur zehn bis fünfzehn Interessierte ausmachen konnte. Das Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der «ZWST» betraf die wichtige Frage der Zuwanderung. Doch wurde die Diskussion von einigen Dauerdiskutanten beherrscht, die sich wenig um die existenziellen Belange sorgten. Stattdessen ging es ihnen mehr um die etwas dröge Frage der Geldverteilung, was den ein oder anderen zum Verlassen des Raums veranlasste.
Rundum positiv aufgenommen wurde die Vielfältigkeit der religiösen Veranstaltungen. Die Anwesenheit von sowohl liberalen als auch orthodoxen Rabbinern bot den Jugendlichen die Möglichkeit, bisher unbekannte Welten zu erschließen. So konnte Juri zum ersten Mal einen liberalen Gottesdienst erleben. «Ganz cool» und «sehr familiär» sei das gewesen. Ebenfalls positiv fand er, dass die Gebete bei einem Gottesdienst auf Deutsch gesprochen und erklärt wurden sowie die Anwesenheit einer italienischen Delegation, die die Verbindungen zwischen deutschen und italienischen Juden stärken wollte.
Der Vortrag und die Diskussion mit Charlotte Knobloch zum Abschluss des Kongresses wurden gespalten aufgenommen. Von: «Die Abschlussdiskussion mit Frau Knobloch fand ich sehr interessant. Sie hatte einiges erzählt und ließ einige Fragen zu, viel ging es um die vernachlässigte Unterstützung der Jugendarbeit in den Gemeinden, Vernachlässigung der nicht mehr Jugendlichen und noch nicht Erwachsenen etc.» bis «Sehr enttäuschend. Von ihr hatte man vergeblich konkrete Antworten auf irgendwelche Fragen erwartet. »
Was allerdings am Ende, neben den zahlreichen Diskussionen und Vorträgen, im Vordergrund stand, war: Die Band! Denn die war letztes Jahr «beweglicher», meint Rachel. Und Yevgeni stellt einem Freund die alles entscheidende Frage: «Welche Band war besser? Die im letzten Jahr oder die vom Samstag mit den „Titten"?» Eine Diskrepanz zwischen den Generationen bleibt. Vielleicht löst sie sich im nächsten Jahr in «Bad Kissin’» auf.
sda