Neues von der jüdischen Weltverschwörung


Heute: Die Schweinegrippe

Eine neue Seuche geht um die Welt. An manchen Orten fegt sie über die Bevölkerung hinweg und hinterlässt nur Tod und Elend. Woanders schleicht sie sich bedrohlich von Wirtskörper zu Wirtskörper und verrichtet fast unmerklich ihr zerstörerisches Werk.

Wenn es nach den Verschwörungstheoretikern ginge, wäre das ein willkommenes Szenario der Schweinegrippe. Tatsächlich aber hat sich die Schweinegrippe trotz manch letaler Verläufe bislang nicht als die Eliminationsseuche des 21. Jahrhunderts erwiesen. Das ist aus verschwörungstheoretischer Sicht natürlich bedauerlich. Aber da die Seuche nun mal medial so schön hochgezüchtet wurde, wäre es ja auch blöd, dieses gefundene Fressen zu verschmähen.

Dass das mit der Neuen Grippe nicht mit rechten Dingen zugehen kann, liegt auf der Hand. Einfach so. Gründe grassieren wie Viren. Und wer dient seit je her als Lieblingszielgruppe von Verschwörungstheoretikern? Richtig, «die» Juden. Deshalb sollen auch praktischerweise «die» Juden Verursacher der Schweinegrippe sein. Schließlich haben sie Übung darin, denn sie seien ja auch schon die Macher der Vogelgrippe von 2005 und der Schweinegrippe von 1976 gewesen.

Die niederländische Tageszeitung «De Telegraf» zitierte zu Vogelgrippe-Zeiten die Journalistin Désirée Röver mit den Worten, wonach das H5N1-Virus Werk einer internationalen Verschwörung sei, die danach trachtete, die weltweite Menschenpopulation zu dezimieren. Diese Verschwörung gehe zurück auf eine Gruppe von Nachkommen der Chasaren, einem Volk in den Steppen der Ukraine, das vor 1.200 Jahren zum Judentum übergetreten ist. Diese Nachkommen beteten jetzt «zu Luzifer, Satan oder mit anderen Worten: Rockefeller, Rothschild, Brezinski und Kissinger.»

Bereits während der Schweinegrippe von 1976 äußerte sich Eustace Mullins, Antisemit und Schüler des antisemitischen Dichters Ezra Pound, folgendermaßen: «Nur der verwerfliche Geist der Juden kann sich solchen Horror ausdenken: einen Völkermord gegen seine Bürger. Und Präsident Ford hat sich persönlich dafür in Anspruch nehmen lassen.» Wie schon damals gehe es neben der Ausrottung aller Ungläubigen auch bei der aktuellen Schweinegrippe vor allem um den schnöden Mammon. Denn die Pharmakonzerne sind – klar – in jüdischer Hand. Nicht offensichtlich, eher so hintenrum. Durch die Aktienmehrheiten. Logisch, ein Jude macht sich ja die Hände nicht selber schmutzig. Und in Weltfinanzkrisenzeiten ist der verschwörungstheoretische Kurzschluss umso einleuchtender: «Um die globale Finanzmarktkrise zu überwinden, haben Juden einen Virus im Labor gezüchtet, der Kinder, Alte und Anfällige hinwegrafft. Juden wollen nicht, dass Regierungen Geld, für Kinder, Ältere und soziale Programme ausgeben. Juden machen das meiste Geld wenn Regierungen Geld ausgeben für Krieg zwischen den Menschen.»

Denn dass Juden hinter dem neuen Impfwahn stehen, lasse sich schon daran ablesen, dass die berüchtigten Impfstoffe mit Schweinegelatine versetzt sind, was «den» Juden nun einen optimalen Vorwand gibt, sich selbst nicht das Teufelszeug einflößen zu lassen. Auch dass sie sich vehement gegen den Gebrauch des Begriffs «Schweinegrippe» wehren, sei nichts als ein gewieftes Täuschungsmanöver. «Wir werden sie „Mexikanische Grippe" und nicht „Schweinegrippe" nennen», heißt es gerade aus jüdisch-orthodoxen Kreisen. «Schweinegrippe» sei eine Beleidigung für Juden. Und Muslime. Verschwörungstheoretische Feinschmecker dürften da gar einen besonders infamen Pakt wittern.

Die Form der Seuchen-Beschuldigung hat eine lange, grauenvolle Tradition. Insbesondere während der Pest im Mittelalter wurden Juden der Brunnenvergiftungen verdächtigt. Immer wieder kam es darauf hin zu Pogromen. Häufig wurden vermeintliche Geständnisse unter Folter erpresst.

Der Unterschied ist, dass heutzutage kaum jemand, der um seine Reputation fürchten muss, dergleichen in die Welt posaunen würde. Aber beim Lesen anonymer Kommentare in so manchen Internetforen kann einem ganz schlecht werden. Auch ohne Virus-Infektion.

Man fragt sich nur, wenn nun die gerissenen Juden hinter all diesen Pandemien gestanden haben, wie konnten dann so viele Verschwörungstheoretiker übrig bleiben?

Ida Lind

«Jüdische Zeitung», Dezember 2009