«Retter der Weltwirtschaft»

 

Der US-Notenbankchef Ben Shalom Ber-nanke wurde vom «Time-Magazine» zur «Person des Jahres 2009» gewählt. Bernanke ist damit der fünfte Jude, dem dieser Titel zuteil wird. Das auflagenstärkste US-Nachrichtenmagazin entschied sich für Bernanke, da dieser im Krisenjahr 2009 «nicht nur die US-Finanzpolitik neu gestaltet», sondern auch Anstrengungen unternommen habe, «die Weltweltwirtschaft zu retten». «Time» würdigte die Arbeit des seit 2006 an der Spitze des Federal Reserve Board (Fed) stehenden Bernanke, der nach der Finanzschmelze in den USA «eine ökonomische Katastrophe verhindert» habe. Beruflich läuft es für den 56-Jährigen derzeit hervorragend. Der Bankenausschuss des US-Senats hat Mitte Dezember für eine zweite Amtszeit Bernankes als Fed-Chef gestimmt, die Zustimmung des Senats im Januar gilt als Formsache. Kritiker rügen indes Bernankes milliardenschwere Finanzhilfen für die US-Banken und werfen ihm vor, die Bankenaufsicht vernachlässigt und durch Milliarden-Fehlspekulationen in die Krise geratene Finanzinstitutionen gerettet zu haben. Das Fed soll demnach auch die Krise durch eine zu lange Periode billigen Geldes mit verursacht haben. Bernanke hatte während der Finanzkrise die Zinsen massiv gesenkt und die Geldschleusen der Notenbank weit geöffnet. Erwartet wird, dass er nun die finanzpolitischen Zügel straffen muss, ohne dabei die noch schwache US-Konjunktur abzuwürgen.
Sollte er das schaffen, avanciert Bernanke vielleicht sogar noch zur «Person des Jahrhunderts». Diesen Titel vergab «Time» bislang nur einmal: an Albert Einstein.

«Jüdische Zeitung», Januar 2010