Unglaubliche Diffamierung
Zu «Die Geschichte vom deutsch-jüdischen Glühstrumpf», JZ Oktober 2009
Im März 2007 stellte die «Jüdische Zeitung» ein Buch von Götz Aly und Michael Sontheimer über das Schicksal des jüdischen Unternehmers Julius Fromm vor. Titel: «Wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel». Das Buch beschreibt in eindrucksvoller Weise den Aufstieg eines Unternehmers, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich zur sozialen Veränderung der Gesellschaft beitrug. Es beleuchtet den letztendlich vergeblichen Versuch Fromms, sich mit den nationalsozialistischen Machthabern ab 1933 einigermaßen zu arrangieren und zeigt das Schicksal seiner Familie, den Zwang zur Arisierung seines Betriebes und das Vernichten seines Lebenswerkes.
Dies im Hintergrund kam die Idee auf, die Rolle jüdischer Unternehmer und Bankiers einmal zu untersuchen, die sich gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer damals bahnbrechenden Innovation verschrieben hatten: Der Gasbeleuchtungsindustrie mit all ihren Facetten.
Schlägt man einen Bogen zur Gegenwart so ist festzustellen, dass es heute einen breiten Interessenkonsens zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung gibt, das Gaslicht unwiederbringlich abzuschaffen. Ein Grund mehr, die in der Vergangenheit maßgebliche Rolle jüdischer Unternehmer des Gasbeleuchtungsfaches sowie deren Schicksal zu untersuchen.
Der «Jüdischen Zeitung» wurde hierfür ein Manuskript mit interessanten Fakten und Ergebnissen vorgelegt. Doch was passierte? Heraus kam ein übler Artikel mit hanebüchenem Vokabular und Unterstellungen, sowie als Ergebnis eine unglaubliche Diffamierung meiner Person, aber auch des Vereins ProGaslicht e.V. Dies unter tatkräftiger Unterstützung der «Lichtexpertin» Frau Dr. Röck. Vorwurf: Ich hätte die geplante Verbannung des Gaslichts aus der öffentlichen Wahrnehmung mit der Schoa gleichgesetzt. Wer die Unterlagen, die ich der «Jüdischen Zeitung» übermittelt hatte, durchsieht, wird sofort erkennen, dass dieser Vorwurf nicht nur haltlos, sondern absolut bösartig ist. Man legt mir Dinge in den Mund, die ich nie behauptet habe.
Ich frage mich: Wie ist es möglich, dass in der «Jüdischen Zeitung» schon die Überschrift «Die Geschichte vom deutsch-jüdischen Glühstrumpf» suggeriert, das hier dem Leser ein vermeintlich fragwürdiges Thema vorgelegt wird. Die Autorin des Artikels lässt in ihren Zeilen spöttische Bemerkungen einfließen, behauptet wider jedem historischen Wissen, «Arisierungen seien mit dem Kriegsausbruch einhergegangen», bevor sie mir eine «gefährliche Instrumentalisierung des Schicksals der Juden für meine nostalgisch motivierte Liebe zum Gaslicht» vorwirft. Dabei wird die Autorin von Frau Dr. Röck unterstützt, welche behauptet, die «deutsch-jüdischen Vorfahren des Glühstrumpfes seien dem Krieg zum Opfer gefallen».
Ich habe eine derartige persönliche Diffamierung, einhergehend mit Verdrehungen meiner Aussagen noch nicht erlebt. Ich fühle mich in meinem Ansehen auf das Übelste geschädigt.
Bettina Grimm, Berlin