Bäume

 

 

In diesem Monat wird das «Neujahr der Bäume», Tu Bi Schwat, gefeiert und der ein oder andere mag sich daran erinnern, dass Bäume einen wichtigen Bestandteil unseres Ökosystems darstellen. Im Laufe seiner Entwicklung hat der Mensch nicht nur die Blüten, Früchte und Samen der Bäume schätzen gelernt, sondern auch entdeckt, dass das Holz vielseitig verwendbar ist. In der jüdischen Religion besitzen Bäume einen hohen Stellenwert. Die Bibel verbietet das Abholzen von Obstbäumen, da sie als Nahrungsspender für den Menschen lebensnotwendig waren. Lediglich Zierbäume durften in Notzeiten gefällt werden. In sehr sonnigen Regionen erfüllen Bäume zusätzlich die Funktion als Schattenspender. Die Bedeutung von Bäumen in der jüdischen Tradition lässt sich auch daran ablesen, dass Menschen und Orte nach Bäumen benannt sind, man denke nur an Rimon, Tamar, Eschkol.
In der Bibel und im Talmud werden verschiedene Baumarten erwähnt. Neben der Dattelpalme, dem Feigenbaum, dem Granatapfelbaum und dem Johannisbrotbaum spielt besonders der Olivenbaum eine zentrale Rolle: Er liefert nicht nur köstliche Früchte, sondern produziert auch ein feines Öl, das bei feierlichen Zeremonien zum Einsatz kam und der Verehrung Gottes oder besonders geschätzten Personen diente. Die getrockneten Äste des Olivenbaumes konnten für das Hausdach, die Baumfasern zur Herstellung von Seilen und der Stumpf als Stützbalken für das Haus verwendet werden.
In vielen Kulturen und Religionen der Welt werden dem Baum besondere Eigenschaften zugeschrieben. In der jüdischen Tradition steht er als Symbol für die göttliche Schöpfung, denn Gott hat im Garten Eden zuerst Bäume gepflanzt hat. Der Talmud führt diesen Gedanken weiter und fordert, dass jeder, der das Land Israel betritt, zunächst einen Baum pflanzen möge. Dieses Prinzip scheinen schon die frühen Zionisten wörtlich genommen zu haben, denn sie begannen mit den ersten umfangreichen Bepflanzungsmaßnahmen in Eretz Israel. Der 1901 gegründete Jüdischen Nationalfond (JNF), der zur Zionistischen Weltorganisation gehörte, übernahm schließlich die Aufgabe der Aufforstung Israels und gibt an, bereits etwa 240 Millionen Bäume in Israel gepflanzt zu haben. Doch inzwischen wurde bereits Kritik am JNF laut. Ihm wird vorgeworfen, nichteinheimische Bäume wie z.B. Pinien zu pflanzen, die dem Klima nicht angepasst und leicht entzündbar sind. Der JNF soll außerdem giftige Herbizide eingesetzt haben. Ein weiterer Kritikpunkt war die Anlage von Wäldern auf dem Gebiet ehemaliger arabischer Dörfer. Dem JNF wird vorgehalten, auf diese Art und Weise arabische Spuren zu verwischen.
In der Tora heißt es «Der Mensch ist wie der Baum des Feldes» (Deut. 20, 19). Das bedeutet einerseits, dass der Mensch von den Bäumen abhängt und andererseits spiegelt sein Umgang mit Bäumen auch den Umgang mit seinen Mitmenschen wider. Die Eigenschaften des Baumes dienen oft auch als Modell für das menschliche Verhalten: Die Kraft des Baumes ergibt sich daraus, wie gut er in der Erde verwurzelt ist. Die Wurzel des Juden ist sein Glaube und die Früchte sind seine Mizwot und guten Taten, so lautet eine Interpretation. Auf die Wurzel kommt es also an, sowohl beim Baum als auch beim Menschen.

«Jüdische Zeitung», Januar 2010