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Elektromusiker OMFO Foto: A. Schafirov
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In spezieller Mission
Elektromusiker OMFO über kyrillische Kalligraphie, Kraftwerksongs und den Kosmos
Was bedeutet es für dich, jüdisch zu sein?
Bedenkt man, dass Juden das auserwählte Volk sind, fühle ich mich stolz...
Du fühlst dich auserwählt?
Ja, ich denke ich bin auserwählt, für eine spezielle Mission auf diesem Planeten.
Für was genau?
Musik ist ein ganz spezieller Weg sich auszudrücken, ein Luxus sogar. Den Menschen dies zu zeigen - in dieser Hinsicht trifft mich die göttliche Intervention. Zurück zur Identität - ob du es willst oder nicht, das Jüdisch-Sein folgt dir. Ein einziges Mal in meinem Leben hatte ich dazu ein unangenehmes Erlebnis. Ich war noch ein Kind - als eine Frau, ohne mich zu kennen, im Vorbeigehen sagte: ‚Das Gesicht des Rinozerus auf einer Bulldogge', was implizierte, dass ich ein Bastardmischung sei. ‚Geh nach Israel', fügte sie hinzu. Zum ersten Mal war ich konfrontiert, komischerweise lachten meine Eltern, als ich Ihnen dies erzählte. Juden finden sich überall zusammen, sind ein wenig wie Zigeuner. Schließlich haben diese auch kein Rückzugsgebiet. Die Juden haben eines, doch auch erst seit der Gründung Israels 1946. Außerdem sind die Juden ziemlich clever und daher auch gefürchtet.
Du sammelst Musik aus der ganzen Welt, auch jüdische Musik?
Naja, ich komme aus Odessa, das ist wirklich die Wiege der Juden aus Osteuropa. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war es neben Czernowitz die Stadt auf dem Gebiet der heutigen Ukraine mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil. Man sagte, Odessa habe eigentlich drei Meere: ein Meer an Juden, ein Meer an Dieben und das Schwarze Meer. Nun, da liegen meine Wurzeln. Selbst Nichtjuden aus Odessa scheinen mir ein wenig jüdisch, das liegt wohl an der kontaminierenden Atmosphäre.
Du bist im Kommunismus aufgewachsen und mit dessen Zusammenbruch ernüchtert. Wie du hat eine ganze Generation eine Ideologie und Illusion verloren. An was glauben Leute danach?
Interessanterweise waren einige Väter des Kommunismus, dieser Utopie Juden. Karl Marx zum Beispiel, genauso einige der sozialistischen Revolutionäre der Oktoberrevolution. Im Vergleich zu vielen anderen Angehörigen von Minderheiten der ehemaligen Sowjetunion durchlebte ich eine ganz schöne Kindheit in Odessa. Ich besuchte die französische Schule, hatte gute jüdische Lehrer. Und das alles fand ein plötzliches Ende. Meine Intuition sagte mir: renn weg. Ich ahnte, dass die Gesellschaft sich in etwas Gewalttätiges ändern würde. Auf der Suche nach einer Zukunft bin ich noch zwei Jahre vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion ganz unabhängig von Emigrationswellen ausgewandert. Eine gewisse Neugier war der neue Glaube.
Viele Juden sind aus der ehemaligen Sowjetunion emigriert. Hat sie das glücklicher gemacht?
Schwer zu sagen. Jüdische Menschen sind ziemlich neurotisch, voller Ängste, die aus Jahrhunderte langer Verfolgung stammen. Wie ich hörte, ist es ein Riesenwunder, dass sie es schafften, bis heute zu überleben. Ob sie dabei glücklich sind... Emigration gibt auf jeden Fall keine Garantien. Was überhaupt ist das Glück, ist es Geld, Gesundheit... was ist es denn?
Dein neues Album heißt übersetzt «Wir sind die Hirten» - das lehnt an eine christliche Allegorie an...
Ja, in der Bibel heißt es wohl ‚Ich bin dein Hirte', wir meinten das aber nicht christlich. Wir sprechen im Plural und das widerspricht jeder monotheistischen Religion. Es wäre fast ein Sakrileg. Nein, Hirte - ist einfach ein archaischer, eigenbrötlerischer fast sakraler Beruf. Dem fühle ich mich verbunden.
Was haben Schäfer also mit dem Universum zu tun?
Es ging darum im Titel das archaische mit der technologischen Modernität zu verbinden, wie wir das auch in der Musik tun - Folklore und Elektromusik. Es gibt natürlich ironische Referenzen im Titel. Die Pioniere der Elektromusik, die Gruppe ‚Kraftwerk' nannte einen Song ‚Trans Europe Express', ich machte mein erstes Album zu ‚Trans Balkan Express'. ‚We are the sheperds' ist assoziiert mit dem Kraftwerksong ‚We are the Robots'. Meine Musik zielt auf Eingeweihte der Elektromusik, die verstehen diese Anspielungen. So auch meinen Titel Baghdub. Dub ist ein elektronischer Stil, der starke Echos nutzt. Bagdad ist eine Stadt des Orients, dessen Folklore ich gerne nutze.
Deine Website ziert ein arabisch aussehender Schriftzug, was bedeutet dieser?
Ich bewundere die Kultur des Nahen Ostens. Die Juden stammen aus dem Nahen Osten, einige benutzen die arabische Schrift. Vor der Gründung Israels lebte man ohnehin friedlich zusammen. Mein Logo drückt einfach meine Bewunderung für diese Kulturen aus. Es könnte irgendeine arabische, persische Kalligraphie sein, tatsächlich ist es mein Logo in verfremdeten kyrillischen Lettern. Dieses orientalische Ausschmücken des Kyrillischen ist in zentralasiatischen Staaten sehr verbreitet.
Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Als sehr natürlich und romantisch.
Das Gespräch führte Nina Körner