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Jakobs Testament

Sidra Wajechi

Vor seinem Tod teilt der Patriarch seinem Lieblingssohn Joseph einen letzten Wunsch mit, den dieser nach Jakobs Tod dem Pharao enthüllt. Vergleichen wir Jakobs eigene Worte, als er zu Joseph über seinen letzten Wunsch spricht, und Josephs Bericht an den Pharao, so variiert der Text. Die Gründe für diese Variationen sind ziemlich klar. Joseph nähert sich dem Pharao vorsichtig. Als Fremder in Ägypten wollte er die Empfindlichkeiten seines Gastlandes nicht verletzen. Jakob jedoch, der starke Gegner der Welt der Götzendiener und der ägyptischen Gräuel wollte nicht in Ägypten begraben sein und sagt es Joseph offen: «Nicht doch begrabe mich in Mitzrajim, führe mich aus Mitzrajim...» Diese Feststellungen werden von Joseph in seinem Bericht an den Pharao selbstverständlich nicht erwähnt. Folgen wir nun Jakobs Bitte und der Form des Eides, mit dem er Joseph beschwört: «Wenn ich Gnade gefunden in deinen Augen, so lege doch deine Hand unter meine Hüfte, dass du mir erweisen wolltest Liebe und Treue.»

Diese Gefühle waren natürlich nicht für Fremde bestimmt und richteten sich an Joseph privat. Deshalb ließ er sie bei seinem Gespräch mit dem Pharao aus. Andererseits verstand es Joseph, den König zu beeinflussen und ihn zu überzeugen, ihm die nötige Erlaubnis zu geben, eine so wichtige Persönlichkeit außerhalb des Landes zu bestatten, und dem Vizekönig zu erlauben, den Zug zu begleiten. Joseph ersetzte mit den folgenden Worten, das, was Jakob tatsächlich gesagt hatte: «In meinem Grabe, das ich mir gegraben im Lande Kanaan, dorthin begrabe mich.» Er bezieht sich hier auf die Höhle von Machpela, die Jakob nicht selbst gegraben hatte. Joseph aber kannte sich mit den ägyptischen Bräuchen gut aus. Ein ägyptischer Adeliger bereitete zu Lebzeiten sein eigenes Grab vor, und nur dort würde er begraben werden. Der Pharao würde deshalb Josephs Bitte verstehen. Es ist daher klar, dass Josephs Varianten, Auslassungen und Einfügungen nicht zufällig sind. Ein weiterer untersuchenswerter Punkt ist die Konversation zwischen Jakob und Joseph bezüglich des Eides. Jakob eröffnet mit der Bitte, Joseph möge schwören, dass er diesen letzten Wunsch erfüllen werde:«Wenn ich Gnade gefunden in deinen Augen, so lege doch deine Hand unter meine Hüfte, dass du mir erweisen wolltest Liebe und Treue.»

Joseph hatte der Bitte seines Vaters nicht unmittelbar zugestimmt, indem er den Eid leistete, sondern auf allgemeine Weise geantwortet. «Und er sprach: Ich werde tun nach deinem Worte. Unsere Kommentatoren waren überrascht, dass Joseph nicht sofort den Eid leistete, wie es sein Vater erbat, sondern erst, nachdem er ein zweites Mal gedrängt wurde. «Und er sprach: Schwöre mir! Und er schwur ihm.» Sein Verhalten ist vergleichbar mit dem von Abrahams Diener, der von seinem Herrn auf ähnliche Weise gebeten wurde, zu schwören, was er bereitwillig tat. «Da sprach Abraham zu seinem Knechte, dem ältesten seines Hauses, der schaltete über alles, was war: Lege doch deine Hand unter meine Hüfte, und ich werde dich schwören lassen beim Ewigen, Gott des Himmels und Gott der Erde...» Der Diener kommt der Bitte seines Herrn nach: «Da legte der Knecht seine Hand unter die Hüfte Abrahams, seines Herrn, und schwur ihm auf diese Sache.»Der Midrasch erklärt passend den Unterschied zwischen Josephs Verhalten und dem von Abrahams Knecht:«Rabbi Isaak sagte: Der Diener handelte servil und der freie Mann als freier Mann. Der Diener handelte servil wie es heißt: Da legte der Knecht seine Hand... Während der Freie als Freier handelte: Und er sprach: Ich werde tun nach deinem Worte.» (Bereschit Rabbah 96) Der Malbim unterscheidet ähnlich. Joseph, erklärt er, antwortete seinem Vater, es sei besser für ihn nicht zu schwören, sondern den Wunsch als Teil der Sohnespflichten auszuführen. Es war besser für ihn, aus seinem freien Willen zu handeln, als an einen Eid gebunden zu sein, denn in diesem Fall konnte er seine Verpflichtungen nicht freiwillig erfüllen. Diese Erklärung mag uns helfen, die biblische und rabbinische Missbilligung von Eiden zu verstehen. Der Mensch soll frei handeln und nicht an äußere, künstliche Bande gebunden sein. Trotzdem bestand Jakob darauf, dass Joseph den Eid leistete: «Und er sprach: Schwöre mir.» Der Grund dafür ist ziemlich klar: Die Einleitung «Mein Vater hat mich schwören lassen», würde Josephs Bitte in den Augen des Pharao mehr Kraft verleihen. Die Antwort des Pharao zeigt di Wirkung, die Josephs Worte auf ihn ausübten: «Ziehe hinauf und begrabe deinen Vater, so wie er dich hat schwören lassen.»


 

Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe?

Sidra Schemot

Fünf Mal weist Moses die Mission, die ihm beim brennenden Dornbusch auferlegt wurde, zurück. Fünf Mal präsentiert er seine Argumente, nur um jedes Mal vom Allmächtigen überstimmt zu werden. Sehen wir uns kurz diese fünf Runden an: «Und Moses sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe? Und dass ich die Kinder Israel aus Mitzrajim führen soll?» (3:11) «Und Moses sprach zu Gott: Siehe, ich käme zu den Kindern Israel und spräche zu ihnen: Der Gott eurer Väter sendet mich zu euch, und sie sprächen zu mir: Welches ist sein Name? Was soll ich ihnen sagen?» (3,13) «Und Moses antwortete und sprach: Aber siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht hören auf meine Stimme, denn sie werden sprechen: Der Ewige ist dir nicht erschienen.» (4,1) «Und Moses sprach zum Ewigen: Bitte, Herr, ich bin kein Mann von Reden, weder seit gestern, noch seit vorgestern, noch seitdem du redest zu deinem Knechte, denn schwer von Mund und schwer von Zunge bin ich. » (4,10) «Und er sprach: Bitte, Herr, sende, doch wen du sonst senden magst!» (4,13)

Es ist beachtenswert, dass Moses seine Verteidigung in jeder Antwort ändert, als ob er jedes Mal in einer neuen Entschuldigung Zuflucht suchte. Die beiden ersten Antworten basieren auf persönlichen Unzulänglichkeiten, was vor allem in der zweiten Antwort offensichtlich ist: «Was soll ich ihnen sagen?» Bei der dritten Gelegenheit versteckt er sich hinter dem Volk. Die Einleitung «Und Moses antwortete und sprach» zeigt, dass er sich eine neue Verteidigungsstrategie zu Recht gelegt hat. Nachdem auch dieses Argument durch die göttliche Antwort ausgeräumt wurde, bezieht sich Moses in seinem vierten Vorwand auf sich selbst und seine spezifische (körperliche oder spirituelle) Unfähigkeit. Unsere Weisen entdeckten in der Formulierung dieses Verses, in den vielen Einwendungen die Kraft von Moses' Zögern und die Intensität seiner Zweifel. «Und Moses sprach zum Ewigen, ...So wandte sich Moses an den Ewigen, gepriesen sei Er. Du bist der Herr der Welt. Willst Du, dass ich Dein Gesandter bin? Siehe, ich bin kein Mann von Reden.» Die Weisen stellten fest: Sieben Tage lang hatte der Ewige, gepriesen sei sein Name, versucht, Moses zu überreden, diese Mission anzunehmen und er wollte nicht gehen, bis zur Episode mit dem Dornbusch. Darauf bezieht sich der Text, da es heißt: ‚Ich bin kein Mann von Reden' - einen Tag - gestern - zwei, sogar drei - vorgestern - vier, sogar fünf - seit - sechs - seitdem Du redest - sieben.» (Shemot Rabbah) Nachdem Gott sogar dieses Argument ausgeräumt hat, kam die fünfte Ausflucht, die sich von den vorhergegangenen erheblich unterscheidet: «Sende doch, wen du sonst senden magst!»

Alle seine Argumente wurden widerlegt und Moses blieb verwirrt und leer zurück. Sehen wir uns die erste Ablehnung näher an. Diese Botschaft empfing Moses am brennenden Dornbusch: «Und nun, komme, dass ich dich sende zu Pharao, und führe mein Volk, die Kinder Israels, aus Mitzrajim.» Da beide Hälften des Verses eine Aufforderung ausdrücken, sollen wir schließen, dass es zwei genaue Botschaften gibt. Der Vers lautet nicht: «Komm, ich sende dich, um mein Volk herauszuführen (le-hozi)», sondern: «Und nun, komme, dass ich dich zu Pharao sende, und führe (we-hozi)...» Auch Raschi versteht diese Passage so: «Komme, dass ich dich zu Pharao sende. Und wenn du fragst, warum: ‚und führe mein Volk, die Kinder Israels, aus Mitzrajim.' Deine Worte werden ihren Exodus zur Folge haben.» Daher steht in der ersten Hälfte nur die Aufforderung, die Mission auszuführen und nicht mehr. Die zweite Hälfte beinhaltet den Zweck der Mission und das Versprechen ihres Erfolges. Um dies auszugleichen, haben wir Moses' erste Ablehnung, die ebenso aus zwei Teilen besteht: «Und wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe? Und dass ich die Kinder Israels aus Mitzrajim führen soll?» Unsere Kommentatoren widersprechen einander bei der Interpretation dieses Frage- und Antwortspiels.

Es gibt eine Goldene Regel der Interpretation: das Einzelne kann nur mit den Begriffen des allgemeinen Kontextes erklärt werden. Stehen wir also mit Moses vor dem Brennenden Dornbusch, der sich niemals verzehrt, beobachten wir, wie er sein Gesicht verbirgt, «denn er scheute sich, zu Gott aufzuschauen.» Nun, in diesem höchst feierlichen Moment bringt Moses, nach Ansicht des Rashbam, weise und kalkulierte Betrachtungen vor: die gegenwärtige politische Konstellation sei für eine derartige Kampagne nicht geeignet, die Militärjunta, die in Ägypten regiere, sei nicht bereit, über den Auszug eines Volkes zu verhandeln, man dürfe den Feind nicht unterschätzen und ihn als Narr betrachten ...etc. Führt uns der Rashbam durch die Interpretation von Moses' Worten weg vom Dornbusch in die Tatsachen orientierte Atmosphäre eines Beratungszimmers im militärischen Hauptquartier? Belegt der Text nicht etwas anderes? «Als der Ewige sah, dass er herzutrat, um anzusehen, da rief ihm Gott aus dem Dornbusche zu und sprach: Moscheh! Moscheh!, und er sprach: Hier bin ich! Und er sprach: Nahe nicht hierher! Ziehe deine Schuhe von deinen Füssen, denn der Ort, auf dem du stehest, ist ein heiliger Boden. Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Jitzchaks und der Gott Jakobs! Da verhüllte Moscheh sein Antlitz, denn er scheute sich, zu Gott aufzuschauen. Und der Ewige sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes, das in Mitzrajim...» (Schemot 3,:4-7) Vor einem solchen Hintergrund hätte Moses geantwortet: «Ist denn der Pharao ein Narr, dass er auf mir folgt und seine Sklaven gehen lässt?» Hätte er in der Präsenz des Brennenden Dornbusches, der sich nicht verzehrte, Zweifel politisch-diplomatischer Natur ausgedrückt? Um wie viel passender klingen die Worte Raschis, des Königs der Kommentatoren, als jene des Rashbam? Raschi betrachtet Moses' Worte als die einzig mögliche Reaktion auf die Umstände. In den ersten Augenblicken der Offenbarung, in der Atmosphäre der Gegenwart Gottes, prallt er vor der Transzendenz des Ewigen zurück und fühlt die Nichtigkeit des Menschen. Staub und Asche, menschliche Schwachheit und Zerbrechlichkeit. Was sind wir? Was ist unser Leben? Was unsere Gerechtigkeit? Er sollte uns seine Gnade zuteil werden lassen? Es scheint, als sei dies der Sinn des Textes. Dazu passt auch die Antwort des Ewigen, der die Unwürdigkeit und Bedeutungslosigkeit des Empfängers der Botschaft nicht verneint, sondern mit der Versicherung antwortet: «Denn ich werde mit dir sein.» Raschi versteht diesen Satz im Sinn von «Es ist nicht dein Verdienst, sondern meine Gabe.»

Raschi kommentiert: «Ich habe etwas Wichtiges, das mit dem Herausführen verbunden ist: Sie sind dazu ausersehen, auf diesem Berg die Tora zu empfangen, drei Monate nach dem Exodus.» Kein Privileg erwartet sie, sondern eine Verantwortung. Nicht so sehr eine Belohnung für Wohlverhalten in der Vergangenheit, sondern ein Präludium ihres zukünftigen Schicksals. Diese Befreiung aus der Knechtschaft, dieses Hinausführen hatte einen Zweck, ein Ziel und nicht so sehr eine motivierende Ursache. Der Exodus aus Ägypten, die Befreiung von einem fremden Joch, Unabhängigkeit, Freiheit haben kein Ende in sich selbst. Die Rückkehr ins Heimatland, die Transformation von Abhängigkeit zu Souveränität, Sklaverei zu Freiheit sind nur Mittel, um das Ziel zu erreichen: Gottesdienst («werdet ihr Gott dienen»). Mit anderen Worten: der Ewige befreite Israel nicht von der Bürde der Verfolgung, um es von jeglicher Verantwortung zu befreien. Er wollte, dass sie frei werden, um ein anderes Joch auf sich zu nehmen: das Königreich des Himmels, die Tora und die Mitzwot.


Kann ein Wunder überzeugen?

Sidra Wa'era

«So Pharao zu euch redet und spricht: Tuet ein Wunder! so sprich zu Aharon: Nimm deinen Stab und wirf ihn hin vor Pharao! er wird zur Schlange werden.» (Schemot 7:9) Diese Instruktion erhält Moses, bevor er zum zweiten Mal zu Pharao geht. Beim ersten Mal war ihre Audienz mit ihm von keinem Zeichen oder Wunder begleitet. Sie kamen im Namen des Gottes Israel zu Pharao und präsentierten ihre Bitte: «Entlasse mein Volk!» Angesichts von Pharaos blasphemischer Antwort «Ich kenne nicht den Ewigen und auch werd' ich Israel nicht entlassen», hatten sie keine Antwort. Der Pharao reagierte, indem er die Knechtschaft intensivierte. Bei dieser Gelegenheit jedoch erschienen die beiden Boten Gottes abermals, diesmal jedoch begleitet von einem Wunder.

Aber sie wurden gewarnt, Gottes Macht nicht zu manifestieren und das Wunder nicht auszuführen, bevor der Pharao solche Beweise forderte. Alschich betonte, dass Gott gesagt hatte: «Tue das Wunder nicht freiwillig, da man glauben wird, du habest eine solche Zauberei vorbereitet, sondern warte, bis der Pharao sagt: ‚Tue ein Wunder'.» Aber Abravanel fragt: «Warum sollte sie der Pharao um all dies fragen? Sicherlich hatte er weder den Wunsch, ihre Botschaft zu hören noch ihre Wunder zu sehen, wie er ihnen bei der ersten Audienz mitteilte. Wie konnte Gott dann sagen, dass sie der Pharao um ein Wunder fragen würde, als ob es sein Wunsch wäre? » Es gibt hier sogar eine noch ernstere Schwierigkeit. Achas, der König von Juda, verschmähte das Angebot des Propheten Jesaja, das Versprechen Gottes durch ein Zeichen zu bestärken. So erklärt der Midrasch die Ablehnung: «Jesaja sagte zu ihm: ‚Erbitte dir ein Zeichen vom Ewigen, deinem Gott, aus der Tiefe der Sche'ol oder hoch oben aus der Höhe', das heißt, dass Elias vom Himmel herabsteigen solle. Er antwortete ihm: ‚Ich weiß, er hat die Macht, dies zu tun, aber ich will den Namen des Himmels nicht durch mich heiligen, wie es heißt: ‚Ich will keins erbitten und den Ewigen nicht versuchen'.» (Tanhuma Jaschan, Wajeze 92)

Wenn dies die Haltung des Königs von Juda, Achas, war, um wie viel mehr hätte der Pharao abgelehnt. Würde er es wünschen, den Namen des Himmels zu heiligen, die Macht zu demonstrieren durch Zeichen und Wunder, vor all seinen Weisen und Zauberern?

Es ist vernünftig, die Ansicht zu akzeptieren, der Pharao sei sicher gewesen, diese beiden alten Männer ausländischer Herkunft wären nicht imstande, ein Wunder zu produzieren. Und genau deswegen würde er eines fordern. Erinnern wir uns, was zwischen der ersten und zweiten Audienz geschah (Vers 1-4): Verschlimmerung der Knechtschaft, was die Vertreter der Kinder Israels, die ihre Brüder im Elend sahen, veranlasste, zum Pharao zu laufen, um für sich und ihre Brüder zu intervenieren. Als ihre Bemühungen keinen Erfolg hatten, wandten sie sich an Moses und Aaron und betrachteten diese - und nicht den Pharao - als Quelle ihrer Schwierigkeiten. Sie hätten den Pharao erzürnt, das Ansehen des Volkes vermindert und die Verschlimmerung der Leiden verursacht. Der Pharao hatte sein Ziel erreicht. Die Steigerung der Verfolgungen intensivierte nicht den Hass auf ihn, sondern erweckte in den Massen ein Misstrauen gegen die Führer und sogar Animositäten ihnen gegenüber. Was noch blieb, war, beide in der Öffentlichkeit zu entehren und ihre Unfähigkeit zu zeigen. Dann würden sie allein dastehen, angeprangert nicht nur von den Weisen und Zauberern, sondern sogar vom eigenen Volk. Daher würde der Pharao sagen: «Tut ein Wunder für euch» (nicht, wie er sonst zu sagen pflegte: «Tut mir ein Wunder.»), da er kein Wunder brauchte.

Da das Wunder nicht nur dazu gedacht war, den Pharao aufzureiben, sondern auch, um die Mission der Emissäre glaubhaft zu machen, wurde dem Pharao nicht dasselbe Wunder gewährt wie Israel. Moses gab den Israeliten ein besonderes Zeichen: «Wirf ihn auf die Erde! Und er warf ihn auf die Erde, und er ward zur Schlange.» («Nachasch»: «Schlange») Und dies ist das Zeichen für den Pharao: «Und Aharon warf den Stab hin vor Pharao und vor seinen Knechten, und er ward zur Schlange.» («Tanin»: «Krokodil») Was Gott befohlen hatte, wurde ausgeführt. Wie es immer wieder der Fall ist, verzichtet die Tora auf unnötige und mühevolle Wiederholungen. Die Forderung des Pharao «Tuet ein Wunder» wird ausgelassen, und die gesamte Aktion wird in einem einzigen Vers zusammengepresst. Damit beobachten wir, dass die Ausführung des Wunders, sogar mit dem Symbolismus der Zerstörung Ägyptens, auf den Pharao keinen Eindruck machte. Warum? Der Midrasch gibt uns eine Antwort und erklärt, wie der Pharao die Logik des Wunders vermied und eine bequeme Rationalisierung erfand, die den Schrecken und jeglichen Einfluss des Zeichens unterdrückte. Und wir lernen hier, dass nur ein psychologisch Vorbereiteter durch ein Wunder beeindruckt und überzeugt werden kann. Sogar Elijah, der sich in seinem Eifer für den Ewigen auf dieser Überzeugungsmethode bediente, wusste, wie wichtig dieser Einfluss war. Erkannte der Pharao nicht die Bedeutungslosigkeit der ägyptischen Magie? Nicht dies erschütterte den Pharao, als er sagte: «Ich kenne nicht den Ewigen» Wann wurde sein Eigensinn erschüttert? Z


«Jüdische Zeitung», Januar 2007