Oktober 2009

 

4. Oktober 1976

Alica Silverstone

Alica Silverstone. Foto: Reuters

Die Schauspielerin Alicia Silverstone wurde als drittes Kind des britischen Ehepaares Monty und Didi Silverstone in San Francisco, Kalifornien, geboren. Sie wuchs nach eigener Aussage« in einem traditionellen jüdischen Haushalt» auf. Ihr jüdischer Vater, ein Immobilienhändler, wuchs im Londoner East End auf, ihre Mutter, eine ehemalige Stewardess, stammt aus Schottland und ist zum Judentum konvertiert. Ihre Karriere vor der Kamera startete Silverstone bereits mit sechs Jahren - als Modell. Unter anderem trat sie als Kinderdarsteller in Pizza-Werbung auf. Mit 12 Jahren begann sie, Schauspielunterricht zu nehmen und wurde mit 15 als das «dream girl» Jessica in eine Episode der US-Serie «Wunderbare Jahre» gecastet. Die Rolle sollte ihr in der Folgezeit regelmäßig Auftritte im US-Fernsehen bescheren. 1993 begann Silverstone mit den Dreharbeiten für ihren ersten Kinofilm: «Das Biest». Darin spielte sie einen von einem älteren Mann besessenen Teenager. Da Silverstone zu Beginn der Dreharbeiten für den Film noch nicht 16 Jahre alt war, beantragte sie die Volljährigkeit, um so die Auflagen für Kinderarbeit zu umgehen. Der Film entpuppte sich als Publikumshit. Silverstone erhielt für ihre Rolle 1994 zwei MTV Movie Awards in den Kategorien «Bester Bösewicht» und «Beste Newcomer-Rolle». Nicht nur das Kinopublikum war von ihrer Darstellung entzückt. Die US-Rockband Aerosmith engagierte sie für drei Musikvideos, darunter das Video zu der berühmten Ballade «Cryin'», das drei MTV Music Awards gewann. Mit der 1995 produzierten Teeniekomödie «Clueless - Was sonst!» sollte ihr der weltweite Durchbruch als Schauspielerin gelingen. Darin mimt sie die Rolle des amerikanisch jüdischen Teenagers Cher Horowitz, die ihre Klassenlehrer verkuppelt. Der Film war ein so großer kommerzieller Erfolg, dass die Produzenten daraus eine Fernsehserie mit dem Titel «Clueless - Die Chaos-Clique» entwickelten, in der jedoch Silverstone durch eine andere Hauptdarstellerin ersetzt wurde. Silverstone unterschrieb stattdessen bei der Produktionsfirma Columbia-TriStar; ein Engagement, das ihr 10 Millionen Dollar einbringen sollte. Mit dem Geld gründete sie ihre eigene Produktionsfirma, First Kiss Productions. Die von ihr 1997 produzierte Komödie «Ärger im Gepäck» spielte 15 Millionen Dollar ein. Der 1997 gedrehte Film «Batman & Robin», in dem sie das Batgirl spielt, war Silverstones erster künstlerischer Rückschlag. Die Produktion wurde von den Kritikern zerrissen, Silverstone bekam für ihre Darstellung die «Goldene Himbeere» als schlechteste Nebendarstellerin. Nachdem sie sich für mehrere Jahre aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, spielte Silverstone die Hauptrolle in der Fernsehserie «Kate Fox und die Liebe», die 2003 aufgrund mangelnder Quoten bereits nach der ersten Staffel wieder abgesetzt wurde. Ihre schwindende Popularität nutzte Silverstone für andere, gemeinnützige Zwecke. Die Vegetarierin ist seit Jahren für verschiedene Tierschutzorganisationen, darunter People for the Ethical Treatment of Animals (PETA), aktiv. In einem 2007 für die PETA gedrehten Fernsehspot, indem sie für fleischfreies Leben warb, trat sie völlig nackt vor die Kamera. Auf der Leinwand wird Silverstone wieder 2010 zu sehen sein. Dann soll der Film «Elektra Luxx», in dem sie eine Nebenrolle spielt, weltweit in die Kinos kommen.

 

24. Oktober 1966

Roman Abramowitsch

Roman Abramowitsch. Foto: Reuters

Für die russische Öffentlichkeit wurde er 1998 geboren, als «Kassenwart» von Präsident Boris Jelzin. Der westlichen Hemisphäre wurde er am 1. Juli 2003 ein Begriff, an dem Tag, als er für 210 Millionen Euro den bis dato maroden englischen Fußballverein FC Chelsea London kaufte. Der Unternehmer und Milliardär Roman Arkadjewitsch Abramowitsch war für lange Jahre ein Phantom: Einer der reichsten Männer Russlands, mit guten Kontakten zur Regierung, von dem noch bis 1999 die Medien kein Bild besaßen.

 

Geboren wurde Abramowitsch in der südwestrussischen Stadt Saratow. Seine jüdischen Eltern verstarben früh und so wurde er mit zweieinhalb Jahren zum Waisen. Über seine Zeit als Kind und Jugendlicher ist so gut wie nichts bekannt. Erst von der Einberufung in eine Artillerieeinheit des sowjetischen Militärs, mit 18 Jahren, existieren wieder Dokumente. Nach dem Armeedienst heiratete Abramowitsch Olga Lyssowa. Die Ehe sollte nur zwei Jahre halten. 1992 bekam er mit seiner zweiten Ehefrau Irina Malandina, mit der seit 2007 geschieden lebt, sein erstes von insgesamt fünf Kindern. Sein erstes Geld verdiente er, zur Zeit des Turbokapitalismus des postsowjetischen Russlands der 1990er Jahre, als Geschäftsmann. Er soll zu der Zeit 20 Firmen gegründet haben, eine stellte unter anderem Gummienten her. Über die Handelsfirma Runicom wickelte er größere Ölgeschäfte ab, vor allem mit der größten russischen Raffinerie im sibirischen Omsk. Als glückliche Fügung und Wendepunkt in seinem Leben bezeichnet er selbst die Begegnung mit dem russischen Tycoon Boris Beresowski. Dieser wurde zu Abramowitschs Mentor. Der unternehmerische Durchbruch gelang ihm mit dem Kauf des Ölkonzerns Sibneft, den er zusammen mit Beresowski und anderen Partnern in einem umstrittenen Deal für weniger als 200 Millionen Dollar erwarb. Ende 2003 wurde der Firmenwert von Sibneft auf 15 Milliarden Dollar geschätzt. Nach und nach baute Abramowitsch ein Firmenimperium auf. Mit dem Anstieg seines Vermögens gewann er an Einfluss in der russischen Politik. Abramowitsch war aktives und hochrangiges Mitglied der für die Machtübernahme Wladimir Putins gegründeten «Jedinstwo»-Partei. Er galt zeitlang als wichtigster Oligarch im System von Staatspräsident Putin. Im Dezember 2000 wurde Abramowitsch zum Gouverneur der sibirischen Region Tschukotka gewählt. Von diesem Posten trat er im Juli 2008 auf eigenen Wunsch hin zurück. Abramowitsch verbindet seine Leidenschaft für teure Hobbies immer wieder mit unternehmerischen Projekten. Seine Baufirma Infrastruktura soll Aufträge in Milliardenhöhe für den Bau von Objekten für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Schwarzmeerbadeort Sotschi erhalten haben. In den Londoner Fußballklub Chelsea investierte er mehrere hundert Millionen Euro. Außerdem soll er im Besitz von drei Luxusyachten sein, darunter der größten der Welt, und einer erlesenen Sammlung von Gemälden. 2005 veräußerte Abramowitsch viele seiner Aktienpakete, darunter auch die des Sibneft-Konzerns und der russischen Fluggesellschaft Aeroflot. Den Erlös investierte er in die Stahlindustrie. Im Zuge der Weltfinanzkrise soll Abramowitsch rund 20 Milliarden Dollar seines Vermögens verloren haben.

 

14. Oktober 1906

Hannah Arendt

Hannah Arendt. Foto: Archiv

«Zweifellos ist die Fähigkeit zu handeln die gefährlichste aller menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten.» Die Philosophin, Publizistin und Journalistin Hannah Arendt hat es sich und ihren Mitmenschen nie leicht gemacht, nie konformistische Antworten auf die großen Fragen ihrer Generation gegeben. Auf mehreren Gebieten beeinflusst Arendts Denken bis heute die gesellschaftspolitischen Debatten. Sie war als Journalistin und Hochschullehrerin tätig, setzte sich theoretisch mit den Werken von Sokrates, Platon, Aristoteles, Immanuel Kant, Martin Heidegger und Karl Jaspers auseinander. Die Bezeichnung «Philosophin» lehnte sie in ihren späten Jahren jedoch ab; für die Themen ihrer Publikationen bevorzugte sie die Bezeichnung «Politische Theorie».

 

Antrieb von Arendts Arbeit war dabei immer die persönliche Biographie. Geboren wird sie mit dem Vornamen Johanna in Linden, einem heutigen Stadtteil Hannovers. Mit drei Jahren verlässt die Familie, der Vater ist schwer erkrankt, die Geburtsstadt und zieht zu den Verwandten nach Königsberg. Dort wächst Arendt im sozialdemokratisch gesinnten, jüdisch-säkularen Haus ihres Großvaters auf. Der Vater stirbt früh. Ab 1924 studiert Arendt in Heidelberg Philosophie, Theologie und Klassische Philosophie. Im ersten Universitätsjahr geht Arendt eine heimliche Liebesbeziehung zu ihrem Professor, dem Philosophen und NS-Sympathisanten Martin Heidegger, ein. Die Liaison soll später Gegenstand vieler populärer und wissenschaftlicher Untersuchungen werden. Arendt flüchtet nach nur einem Jahr vor ihrer unerfüllten Liebe aus Heidelberg nach Berlin, geht eine kurze, unerfüllte Ehe mit dem Philosophen Günter Stern ein. In dieser Zeit beginnt sie mit ihren Forschungen zur deutschen Romantik. Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Arendt 1933 wegen «illegaler Tätigkeit» für die «Zionistische Vereinigung für Deutschland» kurzzeitig in Haft genommen. Der Staatsterror zwingt sie, Deutschland zu verlassen. Arendt flieht über Karlsbad und Genf nach Paris, wo sie in verschiedenen jüdischen Organisationen mitarbeitet. In Paris beendet sie auch ihre Arbeiten am Buch «Rahel Varnhagen - Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik», das erst 1959 erscheinen sollte. Mit ihrem neuen Ehemann, dem Philosophiedozenten Heinrich Blücher und ihrer Mutter gelingt ihr 1941 die Flucht aus dem besetzten Frankreich in die USA, wo sie zunächst als Kolumnistin der deutschjüdischen Wochenzeitung «Aufbau» bekannt wird. In den USA ist Arendt Mitglied verschiedener jüdischer Vereinigungen und hat mehrere Professuren inne. 1951 erhält Arendt die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im gleichen Jahr erscheint ihr Hauptwerk «Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft». Neben den Entstehungsbedingungen von nationalstaatlichem Totalitarismus im 19. Jahrhundert in Verbindung mit dem Antisemitismus untersucht sie darin auch die strukturelle Gleichheit von Faschismus und Stalinismus. Für Aufsehen sorgt sie noch einmal durch ihr 1961 verfasstes Buch «Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht über die Banalität des Bösen». Darin bezeichnet sie die Rolle der «Judenräte» während der Schoa  als «zu kooperativ» mit den Nationalsozialisten. Am 4. Dezember 1975 stirbt Hannah Arendt im Alter von 69 Jahren in New York. Ihr geistiges Erbe lebt heute weltweit in zahlreichen Institutionen und Publikationen weiter. So wurde beispielsweise 1993 in Dresden das «Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung» gegründet.

 

29. Oktober 1923

Carl Djerassi

Carl Djerassi. Foto: Reuters

In seiner Autobiographie nennt sich der österreichisch-amerikanische Wissenschaftler und Autor Carl Djerassi selbst «Mutter der Pille». Seine Entdeckung, das oral verabreichte Verhütungsmittel, veränderte die Welt - und wurde zum Symbol der sexuellen Freiheitsbewegung der 1960er und 1970er Jahre. In den letzten Jahrzehnten machte er sich vor allem als Autor von Lyrik, Romanen und Theaterstücken einen Namen. Seine wissenschaftliche Karriere verdankt er, so sagte Djerassi einmal, der erzwungenen Emigration in die USA, seine Leidenschaft für die Künste sei aber während seiner Kindheit und Jugend in Wien geweckt worden. Djerassi kommt 1923 in der österreichischen Hauptstadt als einziger Sohn eines assimilierten jüdischen Ärzteehepaares zur Welt. Die ersten fünf Lebensjahre verbringt er in Sofia, der Heimat seines Vaters. Die Mutter, eine Wienerin, und der Vater lassen sich früh scheiden, halten diesen Umstand aber vor Carl geheim und leben ein bürgerliches, Kunst beflissenes Leben. Im Zuge des «Anschlusses» Österreichs an NS-Deutschland im Frühjahr 1938 und wegen des wütenden Antisemitismus' heiraten die Eltern im gleichen Jahr erneut. So erlangen Carl und die Mutter bulgarische Pässe, reisen nach Sofia aus, wo Carl ein amerikanisches Internat besucht. 1939 verlassen Mutter und Sohn Europa in Richtung USA. Dort bittet der mittlerweile sechzehnjährige Carl in einem genauso ehrgeizigen wie kühnen Brief Eleanor Roosevelt, die Frau des damaligen US-Präsidenten, ihm bei der Vergabe eines Stipendienplatzes an einem College zu helfen. Tatsächlich erhält Djerassi die Chance: er schließt seine Schulausbildung in Missouri ab und studiert später Chemie an der Universität of Wisconsin. Es ist der Beginn einer steilen Wissenschaftskarriere. 1951 gelingt Djerassi in Zusammenarbeit mit Chemikerkollegen der US-Firma Syntax in Mexiko-Stadt die künstliche Herstellung des Sexualhormons Norethisteron. Dieses Hormonpräparat etabliert sich wenig später als zentraler Bestandteil zahlreicher oraler Verhütungsmittel und erlebt einen weltweiten Siegeszug. Die «Pille» macht Djerassi zu einem reichen Mann. 1960 kommt sie auf den amerikanischen Markt, ein Jahr später wird sie in der Bundesrepublik zugelassen. Djerassi gelingt in dieser Zeit auch die synthetische Herstellung von Cortison. Er lehrt in der Folgezeit Chemie an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten, veröffentlicht über 1.200 wissenschaftliche Texte. Seit Mitte der 1980er Jahre widmet sich Djerassi vornehmlich seiner zweiten Leidenschaft. Djerassi wird Kunstförderer und -sammler. Seine umfangreiche Sammlung der Werke Paul Klees ist im San Francisco Museum of Modern Arts ausgestellt. Ab den 1980er Jahren macht er sich einen Namen als Erfinder der literarischen Gattung «Science-in-Fiction». Djerassi thematisiert darin ethische Fragen der Wissenschaft und menschlichen Abgründe von Wissenschaftlern. Das Genre ist besonders bei jüngeren Lesern sehr beliebt. In seinem bisher letzten, 2008 auf deutsch erschienenen Buch, «Vier Juden auf dem Parnass - Ein Gespräch» wagt er das fiktive Experiment und holt mit Walter Benjamin, Theodor Adorno, Arnold Schönberg und Gerschom Scholem vier der bedeutendsten jüdischen Intellektuellen zusammen, um sie aus jüdischer Sicht über das Weltgeschehen diskutieren zulassen.

 

16. Oktober 1893

Harry Donenfeld

"Superman": einer von Donenfelds Superhelden.

Ohne Donenfeld würde es die Welt nicht mehr geben - zumindest nicht die Comicwelt, die immer wieder von Superhelden gerettet wurde. In die Zeit des amerikanisch-jüdischen Verlegers und Herausgebers Harry Donenfeld fällt die Blütezeit der Comichefte der 1930er und 1940er Jahre. Donenfeld bewies mit dem neuen Format, das besonders während des Zweiten Weltkriegs eifrige Leser fand, unternehmerisches Gespür und baute ein Verlagsimperium auf. Über Donenfelds erste Lebensjahre ist nicht viel bekannt, nur soviel, dass er in Rumänien als Sohn eines jüdischen Ehepaares zur Welt kam. Mit fünf Jahren wanderte die Familie mit einer der großen osteuropäischen Migrationswellen des späten 19. Jahrhunderts in die USA aus, lebte zunächst im New Yorker Stadtteil Manhattan. Donenfelds ältere Brüder stiegen früh ins gerade stark boomende US-amerikanische Printgewerbe ein. Donenfeld führte dagegen in seinen jungen Erwachsenenjahren ein unbeständiges Leben, verdiente sein Geld als Schwarzmarkthändler. 1918 eröffnete er zusammen mit seiner Frau Gussie Weinstein ein Bekleidungsgeschäft, das jedoch bereits drei Jahre später bankrott ging. Auf der Suche nach Arbeit landete Donenfeld schließlich in der Druckerei Martin Press, die sich im Besitz seiner Brüder befand. Die Martin Press kam 1923 mit dem Großverlag Hearst Corporation ins Geschäft, der unter anderem das für seinen damals investigativen Journalismus bekannte Magazin «Cosmopolitan» herausgab. Nach dem Deal gelang es Donenfeld, die Martin Press - die er sofort in Donny Press umtaufte - zu übernehmen. 1929 bat ihn ein ehemaliger Geschäftspartner, dessen Sohn Jack Liebowitz eine Anstellung zu geben. Liebowitz sollte von da an für die Finanzen des Unternehmens zuständig sein. Donenfeld, der Verkäufer, und Liebowitz, der Finanzfachmann, sollten zum Geschäftsteam werden, das den amerikanischen Zeitungsmarkt revolutionierte.1932 gründeten die beiden die Independent News Company und wurden so auch Verleger und Herausgeber. Im Zusammenschluss mit dem Verleger Malcolm Wheeler-Nicholson gründete Donenfeld 1937 den Comicverlag Detective Comics, Inc., heute unter der Kurzform «DC-Comics» bekannt. Als Wheeler-Nicholson ein Jahr später aus finanziellen Gründen gezwungen war, den Verlag zu verlassen, kaufte Donenfeld auch dessen Verlag National Allied Publications. Die Ära der Superhelden sollte beginnen. Ab 1938 veröffentlichte Donenfeld in den «Action Comics» zum ersten Mal Geschichten von «Superman», einer US-amerikanischen Abwandlung des jüdischen Golem. Die Figur sollte zum meist gelesenen Comic-Superhelden aller Zeiten werden. Und sie sollte Donenfeld beträchtlichen unternehmerischen Gewinn bescheren. Allein in den Jahren 1940/41 brachte die Figur «Superman» Donenfelds Verlag 1,5 Millionen Dollar ein. Die Rechte an Superman und den ersten dreizehn Seiten des Comics hatte er für 130 Dollar den Teenagern Jerry Siegel und Joe Shuster abgekauft. Donenfelds Superman-Comics wurden in der Folge so beliebt, dass bald weitere Helden folgten: Batman, Wonder Woman, Flash, Green und das erste Superheldenteam Justice Society of America. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verloren die US-amerikanischen Leser das Interesse an den Superhelden, nur die bekanntesten wie Batman oder Superman überlebten. Harry Donenfeld starb 1965 nach langer Krankheit. Sein 1926 geborener Sohn Irwin Donenfeld arbeitete noch bis 1967 im Verlag des Vaters und war mitverantwortlich für den späteren Zusammenschluss mit Warner Bros.

 

von Stefan Daniel

«Jüdische Zeitung», Oktober 2009