Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() (K)eine Synagoge für PotsdamNichts mehr von "jüdischer Gemeinschaft" in Potsdam: Die Geister scheiden sich an der Planung für das Gotteshaus
Ein Abend unter dem Motto «Judentum in Potsdam - wohin? Synagogenbau - warum?» sollte eigentlich Aufklärung in eine verfahrene Situation bringen: Der Streit um den Neubau der Synagoge in der brandenburgischen Landeshauptstadt geht in immer neue Runden. Doch spielt sich der Diskurs nicht etwa innerjüdisch ab, sondern vor den Augen der nichtjüdischen und immer verständnisloser reagierenden Potsdamer, «die sich verwirrt fühlen», wie die Betergemeinschaft «Minjan Potsdam» resümierte. Die Gemeinschaft hatte, zusammen mit Rabbiner Naum Presman, speziell diese Gruppe eingeladen, sich über die «Kritik am Prozess und (das) Ergebnis der jetzigen Planung» der künftigen Synagoge in der Schloßstraße 1 zu informieren.
Was den Potsdamer Nichtjuden da geboten wurde, war weit mehr als das sprichwörtliche «drei Juden vier Meinungen». Von «tumultartigen Zuständen» war die Rede, nachdem Architekt Jost Haberland seine Vision von «einer in sich geschlossenen Synagoge» präsentiert hatte, die zugleich ein Symbol für den Neuanfang der Gemeinde darstellen soll. Doch auf dem vorgestellten Bild waren Juden mit orthodoxer Kleidung zu sehen. Ein solches Abbild passe nicht zu einem Entwurf, der nicht als Synagoge zu erkennen sei: «Warum macht Ihr das?», empörte sich Ud Joffe, führender Kopf der Betergemeinschaft «Minjan Potsdam». Für ihn und die Mitglieder des Minjans hat Haberlands Entwurf «nichts mit jüdischer Tradition zu tun». Die Raumplanung sei mit viel zu vielen Büros und Funktionsräumen überdimensioniert, so Joffe, der Innenraum eingeengt, um das Gebäude «fanatisch nach Jerusalem zu trimmen». Dazu zähle auch, dass die Sitze des künftigen Gemeindesaals nach Israel ausgerichtet werden sollen.
Zu den Mitgliedern des Minjans gehört auch der Chabad-Rabbiner Presman. Noch zum letzten Chanukkafest hatte er den Neubau der Synagoge begrüßt. Aus dem Bauverein ist Presman indes schon vor drei Jahren ausgetreten - «aus religiösen Gründen». Für den Minjan ist der Verein ohnehin «fehl am Platze», sein Vorsitzender «das größte Hindernis». Aus Protest gegen die Pläne des Vereins präsentierten die Mitglieder des Minjans ein fünf Meter langes Transparent: «Potsdam baut (k)eine Synagoge».
Der Vorsitzende des Bauvereins, Horst Mentrup, erklärte dagegen: «Wir bauen eine orthodoxe Synagoge, die ein Ort für alle Judensein soll.» Dazu sei der kompetente Rat des Berliner Rabbiners Yitzhak Ehrenberg eingeholt worden. Seiner Mitwirkung, die dem Minjan ohnehin ein Dorn im Auge ist, sei die Ausrichtung der Stühle zu verdanken, was allerdings einen Verlust an Plätzen zur Folge haben müsse.
«Alles, was Ihnen hier vorgestellt wird, entspricht unserer Satzung», erklärte der Vorsitzende der Potsdamer jüdischen Gemeinde, Vladimir Genkin. Diese schreibe nicht nur die Wiedergeburt jüdischen Lebens in der Stadt vor, sondern auch die Betreuung der Mitglieder, was die kritisierte Raumplanung legitimiere.
Erneut in eine Grundsatzplanung zu gehen, ist in der Tat wohl ausgeschlossen. Immerhin seien erhebliche Mittel ausgegeben worden, zudem stehe im Landtag die Bewilligung der Baukosten unmittelbar bevor, erklärten der Werkleiter des Landesbetriebes für Liegenschaften, Norbert John, sowie der Bauvereinsvorsitzender Mentrup. Es sei unmöglich, «alles wieder neu aufzurollen».
Schließlich versuchte Bauvereinsmitglied Christan Rüss den nicht enden wollenden Konflikt zu entschärfen: Man solle nicht «ein Verfahren um des Verfahrens willen nach deutscher Art ordentlich zu Ende bringen», sondern vielmehr miteinander «an einem Tisch sitzen». Schließlich gehe es um ein gemeinsames Ziel, die jüdische Gemeinde in Potsdam auf Dauer zu erhalten. |