Prinzipienmensch

Israels Oberrabbiner Yona Metzger besichtigt auf einer 3-Tage-Tour Ritualbäder von Dresden bis Köln

 

Neue und restaurierte Mikwaot besichtigte der aschkenasische Oberrabbiner Yona Metzger am 16. und 17. März im Eiltempo und dennoch mit sichtlicher Gelassenheit. Fünf jüdische Gemeinden in Deutschland - Dresden, Hannover, Dortmund, Krefeld und Köln - fühlten sich durch den Besuch des Gastes aus Jerusalem geehrt, feierten ihn mit Festreden, Musik und Gastmahlen. Metzger revanchierte sich mit hintergründigen und anekdotischen Ansprachen, die seine große Kenntnis der Tora und des Talmuds deutlich machten.

 

Israels aschkenasischer Oberrabbiner Yona Metzger am 15. März bei der Einweihung der Hurva-Synagoge. Kurz darauf kam er auf Deutschland-Tour. Foto: Reuters

«Was soll dieses verrückte Ding? Kann man nicht zu Hause duschen?» Mit dieser Frage leitete Metzger zum Beispiel in Dortmund seine Hinweise auf die Bedeutung der Mikwe ein: «Ein Jude soll nur dort leben, wo es eine Mikwe gibt.» Das rituelle Bad habe mehr Bedeutung als die Synagoge, weil es die Zeiten der körperlichen Begegnung von Mann und Frau in der Familie bestimme und die Körper wie bei der Geburt erneuere, so wie die Erde aus dem Wasser geschaffen sei und auch der Mond in jedem Monat neu entstehe.

 

Dortmunds Rabbiner Avichai Apel freute sich über die Mesusa, die der Gast für den Eingang zur neuen Mikwe mitgebracht hatte. Das Bad der rituellen Reinigung habe seinen Platz neben dem Kindergarten, in welchem die jüdische Identität ihre Ausprägung erhalte, erklärte Apel. Er dankte dem Oberrabbiner auch für die Begleitung der Arbeit der Orthodoxen Rabbinerkonferenz  (ORD), die sich ebenfalls aus Anlass von Metzgers Besuch in Dortmund versammelt hatte.

 

Der Oberrabbiner, der seine Tour quer durch Deutschland auf Einladung des Rabbinical Center of Europe (RCE) durchführte, hat als ranghöchster Rabbiner des abendländischen Judentums nicht die Funktion eines religiösen Oberhaupts, genießt aber hohe Autorität, die von den orthodoxen- und Einheitsgemeinden Israels und Europas anerkannt wird. Dabei ist der 1953 in Haifa geborene Sohn einer 1933 aus Deutschland geflohenen Familie der bislang jüngste Oberrabbiner.

 

Metzger gilt als moderater und orthodoxer Zionist, der gelegentlich auch den Rat der Ultraorthodoxen einholt und mit ihnen bei seiner Wahl im Jahr 2003 paktiert haben soll. Die eigene Strenggläubigkeit Metzgers steht nach eigener Aussage nicht der Bereitschaft zum Dialog mit anderen Religionen im Weg. So hat er den Plan entworfen, in Jerusalem eine der UNO nachempfundene Organisation der «Vereinten Religionen» zu gründen, die vom Dalai Lama geleitet werden könne.

 

Gleichzeitig allerdings reklamierte er die Stadt Jerusalem wiederholt zum alleinigen Besitz der Juden. Kritik erntete Metzger, als er darauf hinwies, dass die Muslime sich bei ihren Gebeten nach Mekka und Medina wenden, Jerusalem aber den Rücken zeigten. Am Tag vor seiner Deutschland-Reise rief Metzger die Muslime auf, den Gerüchten über die Errichtung eines neuen jüdischen Tempels in Jerusalem keinen Glauben zu schenken. Am 15. März hatte die Einweihung der Hurva-Synagoge (die JZ berichtete) in der Altstadt von Jerusalem Proteste der Palästinenser ausgelöst.

 

Mehr religiöse Prinzipientreue als Gesprächsbereitschaft leiteten Metzger offenbar, als er in den letzten Jahren in Jerusalem die durch Beschluss vom Obersten Gerichtshof Israels zugelassenen Paraden der Homosexuellen zu verhindern suchte. Das Oberste Gericht hat jedoch auch schon zugunsten von Yona Metzger entschieden. So etwa als dieser von 2005 bis 2008 vom Generalstaatsanwalt Menachem Mazuz zum Rücktritt als Oberrabbiner wegen des Verdachts der Vorteilsnahme aufgefordert wurde. Das Gericht entlastete Metzger.

 

Weiter zurück liegt die Militärzeit des 56-Jährigen. Die verbrachte er als Militär-Kaplan der 7. bewaffneten Brigade der israelischen Armee und schloss sie im Rang eines Captains ab. Als Rabbiner wirkte er an der Tiferet-Zvi-Synagoge von Tel Aviv und später als Regional-Rabbiner für das Gebiet Tel Aviv-Nord.

 Lukas Andel

«Jüdische Zeitung», April 2010