Keine Bar ohne Mitzwa

Die Liasion zwischen Bar Rafaeli und Leonardo DiCaprio wird von rechtsextremen Juden kritisiert

 

Oh... oh... ein Leo an der Bar.

«Jüdisches Fotomodell, 1,74 m, 24 Jahre alt, sucht einen netten Juden zum Kennenlernen und mehr bei Zuneigung»: So könnte man sich die Israelin Bar Refaeli in einer Singlebörse vorstellen, würde sie den Ratschlägen ihres Landsmannes Baruch Marzel folgen. Im März schrieb ihr nämlich der Rechtsextremist einen Brief: «Heirate lieber einen netten jüdischen Jungen. Komm zu Verstand... Schädige nicht die kommenden Generationen». Er habe nichts persönlich gegen DiCaprio, aber der nichtjüdische 35-Jährige sei einfach nicht der Richtige für die schöne Bar. «Assimilation ist schon immer ein Feind der Juden gewesen», so Marzel.

 

Marzel schrieb im Namen der Organisation «Lehava» (Flamme), die gemischte Ehen von Juden bekämpft. Wenn Baruch Marzel heute so aufgeregt ist, dann vor allem, weil er die Bilder vom letzten Filmfestival «Berlinale» gesehen hat. Im Februar 2010 zeigten sich dort nämlich DiCaprio und Refaeli glücklich zusammen auf der «Cinema for Peace»-Gala. Da an Bars Ringfinger ein Goldklunker funkelte, gab es hartnäckige Gerüchte um eine Verlobung der beiden. Und so machte die deutsche Hauptstadt selbst Paris, der Stadt der Verliebten, große Konkurrenz. Allerdings wurden von dem Pärchen bis jetzt keine Verlobungsgerüchte bestätigt.

 

Wäre DiCaprio Jude, hätte er im Alter von 13 an einem wichtigen Familienfest teilgenommen, das ihn zu einem verantwortungsvollen «netten» Mann gemacht hätte: der «Bar-Mitzwa». Das ist das Alter, ab dem ein jüdischer Junge selbst für das Einhalten der jüdischen Gebote («Mitzwot», Einzahl «Mitzwa») verantwortlich ist. Der Junge steht dabei im Mittelpunkt des Rituals der Erwachsenwerdung, ganz ähnlich einer Braut bei ihrer Hochzeit. (Der Initiierungsbrauch hat nichts mit Refaeli zu tun. Die Israelin trägt einfach nur einen außergewöhnlichen Namen: Im Aramäischen heißt Bar «Sohn».) Als Leonardo DiCaprio 13 Jahre alt war, interessierte er sich aber nicht so richtig fürs Judentum und trat lieber in Werbespots für Kaugummis und amerikanischen Käse auf. Pech gehabt. Wenn er damals gewusst hätte, dass er sich später in eine Jüdin verlieben würde, hätte er sicherlich etwas nachgedacht und die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um rechtzeitig zum Judentum zu konvertieren. So wäre heute für alle alles einfacher.

 

Immerhin sollte man DiCaprio nicht so viele Vorwürfe machen. Man kann halt nicht die Zukunft planen und mit 13 denkt man nicht unbedingt an Heirat. Zum Glück für ihn scheint es Bar vollkommen egal zu sein, ob ihr möglicher zukünftiger Mann Jude ist oder nicht. Wenn man mal aus Neugier «jüdische Frömmigkeit» mit «Refaeli» googelt, na dann viel Glück bei der Informationssuche. Die Israelin achtet nicht viel auf Religion, viel mehr auf Romantik.

 

Natürlich muss man bei den beiden Show-Promis unwillkürlich an William Shakespeares «Romeo und Julia» denken. «O Leonardo! Warum denn Leonardo? Verleugne deinen Vater, deinen Namen! Baruch Marzel, wir lieben uns!» Das Theaterstück ist nicht nur ein Drama über die Liebe, sondern ein literarisches Werk, das eine ganze Reihe von Problemen diskutiert. In der Verfilmung von Baz Luhrmann aus dem Jahr 1996 spielte eben jener Leonardo DiCaprio die Hauptrolle des Romeo. Zu der Zeit lebte die kleine Bar noch auf der Pferderanch ihrer Eltern in der israelischen Stadt Hod Ha-Scharon. Erst 2005 lernten sie sich kennen. Mit dem US-Schauspieler besuchte Refaeli 2007 ihre Heimatstadt, ging mit ihm zur Klagemauer und traf sich mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres.

 

«Aber Leo, Entschuldigung... Das macht dich nicht zum Juden!» So oder ähnlich klingen dem Hollywood-Star nun die Worte von Baruch Marzel im Ohr. «Du musst einen Rabbiner fragen, und wenn möglich in Israel heiraten. Da, wo Ehen zwischen Juden und Nichtjuden vom Staat nicht anerkannt werden. Kein Ja-Wort ohne Jahwe! Und Bar, leiste mal bitte bis dahin endlich deinen zweijährigen Wehrdienst in der israelischen Armee ab, anstatt in New York Deinen Spaß zu haben und dort Deine Steuern zu zahlen!»

 

Aber es gibt auch noch junge Leute, die auf dem Pfad der Tugend wandeln. Wie zum Beispiel die hübsche und intelligente Nichtjüdin Chelsea Clinton (30), ihres Zeichens Tochter des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und der amtierenden US-Außenministerin Hillary Clinton. Chelsea heiratet am 31. Juli dieses Jahres den Millionär und Investmentbanker Marc Mezvinsky (32), dessen Mutter Marjorie Margolies-Mezvinsky als auch der Vater Edward Mezvinsky waren früher US-Kongressabgeordnete. Wie das deutsche Boulevardblatt «Bild» unter Berufung auf New Yorker Quellen am 15. März berichtete, wird die Trauung entsprechend dem Glauben des Bräutigams, also im jüdischen Ritus abgehalten. Ob die evangelische Christin zum jüdischen Glauben übertrete, sei noch ungewiss. Familie Clinton freue sich jedenfalls auf die Hochzeit ihres einzigen Kindes, so wird überliefert. Brautvater Bill wurde mit den Worten zitiert: «Klar werde ich weinen. Das ist schließlich der wichtigste Tag in ihrem Leben». Ob sich Baruch Marzel darüber freut oder nicht, ist nicht bekannt. Vielleicht hilft dem intoleranten Mann ja diese Erklärung: Wir leben schon in einer unperfekten Welt, in der sich die Menschen in die falschen verlieben. Wahrscheinlich ist das eben die Antwort auf alles.

                                                                                                      Anthony Baratier

«Jüdische Zeitung», April 2010